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Buch der WocheOlga Flors "Klartraum": Hormon sticht Hirn

In „Klartraum“ erzählt Olga Flor sehr ehrlich vom Lieben und Entlieben. Ihre Metaphern über Beziehungen im Jetzt berauschen.

Über Liebe, die aufgetrennt wird wie ein Wollpulli: Olga Flor © (c) Foto: Lisa Rastl
 

Ihre Liebe, sie potenzierte sich auf dem Highway der Emotionen weder zum offiziellen Beziehungsstatus auf Facebook noch zum analog gelebten Alltag. Meistens überlebte ihre Liebe nicht einmal den Sonnenaufgang.
Die in Wien und Graz lebende Autorin Olga Flor erzählt in ihrem neuen Roman „Klartraum“ die Geschichte von A. und P. Auf 282 Seiten seziert sie eine stetig auf- und wieder abflackernde Liebesgeschichte. Eine leidenschaftliche Leibesgeschichte. Vor allem aber eine herzzerreißend aufrichtige und von Kränkungen gewatschte Entliebungsgeschichte.

Infiziert


Denn: Der Beziehungsstatus von A., der zarten Geisteshacklerin, und P., dem starken Erfolgsbären, ist längst vergeben – anderweitig – und mit Ehegelübden und Familiengründung besiegelt. Und trotzdem: Irgendwann hat die Begierde gesiegt, Hormon Hirn gestochen. Es ist der Anfang einer Affäre, einer, die sie praktizieren, als ginge es um Koalitionsverhandlungen, um Leben oder Tod, um den Börsengang eines Start-ups. „Diese Liebe, sagte dieses Ich schon bald, hat mich angefallen wie ein Magen-Darm-Infekt.“ Olga Flor skizziert das anfänglich wuchtige Begehren, das untröstlich abgebrühte Ende sowie die vielen sehnsuchtsgetränkten Zweifel und die atemberaubenden, Erinnerungen zementierenden Momente des Ausnahmezustands aus der Perspektive der Frau.

Longlist zum Österreichischen Buchpreis


„Große Lieben sind immer banal, von außen betrachtet. Die kleinen sind wesentlich interessanter“, heißt es an einer Stelle des Romans. Und nicht nur an diesem Punkt fühlt man sich beim Lesen von Flors Zustandsbeschreibungen des Liebens in der Jetztzeit berauscht.
Einmal distanziert, einmal staubtrocken, aber dabei garantiert tiefsinnig, trennt die Chronistin mit jedem Kapitel mehr gesellschaftliche Normen, gelebte Praxis und selbst auferlegte romantisierte Idealvorstellungen auf wie einen Wollpulli. Angenehm kuschelig ist das mit Fortdauer der Auflösung nicht. Ganz im Gegenteil. Flor arbeitet sich untröstlich an der Liebe ab – durchdekliniert unter den Schlagworten Lust, Verlust, Glück oder Möglichkeit.


Der Roman, der auch auf der Longlist zum Österreichischen Buchpreis steht, bleibt nicht auf die private Liebes- und Entliebungsgeschichte fokussiert. „Klartraum“ seziert das Denken, Fühlen und Handeln in krisengebeutelten, entsolidarisierten und bis unter die Bettdecke ökonomisierten Gesellschaften und ihrer Protagonisten, deren Sehnsucht nach rosarotem Eskapismus ungebremst ist, während Staaten im Chaos und Boote im Meer versinken.

Lesung

26. 9., 19 Uhr: Olga Flor liest aus "Klartraum". Literaturhaus Graz. Details finden Sie hier.

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