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Buch der WocheEin "Buchliebling", der diesen Titel wahrlich verdient hat

Der Roman "Offene See" des Briten Benjamin Myers wurde von den unabhängigen Buchhändlerinnen Deutschlands zum Lieblingsbuch des Jahres 2020 gewählt. Ein feinfühliger Entwicklungsroman über eine lebensverändernde Begegnung.

Der Brite Benjamin Myers schrieb einen feinfühligen Entwicklungsroman
Der Brite Benjamin Myers schrieb einen feinfühligen Entwicklungsroman © KK
 

Sie wissen schon, was sie tun: Der Roman "Offene See" des Briten Benjamin Myers wurde zum "Lieblingsbuch der Unabhängigen 2020" gewählt. Und es ist eine gute Wahl, die die (deutschen) Buchhändlerinnen da getroffen haben. Mit 241 Romanen war die Anzahl der eingereichten Titel für diese Auszeichnung in diesem Jahr größer denn je, und auch die Höchstzahl an Stimmen für ein einzelnes Buch in der nun siebenjährigen Geschichte der "Woche unabhängiger Buchhandlungen" wurde erreicht.

Myers erzählt in diesem feinfühligen, federleichten, aber nie kitischigen Roman die (Entwicklungs-)Geschichte von Robert, eines jungen Arbeitersohnes aus dem Norden Englands, der - ebenso wie seine Vorfahren - im Bergbau schuften soll, der aber vorher auf Wanderschaft geht, die Welt erkunden möchte und dabei auf die weltoffene Dulcie trifft.

Eine selbstbewusste, hochgebildete Frau, die offenbar in hohen Künstler- und Politikerkreisen verkehrte, jetzt (der Roman spielt Mitte der 1940er-Jahre) aber zurückgezogen in einem Haus am Meer lebt. Die Begegnung ist für den jungen Mann prägend, denn Dulcie zeigt ihm, dass nicht nur die See offen ist, sondern auch die Zukunft, wenn man es nur will und den Mut dafür aufbringt, ausgetretene Pfade zu verlassen. 

Das Wasser jedoch, das Meer, es birgt ein dunkles Geheimnis, dem Robert Schritt für Schritt auf die Spur kommt. Zufällige Begegnungen können Horizonte eröffnen, das ist Grundaussage dieses Buches. Und: Abzweigungen und Umwege lohnen sich immer. Mit zunehmendem Mut und wachsender Neugier gerät dieser 16-Jährige in die sanften erzieherischen Fänge dieser unkonventionellen Frau, die ihrerseits offensichtlich nichts mehr vom Leben erwartet, die aber wiederum durch die intellektuelle Unschuld dieses Jugendlichen - nicht mehr Kind, noch nicht Mann - neue Lebensenergie schöpft.

Aus einer ersten Einladung zum Tee werden zwei Tage, aus zwei Tagen zwei Jahre. Und aus einer Zufallsbekanntschaft eine tiefe Freundschaft, die beide Beteiligten als Gewinner zurücklässt. Die unabhängigen Buchhändlerinnen wussten eben genau genau, was sie tun!

Buchtipp: Benjamin Myers: Offene See. Dumont, 270 Seiten, 20,90 Euro.

KK
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Diese Rezension und viele weitere finden Sie auch in unserem Literaturnewletter "Lebenszeichen", den Sie einfach und kostenlos abonnieren können: www.kleinezeitung.at/lesezeichen

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