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Literaturjahr 2020Lesestoff aus Österreich, bald frisch geliefert

Neue Texte der Nobelpreisträger Elfriede Jelinek und Peter Handke, das Romandebüt von Hubert von Goisern, der Bachmann-Preis-Siegertext von Birgit Birnbacher in Buchform und was man demnächst sonst noch so erwarten kann vom literarischen Österreich.

Von Peter Handke, hier bei der Nobelpreisverleihung in Stockholm, gibt es neue Prosa und ein neues Drama © AP/Anders Wiklund
 

Neues vom Nobelpreisträger 2019: Von Peter Handke erscheint am 12. Februar neue Prosa bei Suhrkamp: "Das zweite Schwert" soll ein Rachefeldzug gegen eine Journalistin sein, die die Mutter des Erzählers fälschlich als "Anschluss"-Bejublerin denunziert hat. Die Geschichte endet versöhnlich, die Rache mündet in ein Fest. Ab 16. Juni gibt es Handkes neues Stück "Zdenek Adamec", dessen Uraufführung am 26. Juli bei den Salzburger Festspielen gefeiert wird, in Buchform.

Eigentlich beginnt das heimische Literaturjahr 2020 aber mit einem neuen Krimi von Stefan Slupetzky. Der Haymon Verlag liefert "Im Netz des Lemming" am 2. Jänner aus und wird mit dem sechsten Fall des ehemaligen Kriminalbeamten Leopold Wallisch den bisher über 150.000 verkauften Exemplaren wohl einige folgen lassen. Ende Jänner kann man Elfriede Jelineks Ibiza-Stück "Schwarzwasser", das Robert Borgmann am 6. Februar im Akademietheater zur Uraufführung bringt, in einem gemeinsamen Band mit dem Trump-Drama "Am Königsweg" bei Rowohlt nach- bzw. vorlesen, während bei S. Fischer Josef Haslinger in "Mein Fall" über seinen Missbrauch als Zehnjähriger im Knabenkonvikt Stift Zwettl berichtet.

"Himmelwärts", der dritte Roman der Wienerin Elisabeth Klar, "verbindet Poesie mit klaren politischen Ansagen zu einem ungewöhnlichen und hochaktuellen Roman", bewirbt der Residenz Verlag das am 28. Jänner erscheinende Buch, das gleichzeitig mit dem Debütroman von Dominik Barta erscheint. Der 1982 geborene Oberösterreicher wird vom Zsolnay Verlag als "österreichischer Edouard Louis" angekündigt und erzählt in "Vom Land" "mit archaischer Kraft und Empathie" vom Zerfallsprozess einer alteingesessenen oberösterreichischen Bauernfamilie.

Noch einige weitere österreichische Debüts werden für das Frühjahr angekündigt. Der Residenz Verlag bringt am 18. Februar den ersten Roman des Linzers Gunther Neumann: Im Zentrum von "Über allem und nichts" steht die Pilotin einer Billig-Airline. Bei Picus erscheint am 2. März der Aussteigerroman "Grün" des 1967 im Innviertel geborenen Josef Zweimüller. Eine Woche später liefert Luchterhand "Für immer die Alpen" von Benjamin Quaderer aus. Geboren 1989 in Feldkirch, aufgewachsen in Liechtenstein, studierte er Literarisches Schreiben in Hildesheim und in Wien. "Benjamin Quaderer hat einen tollkühnen Debütroman geschrieben über die Macht des Geldes und die Macht des Erzählens. Das Porträt eines Hochstaplers, der die Gesellschaft spiegelt, die er betrügt", wirbt der Verlag.

Als Hubert von Goisern ist er ein bekannter Musiker, unter seinem bürgerlichen Namen Hubert Achleitner hat er nun seinen ersten Roman geschrieben: "flüchtig" sei "ein weiser und sehr musikalischer Roman über Liebe und Sehnsucht, das Schicksal und das flüchtige Glück", wirbt der Zsolnay Verlag für das am 27. April erscheinende Buch, in dem Protagonist Herwig das Verschwinden seiner Frau Maria erleben muss, mit der er seit fast 30 Jahren verheiratetet ist.

Doch ehe der Frühling kommt, bringt der Februar noch einiges an Lesestoff. Anfang des Monats erscheinen im Droschl Verlag etwa der Roman "Herrmann", in dem die in Wien lebende Deutsche Bettina Gärtner einen Mittvierziger und sein Mittelschichtsleben beschreibt, sowie die gesammelten Erzählungen der 96-jährigen Ilse Helbich ("Diesseits"). "Erzählungen aus vielen Jahren" bringt der Zsolnay Verlag kurz darauf von André Heller ("Zum Weinen schön, zum Lachen bitter"), von dessen "Buch vom Süden" 100.000 Exemplare verkauft wurden. "Herzklappen von Johnson & Johnson" heißt ein Roman von Valerie Fritsch über ein Kind, das keinen Schmerz empfinden kann. "In eindringlichen Bildern erzählt Valerie Fritsch von einem Trauma, das über die Generationen weiterwirkt, sie lotet die Verletzlichkeit des Menschen aus und fragt nach dem Wesen des Mitgefühls, das unser aller Leben bestimmt", heißt es vom Suhrkamp Verlag. Im Mittelpunkt von Monika Helfers Roman "Die Bagage" (Hanser) steht die schöne Maria, die Großmutter der Erzählerin, die allen Männern im Dorf den Kopf verdreht.

Zwei literarische Neuerscheinungen von Kulturjournalisten: In "So ich noch lebe..." (Haymon) beschäftigt sich Wolfgang Paterno mit einem dunklen Kapitel der eigenen Familiengeschichte, mit "katzenpornos in der timeline" (Luftschacht) legt Sonja Harter einen neuen Gedichtband vor. "Sommer ohne Horst" ist ein neuer Rockenschaub-Krimi von Manfred Rebhandl, den der Haymon Verlag für Mitte Februar angekündigt hat.

Starkes Februar-Finale: Der Roman "Putzt euch, tanzt, lacht" bringt ein Wiedersehen mit Fanni, der aus "FanniPold" bekannten stellvertretenden Abteilungsleiterin eines Provinz-Supermarkts. Karin Peschka erzählt darin "mit großer Intensität von skurrilen Freundschaften, dem Umgang mit Verlusten und alternativen Lebensentwürfen", verheißt der Otto Müller Verlag, der auch einen neuen Roman von Leopold Federmair ankündigt ("Die lange Nacht der Illusion"), bei dem wieder Japan der Schauplatz ist. Jung und Jung bringt "Die Infantin trägt den Scheitel links" der 1983 in Oberndorf bei Salzburg geborenen Helena Adler ("Die Bauernhofkindheit der Heldin zwischen Kirche, Kälberstrick und bösen Zwillingsschwestern ist verwegen und grell, ein bisschen psychedelisch ... und lustig!") sowie zwei sehr unterschiedliche Paargeschichten: Ludwig Fels' "Mondbeben" und Xaver Bayers "Geschichten mit Marianne", die "alltäglich beginnen und sich ins Surreale steigern".

Der März startet mit einem Roman zum Klimawandel: In "Carbon" (Braumüller) lässt Christian Mähr mit Riesenfarnen und Rieseninsekten das Carbonzeitalter, das eigentlich vor 300 Millionen Jahren endete, ein Comeback feiern. Mit der offenbar letzten Überlebenden eines Meteoriteneinschlags beschäftigt sich dagegen Michael Stavaric in "Fremdes Licht" (Luchterhand). In "Die sieben Leben der Marie Schwarz" (Molden Verlag) entwerfen Vea Kaiser, Gertraud Klemm, Doris Knecht, Lydia Mischkulnig, Angelika Reitzer, Eva Rossmann und Cornelia Travnicek sieben Variationen eines Frauenlebens, von dem sich für die Nachwelt nur die Sparbuch-Ein- und Auszahlungen der 1807 Geborenen erhalten haben. Gleichzeitig erzählt Travnicek in "Feenstaub" (Picus) von einer Schicksalsgemeinschaft aus drei Taschendieben wider Willen.

"Ich an meiner Seite" heißt der Roman, auf den die Salzburgerin Birgit Birnbacher in ihrem Bachmann-Preis-Siegertext einen Vorgeschmack gegeben hat: "Humorvoll und empathisch erzählt sie vom jungen Arthur, der nach seiner Zeit im Gefängnis nur schwer eine neue Chance bekommt", verheißt der Zsolnay Verlag, in dem gleichzeitig eine große Karl-Kraus-Biografie ("Der Widersprecher") von Jens Malte Fischer erscheint. Der zweite Roman des in Linz arbeitenden Onkologen und Palliativmediziners David Fuchs "Leichte Böden" ist ein "scharfsinniger Roman über Autonomie im Alter und Pflegenotstand", wirbt der Haymon Verlag.

Der April macht, was er will - und bringt Michael Scharangs "Aufruhr". "Diese Geschichte begann in New York, fand ihre Fortsetzung in Wien und endete damit, dass die österreichische Regierung ins Ausland flüchtete", lautet der erste Satz des Romans, "in dem von nichts Geringerem als der Möglichkeit einer besseren und gerechteren Welt erzählt wird". Ein Streik wird zum großen Fest, das Fest zu einer Aufstandsbewegung.

"Gemeinsam ist Alzheimer schöner", meint Peter Turrini, dessen gleichnamiges neues Stück zur Uraufführung in den Kammerspielen der Josefstadt im April als Taschenbuch im Haymon Verlag erscheint. Zwei österreichische Krimis kommen bei Kiepenheuer & Witsch heraus: "Die Toten vom Lärchensee" nennt Joe Fischler Arno Bussis zweiten Fall, "Helga räumt auf" heißt der zweite Fall von Thomas Raabs Hannelore "Hanni" Huber.

Im Mai legt Felix Mitterer bei Haymon seinen ersten Roman vor: "Keiner von euch" ist von der Lebensgeschichte des Angelo Soliman inspiriert. "Dr. Angst" heißt ein Thriller des als Autor erfolgreichen Filmregisseurs Fritz Lehner (Seifert Verlag). Mit "Mutter: Chronik eines Abschieds" legt Melitta Breznik ein intensives Kammerspiel vor, den langsamen Abschied einer Tochter von ihrer Mutter. "Ein dichtes Buch über das Sterben. Tiefgründig, ehrlich, liebend und klar", verspricht der Luchterhand Verlag. Und Nicolas Mahler hat ein neues Stück Weltliteratur zur Graphic Novel umgearbeitet. Diesmal ist es "Ulysses". Am 16. Juni ist Bloomsday, der Gedenktag an den Roman, den James Joyce am 16. Juni 1904 spielen ließ. Und dann kommt schon der Sommer. Und damit viele neue Sommer-Bücher.

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