Zum Meisterwerk"The Irishman" als Abgesang: Alte Herren, für immer jung

Ab sofort im Kino, ab 27. November nur noch auf Netflix: Warum das Mafiaepos von Martin Scorsese eine Ära beendet.

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Leinwandlegenden wieder vereint: Robert De Niro, Al Pacino und Ray Romano © Netflix
 

Diese Augen haben Leinwandgeschichte gemacht. Vielfach. Sie haben uns das Fürchten gelehrt, uns mit gebrochenen Charakteren mitleiden lassen und uns an die unschönen Ränder des amerikanischen Traums hingeführt.

Diese Augen gehören Robert De Niro, Al Pacino und Ray Romano, und endlich wird diesen Filmlegenden wieder einmal die große Leinwand aufgewartet. Martin Scorseses Mafiaepos „The Irishman“ ist eine langsame, intensive Erzählung über das Morden, das Machterhalten, das Mannsein und über Korruption einst und jetzt. Mehr noch: Der vielleicht melancholischste Film des Meisterregisseurs leuchtet das Altern in Einsamkeit aus, das Abschiednehmen ohne Reue und das Ungesagte zwischen diesen stechenden, traurigen und wutentbrannten Augen der Herrenrunde, der auch Joe Pesci und Harvey Keitel angehören.

Diese Augen sind alterslos, sie vermitteln wahnsinnigste Schauspielkunst auf engstem Raum. Die dazugehörenden Charaktergesichter wurden – es handelt sich um eine lange Generationengeschichte – digital geglättet, damit der 76-jährige De Niro auch als 40-Jähriger durchgeht. An die Optik der technisch verjüngten Helden, die mit ihrem echten Aussehen wenig gemein hat, muss man sich erst gewöhnen. An den Augen kann man sich festhalten – selbst wenn die Körper in einigen Szenen das Gewicht der Zeit nicht abschütteln können.

"The Irishman": Der alte Mann und die Mafia

Furios angerichtet: Oscarpreistrtäger Martin Scorsese hat mit "The Irishman" seinen lang ersehnten neuen Film mithilfe von Streaminggigant Netflix vorgelegt.

Netflix/AP

Dafür versammelte er Leinwandhelden um sich: Robert De Niro (links), mit dem er gemeinsam den Hollywood-Olymp erstieg und Al Pacino, der erstmals in einem seiner Filme mitwirkt

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Es ist eine langsame intensive Erzählung über die US-Geschichte im vorigen Jahrhundert, um Männerbünde, Mafiabrutalität, aber auch das Älterwerden und Einsamkeit

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In präzisen Bildern entführt uns Scorsese in ein Milieu, in dem das Morden an der Tagesordnung steht.

Netflix/AP

Da es sich um eine Generationenstory handelt, wurden die Gesichter der Altherrenrunde digital geglättet.

Netflix/AP

Ab sofort in ausgewählten Kinos und ab 27. November auf Netflix.

Netflix/AP

Viel Spaß mit den weiteren Bildern!

Netflix/AP
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1/10

„Es ist, was es ist“, sagt einmal einer. Und weil es sich um die Mafia handelt, ist klar, was passiert: ein Mord. Einer von vielen.

Es ist, was es ist: Das könnte man aber auch als Abgesang auf eine großartige Ära in Hollywood deuten. Als Erinnerung an eine Zeit, in der es möglich war, solch ein Epos auf die Leinwand zu hieven. In diesem Fall musste bekanntlich Netflix einspringen. Insofern ist „The Irishman“ auch als ein letztes, lautstarkes, furioses Aufbäumen der alten, weisen Männer zu sehen.

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