Diagonale-Kritik"Die Kinder der Toten": Ein Trip in die Horrorheimat Elfriede Jelineks

Österreich-Premiere für eine unheimlich vergnügliche Zombie-Apokalypse: Kelly Copper und Pavol Liska machen sich einen Spaß aus Jelineks „Die Kinder der Toten“.

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Film Die Kinder der Toten
Auf der Leinwand kehren die von Elfriede Jelinek skizzierten Untoten wieder: „Die Kinder der Toten“ © Ulrich Seidl Produktion
 

Den Anfang macht eine akustische Reminiszenz an die selbst gedrehten Stummfilmidyllen in den bürgerlichen Wohnzimmern der 60er- und 70er-Jahre: Unverkennbar rattert da ein Super-Acht-Projektor. Dann sieht man Kühe über die Leinwand trotten, und im Gasthof Alpenrose wird Schnitzel serviert. Alpiner Frohsinn macht sich breit, die Blasmusik spielt auf. Perfekt, wäre da nicht dieses ominöse Zucken in der Tonspur: Gräuliches kündigt sich an.
„Die Kinder der Toten“, die im steirischen herbst 2017 rund um Neuberg an der Mürz gedrehte Verfilmung frei nach Motiven des gleichnamigen Romans von Literaturpreisträgerin Elfriede Jelinek, erlebt am Freitag bei der Diagonale seine Österreichische Erstaufführung.

Film und Buch

„Die Kinder der Toten“. Österreich-Premiere auf der Leinwand. Freitag  18.30 Uhr, Samstag 13.30 Uhr, KIZ Royal.
Buchtipp: Die Untoten von Neuberg. Styria, 312 Seiten, 20 Euro.

Von Kelly Copper und Pavol Liska (vulgo Nature Theatre of Oklahoma) als Stummfilm mit Geräuschen inszeniert, gebärdet sich der aus 666 Rollen zusammengeschnittene 90-minütige Super-8-Film als überaus vergnüglicher Ausflug in eine Horrorheimat der Schönredner und Verdränger.

steirischer herbst: Feuer, Jagden und Palatschinkengesichter: "Die Kinder der Toten" wird verfilmt

70 Jahre Elfriede Jelinek, 50 Jahre steirischer herbst: Aus diesem Anlass verortet das Festival den Mammutroman "Die Kinder der Toten" neu rund um Neuberg an der Mürz ...

steirischer herbst/ Ditz Fejer

... Die Literaturnobelpreisträgerin hat dem herbst und dem Nature Theatre of Oklahoma ihren wichtigsten 666 Seiten dicken Roman zur Verfügung gestellt ...

steirischer herbst/ Ditz Fejer

... Seit zwei Wochen drehen Kelly Copper und Pavol Liska mit Dutzenden Laien. Und laden jeden Samstag auch zu öfentlichen Drehs, bei denen sich Freiwillige vor Ort melden können ...

steirischer herbst/ Ditz Fejer

... Bislang gedreht: Szenen in Gasthäusern, Nebelfeldern oder beim Almabtrieb ...

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... Und seitdem sieht man Menschen mit zerrupften Frisuren, blauen Augen oder blutigen Wangen in der Gegend ...

steirischer herbst/ Ditz Fejer

... Sie sind seit Jahren Stammgäste beim herbst: die New Yorker Performer Pavol Liska und Kelly Copper ...

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... Am Samstag wurde "Der große Crash" gedreht, dafür wurde die Bundesstraße gesperrt und ein Auto angezündet ...

steirischer herbst/ Ditz Fejer

Alle weiteren Details zu den Dreharbeiten und Möglichkeiten zum Mitmachen finden Sie unter: www.steirischerherbst.at/drehplan

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Viel Spaß mit den weiteren Bildern!

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Lustvoll amateurhaft reihen sich Splatter-Trash-Elemente und Slapstick aneinander, wird die Forelle Müllerin zur Waffe und die Kinoleinwand zum Wiedereintrittstor für Österreichs Untote, die dann zu Marschmusikklängen die Zombie-Apokalypse begehen. Viel Jelinek muss man da nicht mehr sehen, Spaß macht es allemal.


Es war ein Mammutprojekt, das sich der herbst vornahm. Er brachte den Roman, der zwischen Krampen und Kapellen so viele Menschen provozierte, obwohl die wenigsten ihn kannten, auf spielerische Weise als Mitmachprojekt zurück an Jelineks Kindheitsorte. Der Zombie-Stummfilm mit 80 Laiendarstellern überzeugte bei der Berlinale und wurde mit dem Fipresci-Preis ausgezeichnet. Oh du eigenwilliges Film-Österreich!

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