Die Karosserie des nigelnagelneuen Pick-up-Trucks glänzt. Die Sonne heizt den Autolack auf. 20 Männer und Frauen stehen rund um, eine Hand am Wagen. Der Südstaatendialekt ist breit, die Machtspielchen sind perfide. Wer am längsten bei den „Hands On“-Bewerben durchhält, ohne die Hand zu lösen, gewinnt. Es sind Geschichten von Losern im Prekariat und ihrem Streben nach Aufstieg. Und Status.

Der deutsche Regisseur Bastian Günther erzählt in „One Of These Days“ in flirrenden Bildern von jahrmarktähnlichen Wettbewerben, wie sie in den 1990ern/2000ern in Texas populär waren. Sein Kinofilm ist ein Abgesang auf den amerikanischen Traum. „Im Wettbewerb, auf diesen zwölf Quadratmetern spiegelt sich sehr gut unser gegenwärtiges System wider: der Kapitalismus sowie der Darwinismus, wonach der Stärkere überlebt“, sagt er zur Kleinen Zeitung. Der Truck könne für vieles stehen: „Für all das, was Leute wollen, womit sie sich identifizieren, und alles, wovon sie glauben, dass ihr Leben besser wird.“ Der Truck stehe aber auch für Hoffnung und falsche Hoffnungen. Fürs Rauskommen. „Das ist ein großer Trugschluss. Denn es gibt keine Sieger. Selbst wenn du gewinnst, bleibst du der Idiot, der daran teilnehmen musste“, sagt der Filmemacher.

Was ihn empört: „Es ist eine Ausbeutung von Menschen.“ Andere amüsieren sich darüber. „Die menschliche Lust auf Schadenfreude und am Sozialporno. So sind wir Menschen leider“, sagt der in Berlin sowie Texas lebende Günther.

Bastian Günther lebt teils in Texas, teils in Berlin
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Sein Blick auf seine Protagonisten ist wohltuend nüchtern und unvoyeuristisch. Shootingstar Joe Cole („Peaky Blinders“) mimt einen jungen mittellosen Familienvater und Carrie Preston („The Good Wife“) die berechnende Autohausangestellte.

Bewertung: ****