Die Programmierung erfolgte natürlich schon weit vorher, aber „es gibt kein aktuelleres Stück zu dieser Zeit“, sagte Nora Schmid bei der gestrigen Spielplanpräsentation. Die Intendantin meinte damit Benjamin Brittens „War Requiem“. Mit dieser berührenden Klage über die Toten des Zweiten Weltkriegs wird die Saison eröffnet, Lorenzo Fioroni, der schon Martinůs „Griechische Passion“ imposant inszenierte, wird die Bühne für das oratorienartige Werk „in einen Ort jenseits des Gewohnten“ verwandeln.

Gleich drei Premieren waren bereits 2020 angekündigt gewesen, aber dann kam ja Covid als Spielverderber: Puccinis „Madama Butterfly“ mit der Finnin Marjukka Tepponen in der Hauptrolle, die gerade an der Met in New York reüssierte. Smetanas „Verkaufte Braut“, zur Gänze aus dem Ensemble besetzt. Und die Grazer Erstaufführung von Nino Rotas „Florentiner Hut“, für Schmid „ein echtes Juwel“, das während des Lockdowns zumindest auf CD gefasst wurde.

In Österreich noch nie zu sehen war Kurt Weills Broadwayhit „Ein Hauch von Venus“ über einen Friseur, der sich in eine antike Statue verliebt und diese damit zum Leben erweckt. Für Offenbachs „Großherzogin von Gerolstein“, eine spöttische Satire auf das Militär, verfasst Regisseur Peter Lund einen eigenen Text. Und Janáčeks „Katja Kabanova“ über eine Frau, die das gesellschaftliche Korsett ihrer Zeit sprengt, inszeniert das Trio um Anika Rutkofsky, das 2021 den Ring Award in Graz gewann; mit dem Chefdirigenten Roland Kluttig darf man sich auf „eine ungeheuer emotionale und authentische Musik“ freuen.

Auch von ihrer Compagnie verspricht Chefin Beate Vollack neben großem Ballett „große Gefühle und große Melancholie“. Das wird schon „Zum Sterben zu schön“ des Norwegers Jo Strømgren einlösen, detto Vollacks eigene Choreographien „Carmen“ über Bizets feurigen Freigeist und „Der Tod und das Mädchen“ (nicht nur) nach Schuberts berühmtem Streichquartett.

Das Familienmusical "Frau Holle" von Sebastian Brand und Florian Stanek im Next Liberty. "Pigmalion" von Rameau als einer von zwei Opern-Kurzgenüssen, erstmals im Atelierhaus "Schaumbad". Der Stummfilm "Die Stadt ohne Juden" (1924) mit der Musik von Olga Neuwirth und Texten aus dem gleichnamigen Roman von Hugo Bettauer, gelesen von Cornelius Obonya. Das Neujahrskonzert der Grazer Philharmoniker unter der Leitung von Kluttig mit den vier Elementen als Motto. "Sag zum Abschied leise Servus" zum Saisonfinale...Vollgepackt mit weiteren schönen Überraschungen ist Nora Schmids achte und letzte Spielzeit, bevor sie an die Dresdener Semperoper wechselt und der Deutsche Ulrich Lenz ihr nachfolgt.

Details, Karten, Abos: Tel. (0316) 8000. www.oper-graz.com