Als Prinzessin hat man es nicht leicht. Zumindest dann, wenn einen das Objekt der Begierde aus sozialrevolutionären Gründen ablehnt. Was liegt da näher, als sich in die arme Schwester zu verwandeln, um den proletarischen Auserwählten zu bezirzen? Der Verwechslungsplot von Ralph Benatzkys "Meine Schwester und ich" hat am Samstag fast 90 Jahre nach seiner Uraufführung die Wiener Volksoper erreicht.

Hausherr Robert Meyer hat das Stück, das trotz einer langen Leinwandkarriere mit mehreren Verfilmungen bis dato noch nie an der Volksoper zu sehen war, als vor allem im 2. Akt schmissige, dynamische Boulevardkomödie inszeniert. Damit dominieren charmanter Klamauk mit schnellen Wortgefechten und entsprechenden Musiknummern die zweite Hälfte des Abends.

Benatzky hatte 1930 mit "Meine Schwester und ich" das neue Genre der Kammeroperette entwickelt und anders als bei Erfolgen wie seinem "Im weißen Rössl" oder "Axel an der Himmelstür" ein Konversationsstück geschaffen, das ohne große Revuenummern auskommt. Stattdessen werden die Qualitäten eines schnellen Boulevardstücks gegen Pomp gesetzt. Das Volksopernorchester unter Guido Mancusi mutiert hier zur Band, die als 20er-Jahre-Tanzcombo mit Hupen, Pauken und Trompeten Tänze wie Slowfox und Tango verarbeitet. Über weite Strecken ist jedoch überhaupt keine Musik zu vernehmen oder lediglich Rezitative mit Begleitung.

Lukas Perman als Wiedergänger von Clark Gable

Für dieses Boulevardstück im Stile Feydeaus benötigt man Sängerschauspieler, und die hat die Volksoper weitgehend zur Verfügung. Musicalstar Lukas Perman ist als optischer Wiedergänger von Clark Gable der reichtumskritische Literaturprofessor Roger Fleuriot, während die Linzerin Lisa Habermann als Prinzessin Saint-Labiche die schnippisch-laszive Adelige geben kann.

Ihnen steht mit Johanna Arrouas als leichtes Mädchen Irma und Herbert Steinböck als schusseliger Filosel ein kongeniales Komikpaar gegenüber, das den beiden Hauptprotagonisten im 2. Akt die Show stiehlt. Einzig Carsten Süss vergisst als Graf Lacy de Nagyfaludi leider über weite Strecken, dass er diesen eigentlich mit starkem ungarischen Akzent spielen möchte. Das fällt ihm nur bei jedem 20. Satz ein. Das trübt die gute Gesamtdynamik des Stücks jedoch nur wenig. Und so ist "Meine Schwester und ich" der kleine, aber feine Einstieg in ein sonst oftmals auf allzu viel Glitter setzendes Genre.

Ralph Benatzkys "Meine Schwester und ich" an der Volksoper, Währinger Straße 78, 1090 Wien. Weitere Aufführungen am 10., 14., 18., 23. und 28. April sowie am 3., 6., 9. und 13. Mai. www.volksoper.at