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Kritik Salzburger Festspiele"Simon Boccanegra" und der tödliche Kreislauf der Macht

Politik als grausames Schicksal: „Simon Boccanegra“ wird in Salzburg konventionell, aber auch recht schlau modernisiert. Das exzellente Ensemble haucht dem Konzept Theaterleben ein.

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SALZBURGER FESTSPIELE 2019: FOTOPROBE 'SIMON BOCCANEGRA'
"Simon" in Salzburg: Luca Salsi, Marina Rebeka und Charles Castronovo in der Schlussszene, die zu den stärksten Passagen der Inszenierung zählt. © APA/BARBARA GINDL
 

"Simon Boccanegra" hat es nie leicht gehabt. Giuseppe Verdi vertonte eine düstere Politgeschichte mit viel Hass und Intrige, verwandelte es in ein pessimistisches Nachtstück für dunkle Männerstimmen. Die obligate Liebesgeschichte zwischen Sopran und Tenor ist da eher pflichtschuldiges Zugeständnis an die italienische Opernkonvention als dramaturgisch allzu notwendig.

Regisseur Andreas Kriegenburg versetzt den quälenden, niemals aufhörenden politischen Grabenkampf der mittelalterlichen Republik Genua in die Gegenwart. Statt des Degens zücken die Verschwörer das Smartphone, um den Lauf der Dinge zu manipulieren, den eigenen Favoriten an die Macht zu bringen und den Gegner zu diskreditieren. Die technischen Mittel sind andere, aber die Vorgänge sind über Jahrhunderte dieselben geblieben.

Ermüdet von den ewigen Fehden und von der kurzsichtigen Rachepolitik seines Gefolges, letztlich zerstört vom Verrat aus den eigenen Reihen: Das ist Simon Boccanegra, ein in der Politik gestrandeter Pirat, der sich am Ende eines Lebens zwischen grauen Mauern wieder zurück aufs Meer sehnt.

Dass Verdi der Naturschilderung ungewöhnlich viel Platz eingeräumt hat, nimmt Kriegenburg zum Anlass, das Spannungsfeld zwischen Natur und Zivilisation, zwischen Baum und Beton zu dem Nährboden zu erklären, dem wohl alle politschen Querelen entspringen. Es sind entfremdete, entwurzelte Personen, die in der monumentalen Architektur fast verschwinden, wo Machtgier ein Quell der Zerstörung ist und das Meer ein Sehnsuchtsort. Dieser „Simon Boccanegra“ greift subtil jene Fragen auf, die die Festspiele schon im „Idomeneo“ thematisiert hatten.

Und das ist letztlich doch sentimentaler, als die kühlen Oberflächen der von Harald B. Thor designten Bühne (Baustil: imposanter Faschismus) weismachen. Dennoch bleibt es eine Inszenierung, deren Realismus genauso bald langweilig wird, wie die Sichtbetonwände die Augen ermüden.

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