"Ein weiterer Avatar-Film? Wieso?" Das war die Frage, als James Cameron ankündigte, er wolle gleich vier weitere Teile drehen. In den 13 Jahren seit "Avatar – Aufbruch nach Pandora" hatte der Mega-Blockbuster der Gesellschaft seinen popkulturellen Stempel aufgedrückt. Auch, wenn er auf den ersten Blick scheinbar keine Nachfolger hatte und als "Pocahontas" im Weltall mit 3D-Spielereien verspottet wurde.

Dass wir wieder über "Avatar" reden, zeigt: Der Film hat in puncto Machart langfristig doch Spuren hinterlassen. Nicht nur, weil man als Zuschauer in den folgenden zehn Jahren bei fast keinem Blockbuster ohne 3D-Brillen auskam. Regisseur Cameron erklärte die Langlebigkeit des Streifens auch damit, dass Menschen aus allen Kulturen "durch die Linse von Science-Fiction eine Universalität ihres Lebens" sehen.

Der Film hatte sich mit der Zerstörung des Planeten auseinandergesetzt – lange vor Greta Thunberg. "Als wir Kinder waren, haben wir die Natur geliebt. Während sich die Leben weiterentwickeln, entfernen wir uns mehr von der Natur", glaubt Cameron. Der Film bringe das kindhafte Staunen zurück.

Bis heute thronen die CGI-Effekte von "Avatar" über Blockbustern. Bahnbrechend war die Weiterentwicklung der Motion-Capture-Technologie. Vor den blauen Na'vi kannte man nur Andy Serkis als Gollum in "Der Herr der Ringe" und als "King Kong". Längst sind nun digital-realistische Welten die Norm, wie etwa in den Jon-Favreau-Filmen "Das Dschungelbuch" und "Der König der Löwen". Mit Figuren wie Josh Brolins Thanos aus dem "Marvel Cinematic Universe" wurden aus Gimmicks reale, komplexe Figuren. Serien wie "The Mandalorian" haben virtuelle Sets entwickelt, die sich im Hintergrund mit den Figuren mitbewegen und kaum von realen Orten unterscheidbar sind.

Vielleicht liegt die Besonderheit von "Avatar" letztlich im Umstand, dass er nie ein echtes kulturelles Erbe hervorbrachte. Die Kanonisierung und zunehmend toxische Kultur von "Star Wars" oder eines "Marvel Cinematic Universe" hat mit Camerons Visionen wenig gemein. Schließlich war "Avatar" das Eitelkeitsprojekt eines Regisseurs, der sich 2009 viele Freiheiten herausnehmen konnte. Der Film war nie Teil eines gemeinsamen Universums, einer Comicstory oder sonstigen geldproduzierenden Entitäten. Er musste aus sich heraus funktionieren.
Welchen kulturellen Einfluss sieht Cameron selbst? "Wir werden sehen, ob die Leute in 'Avatar 2' kommen", gibt er sich pragmatisch. Hauptdarsteller Sam Worthington spricht die universale Botschaft an. "Es ist eine Geschichte eines jungen Mannes, der auf einen anderen Planeten flog, um dort etwas zu suchen: Zugehörigkeit." Ein universelles Bedürfnis, das jegliche CGI, Ort und Zeit sprengt.