"Überlebensinstinkt kann man nicht lernen. Das kommt von innen", heißt es in "Tram 83". Ohne diese Form der Standardausrüstung ist man im gleichnamigen Nachtclub – irgendwo in Afrika – eher auf der Verliererseite. Wobei sich das Verhältnis von Opfer und Täter hier permanent verschiebt, umdreht, neu ausrichtet. Auch, weil es Verhandlungssache ist, wer gerade am längeren Ast sitzt.

Im "Tram 83" haben alle Platz, wobei sich die einen mehr nehmen als die anderen. Für die einen ist es ein Ort, Ankerpunkt ihres Seins. Für die anderen ist es ein Nichtort, ein Schauplatz des flüchtigen Glücks oder Unglücks. Ein Zirkus, deren Artisten tagtäglich über das schwankende Seil tänzeln, darunter die beiden Hauptprotagonisten, Requiem und Lucien.

Um sie herum zeichnet Fiston Mwanza Mujila ein lautes und rastlose Szenario, in das man ohne Vorwarnung hineinkippt und in dichten Zustandsbeschreibungen hängen bleibt – als wäre man selbst mittendrin. Ob es einem dort gefällt? Kommt darauf an, ob man Gewinner oder Verlierer ist. 1981 in der Demokratischen Republik Kongo geboren, kam er 2009 als Stadtschreiber nach Graz und blieb. Bereits sein Debüt "Tram 83" wurde mehrfach ausgezeichnet und für das Theater adaptiert.

Buchtipp: Fiston Mwanza Mujila. Tram 83. Zsolnay-Verlag.
208 Seiten. 20,90 Euro.

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