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Sakrale Kunst in KärntenGute Hirtinnen und prunkvolle Ornate in der Schatzkammer

So manches sakrale Kunstwerk hat Kärnten bereits verloren. Was an Kostbarkeiten übrig blieb, wird in der Schatzkammer Gurk von Diözesankonservatorin Rosmarie Schiestl mit Freude und Umsicht gehütet.

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Diözesankonservatorin Dr. Rosmarie Schiestl vor der "Madonnengalerie" in der Schatzkammer Gurk © Karl-Heinz Kronawetter
 

Über das „Landplagenbild“, das Thomas von Villach an der Außenseite des Grazer Doms hinterließ, schrieb sie einst ihre Diplomarbeit. Danach folgten die Fresken der Gurker Westempore als Thema für ihre Doktorarbeit. So gesehen war es nicht sehr überraschend, dass die ausgewiesene Kennerin von Kärntner Kunst des Mittelalters zur Diözesankonservatorin und Nachfolgerin von Eduard Mahlknecht bestellt wurde. Seit nunmehr fünf Jahren bekleidet die steirische Kunsthistorikerin Rosmarie Schiestl diese Funktion. Neben ihrer Beratungstätigkeit für die Pfarren, insbesondere was die Pflege und Erhaltung von Kunstwerken betrifft, leitet die 40-Jährige auch mit großer Leidenschaft die Schatzkammer Gurk.
„Es ist immer wieder eine Freude, hier durchzugehen. Das Architekturbüro Winkler + Ruck hat eine wunderbare Synthese aus alter Kunst und zeitgenössischer Ästhetik geschaffen“, schwärmt Schiestl über das 2014 eröffnete Museum, das sich durch seine puristische und zugleich nachhaltige Innengestaltung auszeichnet. „Das Lärchenholz, aber auch das verwendete Eisen und Glas stammen aus der Gegend beziehungsweise von einheimischen Betrieben“, erklärt Schiestl.

Blick in die von Winkler+Ruck gestaltete Schatzkammer Gurk Foto © KK

Gestohlen, wiedergefunden und verkauft

Bevor das Diözesanmuseum endgültig in das Gurker Propsteigebäude übersiedelte, war es anfänglich in der Klagenfurter Bischofsresidenz und ab den 1970ern im Haus am Dom beheimatet. Neben der Präsentation von herausragenden Werken sakraler Kunst lag stets das Augenmerk auf der wissenschaftlich-konservatorischen Betreuung des gesamten Kunstbestands der Diözese. Wie professionell das bisher gemacht wurde, hat sich erst jüngst wieder gezeigt, als Tafelbilder, die vor Jahrzehnten aus der Leonhardikirche von Bad St. Leonhard gestohlen worden waren, plötzlich wieder auftauchten. Schiestl: „Nur dank der fotografischen Dokumentation und genauer Unterlagen konnten vier der acht gestohlenen Bilder von italienischen Carabinieri sichergestellt werden.“ Bei anderen Kunstwerken kamen die Denkmalschützer leider zu spät, etwa bei den ebenfalls aus Bad St. Leonhard stammenden Glasfenstern, die einst von der Pfarre verkauft wurden und sich heute in den berühmten Cloisters des New Yorker Metropolitan Museum of Art befinden.
Für das Kärntner Diözesanmuseum sind trotzdem noch genügend Schätze übrig geblieben. Geordnet nach Themen, Epochen und Kunstsparten widmen sich allein drei der zehn Räume der gotischen Kunst. „Kärnten besitzt von allen Bundesländern die meisten mittelalterlichen Kunstwerke, vor allem Flügelaltäre, aber auch einen hohen Bestand an Wandmalereien“, erzählt Schiestl bei einem Rundgang durch die rund 270 Exponate umfassende Schausammlung. Die Bandbreite des Gezeigten reicht von kostbaren Messgewändern wie dem "Gurker Ornat" über die Fastentücher von Gurk und Steuerberg bis hin zu eigenwilligen Votivgaben wie einem Metallgebiss oder Wassernussrosenkranz. Dankbar zeigte sich 1537 auch ein gewisser Peter Latnecker aus Hüttenberg, der nach seiner Befreiung aus türkischer Gefangenschaft der Mutter Gottes von Maria Waitschach ein Bildnis von sich spendete.

Über das Museum

Die Schatzkammer Gurk ist bis 31. 10. geöffnet, Di. bis So., 9 bis 17 Uhr. Eintritt: 3 bis 8 Euro.
Info & Kontakt: Tel. 04266 8236-12
Virtueller Rundgang mit Diözesankonservatorin Dr. Rosmarie Schiestl: www.kath-kirche-kaernten.at/schatzkammer

Großen Liebreiz strahlen dagegen die in unterschiedlichsten Posen dargestellten Madonnen aus oder eine „Gute Hirtin“, die schon in der Barockzeit vorwegnahm, was man heute unter Gendergerechtigkeit versteht. Doch es ist nicht alles Gold, was in der Schatzkammer glänzt: Den „Hemmahut“, die älteste erhaltene Kopfbedeckung Mitteleuropas, hat die heilige Gräfin ebenso wenig getragen wie einen nach ihr benannten „Stöckelschuh“, der erst im 15. Jahrhundert in Mode kam.
Zu den Lieblingsobjekten der Museumschefin zählt das romanische Hölleiner Kruzifix, das den Gekreuzigten expressiv und bereits mit dem Leidensausdruck der Gotik vor Augen führt. Wie die fast gleich alte Magdalenenscheibe stammt es aus einer kleinen Gurktaler Filialkirche, wo es mehr als 800 Jahre unbeschadet überstand.

Das romanische Hölleiner Kreuz Foto © steinmetz

Rund 5000 Besucher im Jahr haben die Schatzkammer in Vor-Corona-Zeiten aufgesucht. Daran möchte Rosmarie Schiestl heuer anschließen und verweist zum Abschied auf den Museumsshop, der mit seinem reichen Angebot an regionalen Spezialitäten und Spirituosen ("Gurktaler Alpenkräuter" & Co.) auch den weniger Kunstaffinen einen kurzweiligen Aufenthalt verspricht.

 

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