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Wladimir Kaminer„Heimat ist wie die Eltern, Mama ist Mama“

Für die dreiteilige Dokumentation „Kaminer Inside – Auf der Suche nach dem Heimatgefühl“, die 3sat heute (21. August) am Stück zeigt, erkundet der 52-jährige Bestsellerautor in Deutschland, Österreich und der Schweiz, was Heimat eigentlich ausmacht und wieso der Begriff gerade wieder so aktuell ist.

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Österreich, wo Wladimir Kaminer etwa Andreas Gabalier traf, ist gleich der erste Teil um 20.15 Uhr gewidmet. © 3sat
 

Wobei bekommen Sie selber heimatliche Gefühle?

WLADIMIR KAMINER: Bei der Küche meiner Mutter. Sie ist 87 und kocht noch immer sowjetisch – mit westlichen Produkten, weil sie in Berlin lebt. Sie hat diese Gerichte immer für meinen Vater gekocht, aber der ist schon tot, und aus meiner Familie will das sonst niemand essen, denn die sowjetische Küche ist teigig, fettig und irgendwie kindisch.

Wie definieren Sie denn den Begriff Heimat?

WLADIMIR KAMINER: Heimat ist ein Ort, der den Menschen prägt. Ein Stück davon hat man immer mit sich, so wie ich die Sowjetunion, die es seit 30 Jahren nicht mehr gibt, noch immer im Herzen trage. Heimat ist wie die Eltern, etwas, das jenseits der kritischen Betrachtung steht. Man liebt die eigene Mutter ja auch nicht für besondere Eigenschaften, dafür, dass sie toll aussieht oder gut singen kann. Mama ist Mama.

Sie haben Ihre sowjetische Heimat vor langer Zeit verlassen. Haben Sie manchmal Heimweh?

WLADIMIR KAMINER: Nein, gar nicht. Ich habe zwar noch heimatliche Gefühle, aber leider habe ich ja die Heimat nicht mehr, denn die Sowjetunion ist über Nacht verschwunden. Deshalb war das Thema für mich so spannend. Es gibt heute eine Verflüssigung des Heimatgefühls, viele Leute schauen aus dem Fenster und haben den Eindruck, als wäre die eigene Straße auf Reisen gegangen. Dieses Gefühl kenne ich.

Was macht das Thema Heimat aber wieder so aktuell?

WLADIMIR KAMINER: In einer immer globaler werdenden Welt heben die Leute die kleinen Unterschiede ihrer Orte immer deutlicher hervor, das ist doch nachvollziehbar. In Deutschland sind die Regionen sehr wichtig geworden. Wo ich auch hinkomme, geht es um regionale Unterschiede, regionale Küche, eigene Volksfeste, dörfliche Trachten. Ich finde das super, weil das Deutschland umso spannender macht. Es ist wie ein Flickenteppich aus vielen kleinen Bräuchen und Riten.

Zur Person

Wladimir Kaminer, geboren 1967 in Moskau. Lebt seit 1990 in Berlin. Durchbruch als Autor mit dem Erzählband „Russendisko“, es folgten u. a.  „Militärmusik“ und „Die Reise nach Trulala“. Die  Gesamtauflage seiner Bücher und Hörbücher liegt bei rund 3,8 Millionen Stück.

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