Aus heutiger Sicht ist er ein erstaunlich moderner Schauspieler: Henry Fonda (1905–1982) hegte seine Selbstzweifel, blickte nie direkt in die Kamera und pflegte das Image des guten und aufrechten Amerikaners.
„Henry Fonda for President“ ist das späte Filmdebüt von Alexander Horwath. Der langjährige Filmmuseums- und Viennale-Chef skizziert – mit all seiner filmhistorischen Expertise – die referenzlastige Geschichte Amerikas von 1651 bis in die 1980er, als mit Ronald Reagan ein anderer Schauspieler im Jänner 1981 zum 40. US-Präsidenten vereidigt wird. Die Geschichte der USA ist eng verwoben mit der Biografie des Linksliberalen Henry Fonda. „Es war fast schleichend. Ich habe nicht beschlossen, irgendwann Filmemacher zu werden, ich bin überzeugt worden. Irene Höfer (Anm. Produzentin) hat mich geschubst“, sagt Alexander Horwath zur Kleinen Zeitung.
„Rein faktisch bin ich nun Filmemacher geworden. Nach der Premiere auf der Berlinale war ich verblüfft, dass es so viel Zuspruch aus allen Ländern gab. Ich habe nie gedacht, dass so ein Film ganz regulär ins Kino kommt, in Österreich, in Deutschland und in den USA. Wir haben unsere Premiere im MoMA in New York.“ Fazit des Neo-Filmemachers: „Es ist Neuland, ein Abenteuer. Ich wollte selber sehen, was da rauskommt. Ich habe alles investiert, was ich weiß.“
Der 184-Minuten-Film mutiert zum Roadtrip quer durch die USA; mit Stopps an einem Ort namens Fonda, in New York, dem Mittleren Westen, am Pazifik. „Henry Fonda for President“ ist eine nie geschwätzige, immer interessante Geschichtsstunde über ein Land, einen Schauspieler und seine Kinofiguren. Das Dokument nimmt Fahrt auf, wenn Horwath Themen wie Völkermord, Rassismus, Verfolgung und Umweltzerstörung direkt anspricht.
„Es war eine lebenslange Recherche, eine berufliche wie private Beschäftigung mit Film, Filmgeschichte, den USA. Ich war 1983 das erste Mal in New York und bin seither sicher 25-mal in den USA gewesen, beruflich und privat. Und in letzter Zeit immer öfter im Inneren des Landes. Der Mittlere Westen und der Süden haben es mir und meiner Liebsten besonders angetan“, sagt Horwath.
Er hat Henry Fondas letztes Interview von 1981 aufgetrieben. „Der Sound dieser klugen, selbstironischen und selbstzweiflerischen Stimme, das hat den Film entscheidend mitgeformt“, erzählt der 60-Jährige. An ihm gefallen hätte ihm, „dass er sich nicht als triumphaler Männer- und Siegertyp zeigt, der sich wie ein Gorilla auf die Brust klopft, sondern als skeptischer, nachdenklicher Typ.“ Bleibt er dem Filmemachen treu? „Ich brauche ein persönliches und intensives Verhältnis zu einem Sujet. Was mich zurzeit am meisten beschäftigt, ist das Leben meiner verstorbenen Eltern. Aber ich habe dazu keine konkreten Filmpläne. Wir werden sehen.“ Wir hoffen.