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InterviewLaura Freudenthaler: "Ich werde die Mäuse füttern und das Feuer hüten"

Schriftstellerin Laura Freudenthaler über den Verlust der Kindheitssommer, die Lust am gedruckten Wort und darüber, warum das Erzählen mit Liebe und Zuneigung zu tun hat.

Autorin Laura Freudenthaler
Autorin Laura Freudenthaler © APA/ROBERT JAEGER
 

Mit Ihrem Text „Der heißeste Sommer“ haben Sie beim diesjährigen Bachmannwettbewerb den 3sat-Preis gewonnen. Im Text lodert die Apokalypse, nur die Mäuse überleben. Mögen Sie den Sommer gar nicht oder haben Sie ihn nur literarisch abgefackelt?
LAURA FREUDENTHALER: Ich liebe den Sommer. Was lodert und brennt, sind mein Zorn und meine Trauer darüber, dass es diese Jahreszeit und alle anderen Jahreszeiten, wie sie einmal waren, nicht mehr gibt und nie mehr geben wird. Die Kindheitssommer, die für die meisten von uns eine so intensive Erinnerung sind und die literarisch so oft beschworen werden, sind Geschichte. Die Unschuld ist dahin.

Von den vier Jahreszeiten wird der Sommer mit geradezu hysterischer Inbrunst herbeigesehnt. Wenn er dann nicht „funktioniert“, wird er brutal an den Pranger gestellt. Wie erklären Sie sich diese Aufgeregtheit?
LAURA FREUDENTHALER: Wenn man einige Wochen des Jahres zur Urlaubszeit funktionalisiert, die Monate im Voraus geplant werden – da soll dann dies und jenes eintreten und möglich sein und erfolgen, innerhalb einer Ordnung, welche auch die Erholung beinhaltet, die zur Aufrechterhaltung der Arbeitskräfte sowie zur Schaffung von Umsätzen dient – dann kann das wohl eine Aufgeregtheit hervorrufen. Diese Aufgeregtheit ist aber nicht mehr temporär, sondern scheint der Grund- und Dauerzustand unserer Zeit zu sein.

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