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NachfolgediskussionVolkstheater-Betriebsrat geht mit Ära Badora hart ins Gericht

Findungsprozess ausgesetzt, anhaltende Unsicherheit um die Nachfolge der Volkstheater-Direktorin. Nun wird auch noch vonseiten des Betriebsrats Öl ins Feuer gegossen: "Wir zerstören uns seit Jahren selbst."

++ ARCHIVBILD ++ REGISSEURIN UND THEATERLEITERIN ANNA BADORA
Für Volkstheater-Chefin Anna Badora setzt es harte Kritik aus dem eigenen Haus © APA/HANS KLAUS TECHT
 

Die ungeklärte Zukunft des Wiener Volkstheaters sorgt auch im Haus selbst für Unmut. Das Personal leide unter der Unsicherheit, die nicht zuletzt durch die zeitweilige Aussetzung des Findungsprozesses für die Nachfolge von Direktorin Anna Badora befeuert wurde, erklärt Robert Leithner, Vorsitzender des technischen Betriebsrats. 

Leithner, der seit 27 Jahren am Volkstheater arbeitet, sieht die bisherige künstlerische Leitung von Badora höchst kritisch: "Wir haben von Anfang an sinkende Zuschauerzahlen, was aber keinerlei Auswirkungen auf die Spielplangestaltung hatte. Wenn ich mir den neuen Spielplan anschaue, sehe ich keinen Kassenknaller oder ein Programm für einen traditionellen Volkstheaterbesucher."

Auch ein anderer Punkt mache den Mitarbeitern Sorgen, so Leithner: Die dringend nötige Sanierung ist auf nächstes Jahr verschoben, das technische Personal lebe dadurch bereits zum zweiten Mal unter dem Damoklesschwert der temporären Kündigung: "Aus Sicht der Belegschaft ist die Situation unerträglich."

Seit vier, fünf Jahren machen wir nichts anderes, als uns selbst zu zerstören.

Robert Leithner, Vorsitzender des technischen Betriebsrates

Bis Ende Mai war Klarheit über etwaige AMS-Anmeldungen im Frühjahr 2020 versprochen. Nun befürchtet Leithner, man könne durch die zeitweise Kündigung von 110 Mitarbeitern "noch schnell das Budget sanieren" wollen. Die Ungewissheit sei aufreibend. "Seit vier, fünf Jahren machen wir nichts anderes, als uns selbst zu zerstören. Das hat mit der Auflösung der Werkstätten begonnen."

Auch sei man personell ohnehin am Rande der Möglichkeiten. In der Ära Badora seien die Endproben auf der Bühne erheblich ausgedehnt worden, was enormen Druck auf das technische Personal erzeugt habe. "Darüber hinaus ist das extrem kostenintensiv", so Leithner. Er vermisse an der Diskussion um das Volkstheater "die Verankerung der sozialen Verantwortung in der Ausschreibung der künstlerischen Leitung", so Leithner. Nachsatz: "Die neue Intendanz soll sich hier nicht nur künstlerisch verwirklichen, sie hat auch Verantwortung für 200 Mitarbeiter." Leithner fühlt sich auch vom Eigentümer vernachlässigt: "Ich will nicht glauben, dass der ÖGB als Stifter sich seiner sozialen Verantwortung entziehen möchte."

Anna Badora, zuvor am Grazer Schauspielhaus durchaus erfolgreich, geht nach künstlerisch durchwachsenen Jahren ab September in ihre letzte Saison. Ihre Nachfolge ist ungewiss: Zuletzt wurden etwa die deutschen Regisseure Kay Voges und Ersan Mondtag sowie Dramaturgin Rita Thiele, derzeit stellvertretende Intendantin am Deutschen Schauspielhaus Hamburg, als mögliche künftige Leiter genannt.

"Schaffen wir es in Österreich nicht mehr, ein traditionelles Haus selbst zu besetzen? Brauchen wir dafür internationale Starregisseure? Ich sehe nicht, dass das die große Lösung für den notwendigen Aufschwung ist", kritisierte Leithner die Entwicklungen im Gespräch mit der APA. Er lobe zwar den Einsatz der Wiener Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ), "aber langsam verstehe ich das Agieren der Gremien (Stiftung und Findungskommission) um die Nachbesetzung nicht mehr. Bei den aufgetauchten Namen und Experimenten mache ich mir Sorgen, ob der Ernst der Lage für dieses Haus erkannt wurde." Die Entscheidung über die künftige Leitung des Hauses ab 2020/21 soll in den nächsten Tagen fallen.

 

 

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