Es hatte schon früh Anstrengungen in Graz gegeben, über den kulturellen Zaun zu schauen. Vor allem mit den von Hanns Koren initiierten "trigon"-Biennalen (1963-95), Dreiecksverbindung zwischen Österreich, Italien, Jugoslawien. Und mit dem leider nie realisierten "trigon"-Museum, das zur Empfangshalle für den südosteuropäischen Raum werden sollte.

Der Europäische Kulturmonat im Mai 1993 war dann so etwas wie ein Probelauf für den Marathon. Dass dieser zehn Jahre später als Graz2003 starten konnte, war neben anderen Mitlenkenden besonders einer fast brüderlichen Zwei-Mann-Koalition zu verdanken: Bürgermeister Alfred Stingl (SPÖ) und Kulturstadtrat Helmut Strobl (ÖVP) ließen parteipolitischen Klimbim beiseite und zogen für das Kulturhauptstadtjahr kräftig an einem Strang.

Was im Vorfeld nicht allen gelang. Aber nach diversen Schaukämpfen, Neiddebatten und Schuldzuschreibungen zu Form, Inhalt oder Finanzierung der Europäischen Kulturhauptstadt Graz schienen nicht nur im Jänner 2003 bei der viertägigen Eröffnung doch irgendwie alle glücklich, stolz und zufrieden. Kann man das heute auch noch sein?

Lesen Sie hier, was aus 2003 wurde, nicht wurde, hätte werden können. In jedem Fall trug das Kulturhauptstadtjahr das Wesen jedes Projekts, jedes Experiments in sich: Es kann scheitern. Es kann gelingen. Es ist – wie immer es ausgeht – in Wollen und Tun ein Fortschritt, weil es zum Vordenken und Nachdenken zwingt. Es ist es wert. Wir sagen: Graz2003 war es wert.