Erinnerungskultur im besten Sinn des Wortes: Am Originalschauplatz, dem Landesgericht Klagenfurt, erinnerte am Dienstagabend eine von Arthur Fischer konzipierte szenische Lesung an die berüchtigten Freisler-Prozesse. 31 Männer und Frauen hat Rudolf Freisler, Präsident des NS-Volksgerichtshofes, in den letzten Jahren des Zweiten Weltkriegs wegen ihres Widerstands gegen das Nazi-Regime zum Tode verurteilt.

Im Großen Schwurgerichtssaal lasen Katarina Hartmann, Katharina Schmölzer und Oliver Vollmann aus Originaldokumenten – Zeitungsberichten und Gerichtsprotokollen, aber auch Tagebucheintragungen, Abschiedsbriefen oder Erinnerungen, etwa von Janez Urank: "Dann kam der berüchtigte Freisler ... Ich war in Zelle 61, der Schwurgerichtssaal war darunter und ging zum Hof hinaus. Der Freisler schrie so, dass man das in den Zellen hörte. Nur 'Schweine und Banditen'." Ohnehin sei schon vor Prozessbeginn festgestanden, wer zum Tode verurteilt wird – jene 13 Angeklagten saßen 1943 im Gerichtssaal denn auch in der ersten Reihe.

Wilhelm Pflegerl
© Bauer/STK

Ergänzt wurden die Lesungen durch Projektionen (zu sehen waren u. a. die Grabsteine der Hingerichteten sowie ein Video von Freisler) und den Klängen des jüdischen Komponisten Egon Wellsz, einfühlsam gespielt von Solo-Cellist Wilhelm Pflegerl. Ein wichtiger, berührender, aber leider einmaliger Abend, der sich Wiederholungen mehr als verdient hätte.