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GeniestreichMörderische Zahlenspiele: „Die Oxford Morde“

Guillermo Martinez verführt in „Die Oxford Morde“ in das Reich der Logik und der Zahlen-Symbolik. Brillant, spannend – und lehrreich.

Raffinierte Krimi-Rätsel: Guillermo Martinez © 
 

Eine, nein, gleich zwei Vorwarnungen: Der grandiose Krimi „Die Oxford Morde“ erschien erstmals 2005 unter dem Titel „Die Pythagoras-Morde“, zwei Jahre danach folgte eine exzellente Filmversion mit John Hurt und Elijah Wood in den Hauptrollen. Die Neuauflage hat erfreuliche Gründe, aber die werden erst am Ende verraten. Apropos verraten: Selten fällt es so schwer, viel über den Inhalt eines auch literarisch auf höchstem Niveau stehen Krimis preiszugeben. Der argentinische Autor Guillermo Martinez brachte die Intuition und Logik, die einstmals Arthur Conan Doyle seinem Sherlock Holmes mit auf den Weg gab, mit den magischen und mythischen Exkursionen seines Landsmannes Jorge Luis Borges auf einen Nenner.

Wittgenstein wirkt mit

Ein aus Argentinien stammender Mathematikstudent, der in Oxford sein Studium fortsetzen will, findet sich rasch an der Seite eines weltweit anerkannten Mathematikers und Logikers namens Arthur Seldom wieder, um gemeinsam mit ihm einen immens cleveren Serienmörder zu stoppen. Die erweist sich als Katz-und-Maus-Spiel. In einer seiner Schriften befasste sich Seldom mit eventuellen, logischen Mustern, die sich in derlei Serien-Verbrechen verbergen. Und rasch wird klar, dass ihn der Täter durch eine Reihe von Symbolen provozieren und übertrumpfen will. Eine enorm geistreiche und spannende Mördersuche beginnt, wohltuend frei von jeglicher Action, aber reich an Rätseln und harten Kopfnüssen. Dan Brown für anspruchsvolle Leserinnen und Leser halt, ein brillantes Werk mit „Gastauftritten“ von Wittgenstein oder Gödel. Aber keine Bange: Martinez ist nicht nur ein hervorragender Erzähler, sondern auch ein wunderbarer Erklärer und Lehrmeister. Dies, immerhin, verwundert nicht. Denn der Autor ist promovierter Mathematiker, der einige Jahre in Oxford weilte und eben ab und zu die Kriminalliteratur durch raffinierte Meisterwerke bereichert.
Jetzt zum Grund der Neuauflage dieses Pflichtkrimis: Ende Mai wird mit „Der Fall Alice im Wunderland“ ein neuer Krimi von Martinez erscheinen, es ist, so viel kann schon verraten werden, ein weiterer Geniestreich. Mehr darüber demnächst.

Guillermo Martinez. Die Oxford Morde. Eichborn, 222 Seiten, 16,40 Euro.

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