"Im weißen Rössl" kennen die Österreicher aus der Verfilmung von 1960 mit dem Nachkriegstraumpaar Peter Alexander und Waltraut Haas im Mittelpunkt einer turbulenten Schlageroperette. Ein paar Seitenhiebe auf den Tourismus waren selbst dort noch vorhanden. Aber nichts im Vergleich zu den Schlägen in die Magengrube, die ausgeteilt wurden in dem Stück, das 1930 in Berlin uraufgeführt worden war. Die Operette war im Original eine knallige, sarkastische Revue mit Musik von Ralph Benatzky, Robert Stolz und anderen, ein Kind der Wilden 20er, in einem wild gemischten musikalischen Idiom, das Kurt Weills "Dreigroschenoper" viel näher steht als die Heimatschlager aus dem Alexander-Film.

Der Musiker und Regisseur Sandy Lopicic: "Das war eine scharfe Parodie auf die Österreicher und die deutschen Touristen, ein Culture Clash, der auf ganz, ganz viel Sex und Jazz trifft. Das alles war also ganz anders gemeint. Für die Nazis war das entartete Kunst. Und nach dem Krieg hat sich die Heile-Welt-Version davon überliefert und man hat es in eine Tourismus-Werbung verwandelt."