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PremierenkritikKein zweites Leben für die Vestalin im Theater an der Wien

Das Theater an der Wien sorgt für eine löbliche Wiedererweckung von Gaspare Spotinis einstiger Erfolgsoper „La Vestale“. Doch trotz der Mühe herausragender Sänger reißt das Werk nur in seltenen Momenten mit.

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Madonna statt Vesta: Elza van den Heever als Julia © Werner Kmetitsch/TADW
 

"La Vestale“ aufzuführen ist ein kühnes Unterfangen, vor allem wegen der enormen Ansprüche, die der Komponist an seine Heldin stellt. Wer traut sich schon, die Riesenrolle der Vestalin Julia den Diven Maria Callas und Montserrat Caballé nachzusingen? Und wem fällt zur szenischen Umsetzung der hölzern-pathetischen Handlung vom verliebten, aber vom gestrengen Vater zum jungfräulichen Dienst an der Göttin Vesta verpflichteten Mädchen Sinnstiftendes ein?

Elza van den Heever aus Südafrika schreckten die übergroßen Vorbilder nicht und nicht die Strapazen der Rolle. Fast allein trägt sie den drei Stunden langen Abend durch, veredelt die lyrischen Momente und packt mit dramatischen Ausbrüchen. Warum aber will dennoch nichts Rechtes aus dem Wiederbelebungsversuch werden, trotz des wunderbaren Tenors Michael Spyres, der den Liebhaber der Vestalin singt, trotz des imposanten Oberpriesters Franz-Josef Selig und der hervorragenden Claudia Mahnke als Obervestalin?

Hauptschuld an dem flauen Gesamteindruck des Abends trägt Regisseur Johannes Erath. Um dem Pathos des Librettos zu entrinnen, greift der dem Grazer Publikum aus vielen Produktionen bekannte Regisseur zu zwei Kunstgriffen: zu ironischer Brechung und zur Privatisierung. Vor allem Ersteres konterkariert Musik und Text so massiv, dass am Ende das Werk Schaden nimmt. Der krampfhafte Versuch, das Heute in die römische Tragödie zu zwängen, wirkt aufgesetzt und verwirrt die nicht sehr komplizierte Handlung bis zur Unverständlichkeit. Es handelt sich eben nicht um eine kleinbürgerliche Familiengeschichte. Und auch der Missbrauch in der katholischen Kirche, den Erath in Gestalt des lüstern sabbernden Pontifex bemüht, wirkt an den Haaren herbeigezogen. Vor allem aber zerstört die ironische Verkleinerung der Figuren die Wirkung der Musik.

Auch aus dem Graben kommt keine Hilfe zur Rettung des Abends. Bertrand de Billy kann der auf weite Strecken gipsernen Musik selten Leben einhauchen. Nur bei den dramatischen Höhepunkten gelingen ihm effektvolle Steigerungen. Warum Richard Wagner das Werk einst faszinierend fand, bleibt nach diesem Abend ein Rätsel. Das Publikum dankte den Sängern und strafte das Regieteam mit Zorn.

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