"Inspiration“ lautet das Motto des heurigen Klassikfestivals ar|:s:|onore. Gemeint ist musikalische Kreativität, die sich von Vorbildern beflügeln lässt. „Wir präsentieren originale Meisterwerke und zeigen auf, wie diese wiederum andere Komponisten maßgeblich in ihrem Schaffen beeinflusst haben“, sagt Markus Schirmer, „manchmal haben wir es mit völlig eigenständigen, genialen Tonschöpfungen zu tun, mitunter finden wir aber auch eleganten künstlerischen ,Diebstahl’, der in seiner heiter-unschuldigen Unverschämtheit ebenso eine Besonderheit darstellt“, betont der Pianist und Intendant.

Als besonderen Höhepunkt der 8. Ausgabe seines Festivals kündigt der 59-jährige Grazer das Konzert „Goldberg & Goldberg Re-Loaded“ an. Für dieses Bach-Projekt konnte Angela Hewitt gewonnen werden. Die Kanadierin ist eine ausgewiesene Bach-Expertin, die zwischen 1994 und 2014 das gesamte Œuvre des Barockmeisters auf 14 CDs beim britischen Plattenlabel Hyperion eingespielt hat. Darunter natürlich auch die Goldbergvariationen. Seit sie als erst 17-Jährige mit dieser prächtigen, mächtigen „Clavir-Übung“ im Jahr 1975 den Klavierwettbewerb in Washington gewann, ist das Werk von 1741 mit 30 Variationen und einer Aria am Anfang und Ende Hewitts ständiger Begleiter.

Das Team von ar|:s:|onore verspricht mit der 64-jährigen Pianistin jedenfalls „die vielleicht beste Bach-Interpretin unserer Tage“ und nach der Pause ein „Traumquartett“ mit Christian Bakanic (Akkordeon), Benjamin Schmidt (Violine), Petrit Çeku (Gitarre) und Christian Wendt (Kontrabass), das fantasievoll auf die sangliche Bach’sche Aria antworten wird.

Angela Hewitt, die unseres Wissens nach erstmals in Graz gastiert, lebt abwechselnd in London, Ottawa und Umbrien, wo sie sie seit 2005 das Trasimeno Music Festival leitet – auch, um Künstler aus der Region zusammenzuführen. Außerdem kooperiert sie in ihrem Programmen gern auch mit Schriftstellern, zum Beispiel mit den Briten Julian Barnes und Ian McEwan.

Die 64-Jährige, die neben Bach ein breit gefächertes Repertoire von Mozart und Chopin über Liszt und Ravel bis zu Messiaen hat, kam übrigens im Februar 2020 unfreiwillig in die Schlagzeilen: Nach Aufnahmen für ein Beethoven-Album in Berlin ließen Möbelpacker der Transportfirma ihren geliebten Konzertflügel fallen. „It’s kaputt!“, trauerte sie über den äußerst kostbaren Fazioli F278, den einzigen auf der Welt mit vier Pedalen, auf dem sie 17 Jahre lang gespielt hatte. „Er war mein bester Freund. Ich hoffe, dass mein Flügel im Klavierhimmel glücklich sein wird“.