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MedientagebuchWohin soll ich mich wenden?

Über Kulturereignisse im TV wie Mozarts "Figaro" in der Inszenierung von Alfred Dorfer in Wien.

Szene aus "Figaro" im Theater an der Wien, live vor leerem Haus gespielt und im ORF gesendet © TADW/Moritz Schell
 

Seltsamer Premierenbesuch, selbst für einen altgedienten Kritiker: Man öffnet nicht das Theatertor, sondern die Wohnzimmertür. Man hat vor Vorstellungsbeginn kein Brötchen von der Theke in der Hand, sondern ein Stück Pizza aus dem Ofen. Und man quetscht sich nicht im Anzug in die samtroten Theatersessel, sondern fläzt in Jeans und Pulli vorm Fernseher ... Mozarts „Figaro“ in der Inszenierung von Alfred Dorfer, am Sonntag live erlebt, aber in Wahrheit doch nur zu Hause. Auf ORF III.

Fast gruselig war, als sich Dirigent Stefan Gottfried anfangs im Theater an der Wien verneigte – vor leeren Rängen, ohne Applaus, aber natürlich für das Publikum vor den TV-Geräten gedacht. Man mag sich an solche Bilder nicht gewöhnen. Doch dass es diese überhaupt gibt, ist dem Kulturauftrag nicht nur öffentlich-rechtlicher Sender zu danken.

Schauen Sie sich einmal genau um bei ORF, ARD, ZDF, Bayern, Arte, BBC & Co und deren zusätzlichen Online-Plattformen wie „fidelio“. Sie müssen kein Klassik-Fan sein, um sich mit Schuberts Worten zu fragen: Wohin soll ich mich wenden?

Ja, Corona ist ein Spielverderber. Aber solche Ereignisse wie der „Figaro“ aus Wien, derzeit leider nur aus der Ferne zu bewundern, sind der beste Beweis dafür, dass das Spiel weitergehen wird. Und wir dann endlich wieder mittendrin sind statt nur dabei!

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