Man soll die Feste feiern, wie sie fallen: Es sei denn, es handelt sich um den konservativen Familienpatriarchen Monsieur Claude Verneuil (Christian Clavier) und seine Frau Marie (Chantal Lauby). In "Monsieur Claude und sein großes Fest" werden ihrer beider Nerven, ihre Toleranzgrenzen und ihre Geduld wieder einmal überstrapaziert. Haben sie die multikulturellen Hochzeiten ihrer vier Töchter mit erhöhtem Adrenalinspiegel hinter sich gebracht, folgt im dritten Teil der populären und beim Publikum gefeierten Teil der Reihe der Clou: Die Schwiegersöhne sind jetzt ihre Nachbarn. Und sie streiten sich, Gartenzaun an Gartenzaun, über Äpfel, die auf Petersilie plumpsen. Sein Heimatstädtchen, erfährt der Grantscherm bei seinen morgendlichen Streifzügen, ist zu klein für alle. Turbulenzen sind also vorprogrammiert. Kurzer Optimismus keimt auf, als er eine Scheidung wittert. Ségolène, die Künstlerin der vier, hat, so glaubt ihr Vater, einen Verehrer: den Kunstexperten Helmut Schäfer. Doch der ist in Wahrheit hinter seiner Frau Marie her. Und es ist nicht klar, ob sie einer Liaison so ganz abgeneigt ist.

Und dann wäre da auch noch der familiäre, generationen- und nationenübergreifende Super-GAU: Die Töchter mitsamt Anhang planen in "Monsieur Claude und sein großes Fest" eine Party zum 40. Hochzeitstag ihrer Eltern, inklusive Erneuerung des Eheversprechens bei einer Ballonfahrt. Auch die Schwiegereltern aus aller Welt sollen antanzen und in ihrem Haus übernachten. Und die konnten Claude und Marie noch nie leiden.

Die Komödie "Monsieur Claude und seine Töchter" schlug beim Kinopublikum 2014 ein, auch der schwächere zweite Teil mutierte zum Hit. Bei Film Nummer drei sitzen die Pointen wieder besser und
alle rundum kriegen ihr Fett ab. Die deutsch-französische Freund- sowie Feindschaft stehen im Fokus. Und die Ehe der Verneuils. "Der Vorteil von einer Fortsetzung ist, dass Personen und Charaktere nicht extra ausgearbeitet werden müssen. Das Publikum kennt und liebt sie schon – sie sollen sich gar nicht weiterentwickeln", sagt Regisseur und Drehbuchautor Philippe de Chauveron. Die Schwierigkeit sei, "dass man sich nicht wiederholt".

Frankreich, so de Chauveron, hätte sich verändert, die Menschen mischen sich. "Diese Familie repräsentiert Frankreich, so wie es heute ist: mit all seinen Minderheiten." Die Politik hätte sich seit Teil zwei nicht unbedingt verändert. "Es ist genauso schlecht wie vorher." Und: "In Frankreich ist die Angst vor Le Pen nicht so groß, wie man im Ausland vermutet."

Der Regisseur und sein Hauptdarsteller bei der Premiere in Spanien.
Der Regisseur und sein Hauptdarsteller bei der Premiere in Spanien
© (c) IMAGO/ZUMA Wire

Die Reihe lebt vom komödiantischen Talent von Christian Clavier und Chantal Lauby. Der Schauspieler, der mit 17 das erste Mal nach Deutschland kam und im Schwarzwald mit Deutschen und Schweden hackelte, definiert sich seit damals als Europäer. "Ich verstehe gar nicht, warum aktuell in so vielen Ländern antisemitische Ressentiments auftreten." Sowohl Regisseur als auch Hauptdarsteller gehen davon aus, dass nach Teil drei Schluss mit der Monsieurisierung sei. Aber wer wisse das schon. "Wenn Philippe zu mir kommt und mir das Drehbuch gefällt, werde ich offen dafür sein. Wie für jedes andere von ihm", sagt Clavier. "Ich zweifle nicht daran, dass er noch viele gute Ideen für eine Komödie hat."

Apropos Komödien. Schon als Bub hat der Meister der Situationskomik mit seinen Eltern im Kino Komödien angeschaut und bemerkt, dass gemeinsames Lachen verbindet und befreit. Seinen Humor hat er übers Theater entdeckt. Pierre Mondy habe zu ihm gesagt: "Bei dir fangen die Leute schon zu lächeln an, wenn du auf die Bühne gehst." Und was ist nun eine gute Pointe? "Etwas, was dich zum Lachen bringt. Es ist bizarr, magisch, verrückt. Und schwierig. Man kann es nicht erklären." Und
lernen auch nicht. "Entweder man hat die Gabe oder nicht. Einen guten Gag kann man nicht kreieren." Es habe auch etwas mit dem kulturellen Erbe zu tun: "Die Italiener und die Franzosen verbindet dieser Sinn, alles ins Lächerliche zu ziehen, sich über alles lustig zu machen. Auch über sich selbst. Wir sagen alles, egal, ob es Sinn macht oder nicht." Und der Europäer kennt sich auch mit der europäischen Humorlandkarte aus: "Der britische Humor ist absurd, während die Spanier zu einer Schwere und Tragödie neigen und die Deutschen zu einer gewissen Ernsthaftigkeit."

Ist der Humor die Geheimformel des französischen Films? "Die Amerikaner stehen einfach mehr auf
Helden, die Franzosen mehr auf Antihelden. Und Antihelden eignen sich besser als Helden in
Komödien."
Die Reise nach Berlin wurde vom Verleih Filmladen unterstützt.