Bitte warten - Ihr Zugang wird eingerichtet.

Johann Lurf und Laura Wagner im Kunsthaus GrazErdansichten, Obelisken und ein Katzenbaum für die Kunst

Auch im Jahr 2019 kooperiert das Kunsthaus Graz mit der Diagonale und zeigt im Space03 sowie im Foyer eine Ausstellung. Johann Lurf, der im Vorjahr den Diagonale-Preis für Innovatives Kino der Stadt Graz für seinen Film ★ gewann, schuf den Trailer der Diagonale’19.

Cavalcade, 2019 © Johann Lurf
 

Im Original mit zwei 35mm-Kameras und in 3-D gedreht, ist der Trailer ein digitales Exzerpt eines Fünfminüters, der im regulären Programm der Diagonale zudem als 3-D-Projektion zu sehen sein wird.

Im Kunsthaus Graz präsentiert Lurf neben der Langversion des Trailers die gemeinsam mit Laura Wagner produzierte Fotoserie Earth Series sowie Cavalcade, das wichtigste Bildelement und Prop aus dem Trailer. Parallel dazu bespielt Laura Wagner als erste Künstlerin mit zwei Serien aus der Reihe Obelisks den sogenannten Katzenbaum von Oliver Klimpel. Dieser steht seit Beginn des Jahres 2019 im Foyer des Kunsthauses und ist sowohl eigenständiges Werk als auch Präsentationsfläche für Kunst. Beide Ausstellungen werden am 12. März um 19 Uhr eröffnet und sind bei freiem Eintritt zugänglich.

Der Diagonale’19-Trailer
Der diesjährige Trailer ist eine Kurzversion von Johann Lurfs neuem Kurzfilm Cavalcade: Er zeigt ein sich beschleunigendes, unter Stroboskoplicht sich plötzlich scheinbar rückwärts drehendes, farbenfrohes Wasserrad, das von kurzen Texten unterbrochen wird, die ein Aufruf gegen politische Hetze und Scheinwahrheiten sind. Auch das Wasserrad mit aufgedruckten konzentrischen Mustern ist im Kunsthaus ausgestellt und fügt sich mit den Bildern der Earth Series zu einer konzentrierten Ausstellung über visuelle Täuschungen im Bewegtbild: eine aufregend-sinnliche Untersuchung des filmischen Realitäts-, Illusions- und Imaginationspotenzials. Denn Film und Bild können sowohl schön als auch gewaltig lügen.

Die Erde von oben
Am 24.12.1968 schießt William Anders während der Apollo-8-Mission ein wegweisendes Bild der Erde. Das Bild Earthrise, das laut TIME Magazine zu den 100 einflussreichsten Fotos der letzten zwei Jahrhunderte zählt, ist zwar eines der ersten realen Abbilder unseres Planeten, beileibe aber nicht das erste Bild der Weltkugel in der Film- und Fotogeschichte. Gemeinsam mit Laura Wagner widmet sich Johann Lurf für das Projekt Earth Series seit 2017 diesen „Weltbildern“ choreografierter Realitäten, Sehnsüchte und Fiktionen. Diese Arbeit, für die er sich durch endlose Filmarchive gearbeitet hat, ist strukturell verwandt mit seinem Film ★, für den er letztes Jahr mit dem Diagonale-Preis für Innovatives Kino ausgezeichnet wurde. Für die Earth Series haben die beiden Kunstschaffenden aus einer Vielzahl von Filmstills filmische „Weltbilder“ vor und nach den ersten Fotos der Erde aus dem All zusammengetragen. Aus geradezu taktil anmutenden Pigmentdrucken stellen sie quer durch die Geschichte lesend formal ähnliche Ansichten des blauen Planeten in Bildkompositionen zusammen. Diese offenbaren den Film als Instrument, aber auch als endlos erweiterbares Konstrukt von Wahrnehmung. Neben einzelnen Filmstills begleiten die mit Bleistift geschriebenen Filmdialoge den jeweiligen Ausschnitt. So werden die Bilder zu einem sprechenden Gegenüber, das aus der Zweidimensionalität des Wandbildes heraustritt und die Ebenen der Zusammenstellung des Bewegtbildes in seinen Einzelteilen sowie dessen endloses Potenzial einer magischen Vorstellungswelt zeigt.

Johann Lurf, "Waxing Crescent" Foto © Joshua White

Obelisken als Symbole von Macht und Unterdrückung
Schon seit mehreren Jahren beschäftigt sich Laura Wagner mit ikonischen Körpern wie jenem des Obelisken sowie mit den Themen Macht, Unterdrückung und Grenzen. Ihre 12-teilige plastische Serie Cyclone Fence (2019), die spezifisch für das Kunsthaus Graz entstanden ist, zeigt zu Beton gewordene Lichtwürfe durch einen Maschendrahtzaun, wie wir ihn von Einfriedungen und Grenzziehungen kennen. Auf der Basis fiktiver, durch den Zaun projizierter Strahlen entstehen berechenbare Objekte. Betonquader mit unterschiedlichen Längen und abgewinkelten Enden legen sich auf die Böden und über Vertiefungen und bilden ein raues Gegenüber zum grün glänzenden Katzenbaum im Foyer des Kunsthauses.
Laura Wagner, „Home Alone“, 2018, Betonplastik Foto © Laura Wagner

Ein Katzenbaum für die Kunst
Bereits beim Betreten des Kunsthauses steht man in einer kleinen Ausstellung: Der Katzenbaum im Foyer mit einer Höhe von über drei Metern wurde von Oliver Klimpel als Präsentationsfläche für Kunst entworfen. Er zeichnet sich durch eine modernistisch anmutende architektonische Form aus und ist Dreh- und Angelpunkt des Foyers. Das tiefgrün glänzende Kunststoffobjekt fungiert als eigenständige Plastik, aber auch als funktionales Möbel und Displayobjekt und ist zugleich Podest und Interventionsraum. Ab dem 12. März bietet das Objekt Platz für künstlerische Einzelpräsentationen. Bei der ersten Bespielung mit den Werken von Laura Wagner entsteht ein Kontrast zwischen ihren rauen, in Serie entstandenen Betonplastiken und dem modularen, sanft glänzenden Katzenbaum von Klimpel. Frei zugänglich zu besichtigen ist der Katzenbaum mit dieser ersten Intervention bis 22. April 2019.
Universalmuseum Joanneum/K. Buche
Oliver Klimpel, "Katzenbaum für die Kunst", 2019, Foyer des Kunsthaus Graz © Universalmuseum Joanneum/K. Buche

Johann Lurf. Earth Series (mit Laura Wagner) und Cavalcade

Space03 und Foyer, Kunsthaus Graz
Eröffnung: 12. März, 19 Uhr
13.03.–22.04.2019
www.kunsthausgraz.at

Bezahlte Anzeige