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Wiener TheaterDoderers Romane dominieren den Saisonauftakt

Ganz ohne Jubiläum dominiert Heimito von Doderer (1896-1966) den Saisonauftakt der Wiener Theater. Am 5. September bringt Janusz Kica "Die Strudlhofstiege" im Theater in der Josefstadt, am 11. startet Anna Badora mit Franzobels Bearbeitung von "Die Merowinger oder Die totale Familie" ihre letzte Saison am Volkstheater. In seine erste Spielzeit geht dagegen Burgtheaterdirektor Martin Kusej.

© APA/Theater in der Josefstadt
 

Der Eröffnungsreigen am Burgtheater beginnt am 12. September mit "Die Bakchen" des Euripides. Der neue Chef überlässt den Auftakt einem Kollegen, der sich noch nie in Wien präsentiert hat, dessen Inszenierungen aber zum Eindrucksvollsten zählen, das es derzeit in der deutschsprachigen Theaterlandschaft gibt: Ulrich Rasche fasziniert mit seiner modernen Version des Maschinentheaters. Seine Münchner Inszenierung von "Die Räuber" wurde ebenso wie seine Salzburger "Die Perser"-Interpretation auf sich drehenden Doppelscheiben mit je einem Nestroy-Preis als beste Aufführung im deutschsprachigen Raum bedacht. Nun ist die Burgtheater-Technik gefordert, der Raserei der von Dionysos verblendeten Frauen die richtige Rotationskraft zu verleihen.

Tags darauf führt im Akademietheater "Vögel" des in Kanada lebenden gebürtigen Libanesen Wajdi Mouawad mitten in den Konfliktherd des Nahen Ostens. Kusej hat die Österreichische Erstaufführung durch den israelischen Schauspieler und Regisseur Itay Tiran als "Signature Dish" seiner Direktion angekündigt: eine Verbindung von klassischen und aktuellen Fragestellungen und mit Deutsch, Englisch, Hebräisch und Arabisch gleich vier Sprachen auf der Bühne. Die "Vögel" flattern im Lauf der Saison auch in Graz und Innsbruck - und an vielen weiteren Bühnen in Deutschland.

Am 14. September bringt Kusej in seiner Münchner Inszenierung von Edward Albees Zimmerschlachtklassiker "Wer hat Angst vor Virgina Woolf?" Norman Hacker, Johannes Zirner, Nora Buzalka und Bibiana Beglau auf die Burgtheaterbühne, wo Letztere als Mephisto ab 27. September "Faust" Werner Wölbern auf die Pelle rücken wird.

Davor, nämlich am 21. September, widmet sich dort Anne Lenk Sally Potters Film "The Party": Eine Feier unter linksliberalen Freunden gerät außer Kontrolle und bringt dabei Beziehungen und Überzeugungen ins Wanken. Ein anderer Film, nämlich Arman T. Riahis bissige Komödie "Die Migrantigen" kommt dagegen am 7. September in der Regie von Sarantos Georgios Zervoulakos an die Kammerspiele der Josefstadt. Und auch am Volkstheater setzt man auf großes Kino: "Nur Pferden gibt man den Gnadenschuss" wurde durch die Verfilmung von Sydney Pollack aus dem Jahr 1969 zur Legende. Am Arthur-Schnitzler-Platz inszeniert Milos Lolic am 22. September die Romanvorlage von Horace McCoy, in der ein Tanzmarathon zur Metapher für ein tödliches Hamsterrad wird.

Einen Tag vor der Nationalratswahl hätte am 28. September das Wiener Schauspielhaus mit dem österreichischen Erstantreten des Duos Vegard Vinge und Ida Müller, das in Berlin zuletzt mit seinem "Nationaltheater Reinickendorf" für Furore sorgte, eröffnen sollen. Die Produktion musste jedoch kurzfristig aus Krankheitsgründen abgesagt werden. Einer der dafür vorgesehen gewesenen Performer, Maximilian Brauer, legt nun gemeinsam mit Leonard Neumann und dem Ensemble den Fokus nicht mehr auf den Wiener Aktionismus, sondern mehr auf den Pop: "F for Factory" heißt nun die für 2. Oktober angesetzte Uraufführung, bei der Andy Warhol und Otto Mühl, Lou Reed und Ingrid Wiener beschworen werden.

Am 4. Oktober sagen "Wir Staatskünstler" im Rabenhof: "Jetzt erst recht!" Die erste Hauptproduktion im Rabenhof gilt "Monster", der Dramatisierung des jüngsten Romans von Kurt Palm durch Christina Tscharyiski und Fabian Pfleger, die am 5. November zur Uraufführung kommt. Auch im TAG setzt man auf Literatur und beginnt am 19. Oktober mit "Dorian Gray - Die Auferstehung" die Saison. Mara Mattuschka erzählt Oscar Wildes berühmte Geschichte um ein Bild, das anstelle des Porträtierten altert, im Heute weiter.

In den Bundesländern setzt man auf Schiller. Am Linzer Landestheater startet Susanne Lietzow am 13. September mit "Maria Stuart", tags zuvor inszeniert Fabian Alder in St. Pölten "Der Parasit" - eine Koproduktion mit dem Stadttheater Klagenfurt, wo man erst am 10. Oktober mit Handkes "Die Stunde da wir nichts voneinander wußten" einsteigt, aber dringend den Namen des Nachfolgers für den zu Saisonende scheidenden Intendanten Florian Scholz wissen möchte. Die Ausschreibung soll bis Mitte September laufen.

Zu Saisonbeginn gibt es am 14. September wieder das übliche Eröffnungsfest im Schauspielhaus Graz, ehe am 26. September mit dem Roman "Vernon Subutex" von Virginie Despentes (Regie: Alexander Eisenach) die erste Hauptproduktion über die Bühne geht. Stephanie Gräve beginnt am Landestheater Vorarlberg am 21. September mit einem Großprojekt, das ins alte Rom führt: Der Auftakt zu "Cold Songs: Rom" wird vom neu gegründeten BürgerInnenchor mit dem Beginn von Shakespeares "Coriolanus" bestritten. Es folgt die Uraufführung des Monologs "Der ideale Staat in mir" von Bettina Erasmy, sowie "Julius Cäsar".

Am Salzburger Landestheater kommt am 20. September Chimamanda Ngozi Adichies Rede bei der TEDxEuston-Konferenz 2012 unter dem Titel "We Should All Be Feminists" als Bühnenversion in den Kammerspielen zur Uraufführung. Das Tiroler Landestheater eröffnet seine Schauspielsaison am 5. Oktober mit "Furor" von Lutz Hübner und Sarah Nemitz.

Auch der weitere Theaterherbst verspricht spannend zu werden. Da warten als prognostizierte Höhepunkte am Burgtheater Kleists "Die Hermannsschlacht" in Martin Kusejs Regie und Kornel Mundruczos "Tosca"-Version als Sprechstück. Und Mitte November kommt der französische Literaturshootingstar Eduard Louis gleich zweimal zu Bühnenehren: Am Schauspielhaus inszeniert Tomas Schweigen seine Bühnenfassung des Romans "Im Herzen der Gewalt" (Premiere: 13. November), zwei Tage später zeigt Christina Rast Louis' Auseinandersetzung mit seinem Vater "Wer hat meinen Vater umgebracht" am Volkstheater.

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