Am Ende des Films „The Banshees of Inisherin“ gibt es einen unvergesslichen Moment. Als der Streit der beiden Protagonisten eskaliert, will einer von ihnen das Haus des anderen in Brand stecken. Mittendrin schneidet man auf einen Hund, danach auf ein Pferd, die in die Kamera schauen. Man kann in den Mienen der Tiere alles Mögliche lesen: Verwunderung, Sanftmut, Geduld oder einen Vorwurf. Auf den Brandstifter machen die Tierblicke jedenfalls Eindruck. Aufs Publikum auch.

Der Blick eines Tieres steht auch im Zentrum von Andrea Arnolds Dokumentation „Cow“. Die britische Filmemacherin hat vier Jahre lang das Leben der Milchkuh Luma begleitet. Die Kamera befindet sich meist auf Augenhöhe mit der Kuh. Ein meisterlicher Kniff, der den Betrachter auf die kreatürliche Ebene „herunterholt“. Die stillen Blicke von Luma sind ebenso beeindruckend wie die der beiden Filmtiere aus „Banshees“.

Es sind nur zwei Beispiele aus einer Reihe von Filmen jüngster Zeit, in denen das Leben von Nutztieren eine bedeutende Rolle spielt. In „Pig“ geht es um einen Spitzenkoch und ein Trüffelschwein. In „First Cow“ wird eine Kuh zum Symbol einer Freundschaft. Die Dokumentation „Gunda“ rückt Schweinen so nahe, dass sie menschliche Züge erhalten, während die innige Beziehung in „Der Fuchs“ zwar kein Nutz-, aber ein Wildtier betrifft. Schon der koreanische Fantasyfilm „Okja“ hat vor ein paar Jahren von der Ausbeutung der Nutztiere erzählt. Es ist auffällig, wie intensiv das aktuelle Kino den Blick für diese Geschöpfe schärft und deren „Gefühle“ und Leben zum Thema macht.