Er war einer der widerständigen Autoren Österreichs. Seine Stimme fehlt. Verstorben 2011 mit 64 Jahren, jährt sich der Geburtstag des Villachers Werner Kofler heute zum 75. Mal. Elfriede Jelinek hatte anlässlich des Erscheinens seiner Werkausgabe 2018 (Sonderzahl) gesagt: "Der Werner Kofler ist einer der am meisten verkannten Autoren Österreichs. Alles, was Berühmtere können und konnten, das konnte er besser."

Was er auf so unvergleichliche Art konnte, war das Aufbegehren gegen Umweltzerstörung und Tourismus, rechte Umtriebe und mangelhafte "Erinnerungskultur". Mit beißendem Sprachwitz und gnadenloser Hellsichtigkeit demaskierte der Satiriker gesellschaftliche Bigotterie, bekannt war er auch für seine an Thomas Bernhard erinnernden Beschimpfungen und Suaden.

Erstunken und erlogen

Sarkastisch schilderte er in seinem großen Bucherfolg "Guggile" (1975) das Aufwachsen in der österreichischen Provinz der 1950er. Auch wenn der Titel wie ein Kosename klingt, strotzt der Text vor Angriffslust und Wut: "Alle Personen, Orte und Begebenheiten sind wahrheitsgemäß erstunken und erlogen." Er hat alles, was auch Koflers anderen Schriften aufweisen: deftige Sprache, bösen Witz, Zitate, die zum Teil Erfindungen sind, penible Recherche, Collage- und Montagetechnik und immer wieder reale bürgerliche Namen der Protagonisten. Neben seinen 24 Hörspielen und 21 Buchpublikationen – allesamt "Irrsinnskunststücke, Racheakte, Geheimschrift", wie er selbst sagte – schrieb Kofler auch sein Theaterstück "Tanzcafé Treblinka", das 2001 in Klagenfurt uraufgeführt wurde.

Werner Kofler, der Kaufmannssohn aus Villach, bezeichnete sich selbst als "Meister der üblen Nachrede". Nur hochachtungsvolle Worte findet hingegen sein langjähriger Freund Antonio Fian über den rund zehn Jahre älteren Schriftstellerkollegen: In einem Aufsatz über seinen "Lehrer Kofler" schildert Fian seine zahlreichen Besuche bei Kofler in Wien, von dem er oft Texte für seine gemeinsam mit einem Freund gegründete Literaturzeitschrift "Fettfleck" erbat, erzählt von seiner Verehrung und der Zusammenarbeit bei vier Hörspielen. Zu Koflers 60. Geburtstag schrieb der Germanist Klaus Amann: "Der literarischen Raffinesse und dem künstlerischen Ingenium Werner Koflers verdankt die österreichische Literatur einiges vom Besten, was in den letzten Jahrzehnten geschrieben wurde." Das hat wohl auch 15 Jahre später noch seine Gültigkeit.