Hollywood-AltmeisterRegisseur Peter Bogdanovich mit 82 Jahren gestorben

Einer der letzten Klassiker: Der Filmregisseur, Kritiker und Schauspieler Peter Bogdanovich starb im Alter von 82 Jahren in Los Angeles. Ein Nachruf.

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Peter Bogdanovich
Der Filmregisseur Peter Bogdanovich (1939 - 2022) © AP
 

Schon in seinem Debüt zeigten sich typische Merkmale des 1939 im US-Bundesstaat New York geborenen Peter Bogdanovich. Er war ein wertkonservativer Filmemacher, ein Regisseur, der sich in der Kinogeschichte wie kein zweiter auskannte (Martin Scorsese ausgenommen) und doch auch einer, dessen Filme von Originalität und Wagemut geprägt sind. „Targets – Bewegliche Ziele“ (1968) war sein erstes Meisterwerk, in dem diese beiden Aspekte zusammenkommen, eine Hommage ans alte Kino und zugleich aufregend neu wie die Filme des gerade aufkommenden „New Hollywood“.

Dieser Film über einen Sniper war der Beginn einer fulminanten Werkreihe: „Die letzte Vorstellung“ (1971) ist einer der schönsten und melancholischsten Filme über den Sehnsuchtsort Kino und über das dumpfe Leben in der Provinz. „Is’ was, Doc?“ mit Barbra Streisand (1972) ist eine Hommage an die klassische Screwball Comedy, „Paper Moon“ (1973) eine liebevolle Erzählung, die die Nöte der Depression in edlen Sepia-Tönen einfängt. Das Sentimentale war Bogdanovich nicht fremd, aber er setzte es in Filmen wie „Texasville“ (1990) und „The Thing Called Love“ (1993) dermaßen gekonnt ein, dass es nie süßlich, sondern herzerwärmend wurde. Etwas, was er einem seiner großen Vorbilder, Frank Capra, voraus hatte. Es menschelt in manchen seiner Filme gar arg („Die Maske“, 1985), doch seine humane Grundhaltung verdiente nie etwas anderes als Hochachtung.



Hochkarätige Kollegen reagierten bestürzt auf die Todesnachricht. "Er war ein enger Freund und ein Meister des Kinos", schrieb Regisseur Guillermo del Toro auf Twitter. Er habe "Meisterwerke" geschaffen. "Ich bin am Boden zerstört. Er war ein wunderbarer und großer Künstler", würdigte Francis Ford Coppola in einer Mitteilung laut "Deadline.com" den Filmemacher.

Bogdanovich war auch Kritiker, seine Verehrung für die großen Alten Hollywoods schlug sich in Dokus wie „Directed by John Ford“ oder in Büchern wie „Hier spricht Orson Welles“ nieder. Letzteres ist ein Interviewbuch, welches als ultimatives Werk zu Welles gelten kann.

Später trat Bogdanovich eher als Schauspieler in Erscheinung, etwa in den „Sopranos“ oder in „Es“. Der von mehreren Insolvenzen gebeutelte Regisseur kam aus der Mode, obwohl er doch immer von Anbeginn vor allem eins war: ein Klassiker.

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