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ProgrammpräsentationDas Theater in der Josefstadt bringt Peymann, Turrini und Doderer

Das Theater in der Josefstadt zeigt in der Saison 2019/20 acht Neuproduktionen im Haupthaus und sechs in den Kammerspielen.

Bezeichnete das Theater in der Josefstadt einst als "Schnarchtheater Wiens", nun führt er dort Regie: Claus Peymann © ORF
 

Die Saison 2019/20 des Theaters in der Josefstadt beginnt - wie auch im Volkstheater - mit einem Doderer-Roman und endet mit "Ein Fest für Boris" von Thomas Bernhard in der Regie von Claus Peymann. Bei der heutigen Spielplanpressekonferenz wurden acht Neuproduktionen im Theater in der Josefstadt sowie sechs in den Kammerspielen angekündigt, sechs Uraufführungen stehen ins Haus.

Die unveränderte Haltung des Theaters, strikt für Humanismus und Empathie einzutreten, drücke sich nicht nur im Spielplan, sondern auch im Spielzeitheft aus, sagte Direktor Herbert Föttinger. Über Fotos des Ensembles sind dort pointierte Sprüche wie "Auch große Katastrophen haben einmal klein angefangen.", "Besser einmal ein Glas zu viel, als immer blau." oder "Der allerneueste Klimawandel: Vom Mitgefühl zur Gleichgültigkeit." abgedruckt. Über dem Foto des grimmig blickenden Theaterleiters ist zu lesen: "Neue Krankheitsbilder: Rückgratverkrümmung und Wendehals." Diese Sprüche stammten - wie schon in den früheren Saisonen - von Silke Hassler und Peter Turrini, sagte Föttinger auf Nachfrage.

Der Direktor beklagte, Kulturminister Gernot Blümel (ÖVP) sei "bis jetzt leider noch nie bei uns zu Gast" gewesen. "Das hat es überhaupt noch nie gegeben. Ich darf nicht schimpfen, haben mir alle vorher gesagt, aber ich muss das einmal loswerden!" Besonders ans Herz legte er dem Minister Daniel Kehlmanns Migranten-Stück "Die Reise der Verlorenen" - da gebe nur noch drei Vorstellungen. Dass es Ähnliches künftig vielleicht gar nicht mehr geben wird, ist aber nicht inhaltlich, sondern finanziell begründet: "Das Programm ist kein Sparprogramm, aber wir werden auf Stücke mit so vielen Mitwirkenden verzichten müssen", sagte Günter Rhomberg, der Vorsitzende des Stiftungsvorstands.

Subventionserhöhung zu gering

Rhomberg überraschte mit der Ansage, dass die im September 2018 bekannt gegebene Subventionserhöhung um 1.645 Millionen Euro im Zeitraum von drei Jahren weniger sei als benötigt. "Die Wahrheit dieser Erhöhung war eine reale Reduktion!" Denn um bloß die Inflation abzugelten hätte man noch um 750.000 Euro mehr benötigt. "Wir müssen jedes Jahr mit etwas weniger Geld als zuvor auskommen." Föttinger berichtete von einem guten Gespräch mit Wiens Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ) für die er eine Lanze brechen wolle: "Ich habe noch nie erlebt, dass ein Kulturpolitiker von selbst sagt, dass ein Haus unterdotiert ist." Das betraf freilich das Volkstheater, auf dessen Erhalt als Ensembletheater er dringend hoffe: "Ich fände es schade, wenn dieses Haus verloren ginge." Föttinger: "Wenn ich sage, das Volkstheater ist unterdotiert, dann gilt das aber auch für die Josefstadt. Die Stadträtin ist bereit, für eine Sockelerhöhung zu kämpfen und für eine Valorisierung - damit man nicht jedes Jahr bzw. jedes dritte Jahr wieder kämpfen muss. Für uns ist jede kollektivvertragliche Erhöhung ein Riesenproblem."

"Hervorragende Saison"

Die wirtschaftliche Situation sei indes kaum mehr verbesserbar, hieß es. "Das ist eine hervorragende Saison", versicherte der kaufmännische Geschäftsführer Alexander Götz. Die Gesamtauslastung läge bei 89 Prozent (Josefstadt: 88 Prozent, Kammerspiele: 90 Prozent). Die Einnahmen aus dem laufenden Spielbetrieb liegen demnach bei 7,5 Mio. Euro, der Eigendeckungsgrad beträgt 40 Prozent. Rund 230.000 Tickets wurden bis Ende April verkauft, es gibt 18.000 Fixabonnenten. Die wirtschaftliche Auslastung, also die Höhe der erzielten im Verhältnis zu den möglichen Einnahmen, betrage 70 Prozent. Rhomberg: "So eine Zahl habe ich überhaupt noch nie gehört." Der geplante Umbau, der auch eine "Josefstadt-Box" genannte neue Mini-Spielstätte inkludieren soll, ist derzeit auf 2,5 und drei Mio. Euro kalkuliert. Einen möglichen Eröffnungstermin wollte Föttinger nicht nennen: "Es ist im Moment nicht sehr einfach. Noch will ich nicht daran glauben. Wenn ich das Haus hier verlasse, wird es diese Box geben." Sein Vertrag wurde im Vorjahr bis 2026 verlängert. Neue Verträge haben u.a. die Schauspieler Martin Vischer, Jakob Elsenwenger, Robert Joseph Bartl, Julian Valerio Rehrl und Michaela Klamminger.

Start am 5. September

Die neue Josefstadt-Saison startet man am 5. September mit "Die Strudlhofstiege" nach Heimito von Doderer - Föttinger: "ein Roman, den alle kennen und fast niemand gelesen hat" - in einer neuen Dramatisierung von Nicolaus Hagg, der das Buch schon einmal für die Festspiele Reichenau eingerichtet hat. Stephan Müller inszeniert Nestroys "Einen Jux will er sich machen" mit neuen Couplettexten von Thomas Arzt. Gleich unter heutigen politischen Vorzeichen und in heutiger Sprache ganz neu schreibt Ulf Stengl Ibsens "Rosmersholm", Föttinger spielt den Rosmer. Amelie Niermeyer liefert mit "Der Kirschgarten" ihre erste Josefstadt-Inszenierung. "Ich hoffe sehr, dass diese Zusammenarbeit eine Zukunft hat", meinte der Direktor, der Otto Schenk als Firs ankündigte. "Ich bete zu Gott, dass es ihm gut geht. Es wäre sehr schön, wenn wir seinen 90. Geburtstag mit dieser Rolle feiern könnten." Peter Wittenberg inszeniert Schnitzlers "Zwischenspiel", Janusz Kica Bahrs "Das Konzert" (mit Herbert Föttinger und Sandra Cervik als Ehepaar Heink).

Christopher Hampton dramatisiert und inszeniert Stefan Zweigs Erzählung "Geheimnis einer Unbekannten", Claus Peymann, der einmal die Josefstadt als "das Schlaf- und Schnarchtheater Wiens" bezeichnet habe, werde zu Saisonschluss mit "Ein Fest für Boris" jenes Stück von Thomas Bernhard inszenieren, das er vor 50 Jahren uraufgeführt habe. Föttinger über den zuletzt während seiner Akademietheater-Inszenierung von "Die Stühle" erkrankten Ex-Burg-Chef: "Ich freue mich sehr, dass er bei uns ist. Ich glaube, es geht ihm schon besser."

Den Abschluss der wie bereits bekannt mit "Die Migrantigen" startenden Kammerspiele-Saison macht die Uraufführung eines neuen Stücks von Peter Turrini. "Gemeinsam ist Alzheimer schöner" zeige ein Paar, das zwar sein ganzes Leben miteinander verbracht habe, einander aber in ihrer Demenz neu kennenlerne . "Turrini versichert, dass es nicht nur eine Komödie wird. Er will auch zeigen, dass Alzheimer kein besonders schöner Krankheitszustand ist - man merkt's nur nicht", berichtete Föttinger und schloss: "Wenn Alzheimer das Leben erträglicher macht, dann wünsche ich mir auch einmal Alzheimer." Aber nicht vor 2026.

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