Robert Musil mag nur ein knappes Jahr in Klagenfurt gelebt haben, das Interesse am Geburtsort des Autors geht aber längst über alle Grenzen hinweg. So hat Regisseur und „Bond“-Schauspieler Mathieu Amalric den Start seines Films „Hold me tight“ in Slowenien für einen Abstecher nach Klagenfurt genützt. „Er ist ein riesiger Musil-Fan und wollte unbedingt das Geburtshaus sehen“, erzählt Heimo Strempfl.

Hauptdarstellerin von „Hold me tight“ ist übrigens Vicky Krieps. Sie wiederum spielt im Kinofilm „Bachmann und Frisch“ die Klagenfurter Autorin, weshalb Regisseurin Margarethe von Trotta nach Klagenfurt kam und ebenfalls bei Strempfl vorbeischaute. Schließlich leitet der gebürtige St. Veiter seit 25 Jahren das Musilmuseum, das sich nicht nur dem Namensgeber, sondern auch Bachmann und Christine Lavant widmet. „Aber natürlich liegen uns auch andere Kärntner Autorinnen und Autoren am Herzen, vor allem Gert Jonke, alle zwei Jahre wird ja auch der nach ihm benannte Preis vergeben“, erzählt Heimo Strempfl.

Filmstar Mathieu Amalric bei seinem Besuch im Musilhaus
© Strempfl

Am Geburtstag von Musil, der am 6. November 1880 in Klagenfurt zur Welt kam, jährt sich auch die Eröffnung des nach ihm benannten Hauses in der Bahnhofstraße zum 25. Mal. Das bereits 1994 gegründete Musil-Institut der Universität übersiedelte damals in den ersten Stock, das Museum übernahm die Räumlichkeiten im Erdgeschoss.

Als im Jahr 2010 ein kleines Geschäft auszog, wurde das Museum Richtung Süden hin erweitert und bekam einen neuen Eingang, den der französische Street-Art-Künstler Jef Aérosol mit den Porträts von Musil, Bachmann und Lavant entscheidend prägte: „Das hat unser Erscheinungsbild völlig verändert: Nun kommen die Menschen am Bahnhof an und sehen uns sofort“, erzählt Strempfl.

Außerdem kam 2010 auch eine Literaturlounge dazu, die mit Veranstaltungen bespielt wird und so für eine weitere Öffnung des Hauses sorgte. Dort findet am 6. November (11 Uhr) das kleine, feine Geburtstagskonzert statt: An der Mahler-Privatuniversität tätige Komponisten wie Chistopher Kuess, Thomas Modrej oder Michael Pelzel haben Texte von Autorinnen und Autoren – darunter Ingeborg Bachmann, Fabjan Hafner und Gert Jonke – vertont.

Damit wird auch die Öffnung hin in andere Sparten der Kunst fortgesetzt: Unter anderem finden im Musilmuseum regelmäßig Ausstellungen statt, die den Literaturschwerpunkt erweitern. Derzeit etwa sind die Fotografien des Autors Peter Paul Wiplinger zu sehen. Als große Bereicherung hat sich auch der Klagenfurter Literaturkurs erwiesen, der immer im Vorfeld des Bachmann-Preises stattfindet und zahlreiche Talente und Shootings-Stars der Literatur hierher gebracht hat.

„Bei uns trifft der ,Club der toten Dichter‘ auf den literarischen Nachwuchs“, lacht Heimo Strempfl, den der Schwerpunkt in der Gegenwartsliteratur auch schon während seines Germanistik-Studiums an bei Klaus Amann (Ex-Vorstand des Musil-Instituts) begleitet hat. Deshalb traf es sicht gut, dass die Stadt Klagenfurt ihn 1997 für die Leitung des Museums holte; damals war Strempfl gerade für das Künstlerhaus tätig und hatte Ausstellungen organisiert: „In dieser Kombination passte das sehr gut für das Museum“, erinnert sich der 59-Jährige zurück.

Rober Musil - Musil Haus Museum Klagenfurt
Die Schreibmaschine von Robert Musil
© Kleine Zeitung / Weichselbraun

In der Ausstellung selbst sind unter anderem zahlreiche Fotografien der drei Autoren sowie Manuskripte und Erstausgaben zu sehen. Von Martha und Robert Musil gibt es nicht nur diverse Koffer und Kleidung zu bestaunen, sondern auch Musils Schreibmaschine der Marke „Underwood“. Von Christine Lavant kann man Möbelstücke bewundern, darunter auch eine Chaiselongue, die die Autorin einst von Maja Lampersberg geschenkt bekam. Und was Ingeborg Bachmann betrifft: Das Haus in der Henselstraße, in dem sie aufwuchs, wird von Stadt und Land renoviert und soll dann nach der Öffnung vom Musilmuseum geführt werden.

Im Museum findet sich in der Literaturlounge übrigens auch eine bunte Bücherwand: vom Kinderbuch bis zum Lexikon kann man da alles Mögliche entdecken und Bücher mitnehmen, sehr gerne aber auch vorbeibringen: „Wir wollen eben möglichst ein breites Publikum erreichen“, sagt Strempfl. Und außerdem geht es sowieso vor allem um ein Anliegen: Literatur (auch im wahrsten Sinn des Wortes) unter die Menschen zu bringen.