Auch nach 20 Jahren ist es immer noch ein täglicher Eyecatcher, der sich mit seiner organischen Form geschmeidig ins Stadtbild fügt und eifrig mit seiner Umgebung kommuniziert. Das Grazer Kunsthaus passt mit seiner utopisch-naturnahen Architektur ziemlich gut in die allgegenwärtige Sehnsucht nach Naturnähe. Die multiplen Krisen der letzten Jahre haben das verstärkt, was als Grundton seit Jahren allgegenwärtig ist. Apropos Krise. Die herrscht im Inneren des "Friendly Alien" nicht, im Gegenteil, es herrscht Aufbruchstimmung. Neo-Chefin Andreja Hribernik stellt sich mit ihrem Team Grundsatzfragen: "Wir sollten darüber nachdenken, dass man eine Sammlung nicht nur besitzen, sondern sie auch verwenden, teilen und von ihr lernen kann." Will man ein abgeschlossener Ort der Sammlung und Präsentationsfläche sein oder wagt man eine Transformation und nutzt die Krise als Impulsgeber? Hribernik will Letzteres: "Wir brauchen Orte, in denen wir über Konflikte sprechen und nachdenken können. Das Kunsthaus als Ort der Zuflucht, als Ort des Experiments, des Dialoges und der Inklusion." Dieses Vorhaben spiegelt sich auch im Ausstellungsjahr 2023 wider, das zum Teil noch von ihrer Vorgängerin Barbara Steiner und Chefkuratorin Katrin Bucher Trantow erarbeitet wurde.

Das Programm ist nicht nur dem 20-Jahre-Jubiläum des Kunsthauses geschuldet, sondern greift vielfach die Diskurse der Gegenwart auf und denkt sie weiter. Wie etwa die Ausstellung "Von weit weg sieht man mehr" (ab 10. Februar), in der die Werke des 2019 verstorbenen Martin Roth und Ingrid Wiener um die Fragen nach den Einflussbereichen von Natur auf Kultur kreisen.
In "Schatten, Lücken, Leerstellen" (ab 10. Februar) beschäftigt sich Isa Rosenberger mit der Reaktivierung und Neuinterpretation von Geschichte. Eine Zusammenarbeit mit dem MSU Zagreb ist die Gruppenausstellung "Körper und Territorium" (ab 25. Mai). Als 2ein größerer, über die Grenze reichender Dialog", definiert es Chefkuratorin Katrin Bucher Trantow. Rund 100 Arbeiten thematisieren diverse Grenzbereiche – von der politischen Grenze bis hin zu körperlichen Grenzen.

"Wall" von Sol LeWitt
"Wall" von Sol LeWitt
© Margherita Spiluttini



Der Herbst steht im Zeichen des Kunsthausjubiläums: Die von Andreja Hribernik kuratierte Schau „Die/Der/Das Andere“ (ab 28. September) setzt sich mit den Spielarten der Abgrenzung in einer hoch individualisierten, heterogenen Welt auseinander. Eine Trennlinie der ganz besonderen Art feiert ihr Comeback: „Wall“ von Sol LeWitt (ab 28. September). 2004 als erste Solopräsentation im Space01 gezeigt, fungiert das Kunstwerk 20 Jahre später „als Plattform, um über verschiedene Themen nachzudenken“, erklärt Hribernik. Unter dem Banner „Re-Imagine the Future“ will man sich als Mitdenkerin für die Zukunft in Position bringen: „Wir müssen als Kultur- und Kunstinstitution darüber nachdenken, welche Rolle wir einnehmen, um in der Gesellschaft aktiv zu sein.“

Eine komplette Übersicht über die Ausstellungen finden Sie hier.