Der US-Regisseur, Autor und Produzent
Bob Rafelson ist am Samstag mit 89 Jahren gestorben. Das teilte
Micky Dolenz, Sänger der Band "The Monkees", auf Twitter mit. Laut
"New York Times" litt Rafelson an Lungenkrebs. Er galt als einer der
Vorreiter des New Hollywood. In den 60er- und frühen 70er-Jahren
gehörte er zu der Gruppe junger amerikanischer Filmemacher, die mit
anspruchsvollen, unkonventionellen Kinoarbeiten für frischen Wind in
der Traumfabrik sorgten.

Enge Zusammenarbeit mit Jack Nicholson
Sein größter Kassenerfolg war der Film "Wenn der Postmann zweimal
klingelt" (1980) nach dem gleichnamigen Roman des US-Autors James M.
Cain. In dem romantischen Thriller taucht die mittlerweile berühmte
Sex-Szene von Jack Nicholson und Jessica Lange auf dem Küchentisch
auf - ein Auftritt, der im prüden Amerika für einige Aufregung
sorgte.


Mit Jack Nicholson verband den in New York lebenden Rafelson eine
enge Geschichte: Die beiden drehten insgesamt sechs Filme zusammen.
"Was ich an der Arbeit mit Bob mag: Ich kann immer so unsentimental
arbeiten, wie ich will", sagte Nicholson einmal.

Als Meisterwerk sehen Kritiker den avantgardistischen Streifen
"Ein Mann sucht sich selbst" (1970), der zwei Oscar-Nominierungen
einheimste. Er bildet zusammen mit "Der König von Marvin Gardens"
(1972) und "Blood & Wine" (1996) eine bittere Familien-Trilogie, die
autobiografische Züge trägt.

Rafelson, 1933 in New York geboren, hatte nach einem jahrelangen
Abenteurerleben zunächst Philosophie studiert und dann als Autor
beim Fernsehen angefangen. Mitte der 60er-Jahre "erfand" er mit
einem Freund die jahrelang erfolgreiche TV-Serie um die Pop-Gruppe
"The Monkees". Um diese Musiker drehte sich auch sein erster Film
"Head" (1968; Drehbuch von Nicholson), der ihm die Türen in
Hollywood öffnete. Weitere gerühmte Streifen waren "Mister
Universum" (1976), "Die schwarze Witwe" (1986) und "Land der
schwarzen Sonne" (1990).


Doch trotz des Kritikerlobs blieb Rafelson ein Außenseiter. Er
musste oft um seine Projekte kämpfen und hatte immer wieder längere
Durststrecken zu überwinden. 1979 wurde er während der bereits
laufenden Dreharbeiten zu dem Gefängnisfilm "Brubaker"
hinausgeworfen und durch Stuart Rosenberg ersetzt, weil er einen
Studiochef beim Setbesuch tätlich angegriffen hatte. Rafelson
hinterlässt seine Frau Gabrielle und zwei Söhne.