Dieser Film ist ein Trip mit ungewissem Ausgang – und als solcher geglückt. US-Regisseur Brett Morgen nähert sich im psychedelischen Dokumentarfilm "Moonage Daydream" einem der außergewöhnlichsten Künstler des vorigen Jahrhunderts: David Bowie (1947–2016). Dem Gesamtkunstwerk, dem Popstar, dem Alien, Schauspieler, Philosophen, Intellektuellen, Musiker, Inszenierer und Dichter. Einem, der dennoch stets ein Mysterium blieb.
Der in Cannes uraufgeführte Film startet in den Weiten des Universums, mit Aufnahmen vom Mond. Eine Ansage. "Moonage Daydream" ist kein gewöhnliches Musikerporträt, es ist größer angelegt, sprengt die Grenzen, wie es einst David Bowie tat. Der Künstler, der mit seiner Androgynität Ende der 1960er wirkte wie ein Alien auf der Erde. Die Doku ist eine feierliche, narkotisch-bunte Montage aus Archivmaterial, gut aufgelegten Fans, die seine Frisuren mehr schlecht als recht kopierten, fantastischen Interview-Sequenzen, Bowies experimenteller Videokunst, Filmszenen und Bühnenarbeiten. Seine innere, chamäleonhafte Zerrissenheit wird auffällig mit eingefärbten Bildern von Atombomben oder einem Best-of seiner Videos von dessen Bühnenfiguren wie Ziggy Stardust oder Major Tom visualisiert. 144 Minuten – ein Rausch der Farben und Klänge.

Nach Kurt Cobain oder den Rolling Stones widmete sich Morgen fünf Jahre lang Bowie. Er bekam als erster Regisseur Zugang zum privaten Nachlass. Der Mensch interessierte den Filmemacher dabei genauso wenig wie die oftmals in Porträts gepredigte Wahrheit hinter der öffentlichen Figur.

Die Bowie-Doku ist ab sofort im Kino zu sehen
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Der Film ist wie ein kleiner Blick, ein kurzes unerlaubtes Spechteln in die Gedankenwelt des einzigartigen Gestaltwandlers. Näher als in „Moonage Daydream“ war man David Bowie wohl noch nie. Zur Fortsetzung erscheint auch ein Begleitalbum zum Film.

Bewertung: ****