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NachrufDeutscher Parade-Regisseur Harry Kupfer 84-jährig verstorben

Der legendäre "Opernkönig" ist tot: Regisseur Harry Kupfer, der sechs Jahrzehnte lang Musiktheater aufregend inszenierte, ist im Alter von 84 Jahren verstorben. 84-jährig verstorben. Die erste Arbeit des Deutschen im Ausland war 1973 die "Elektra" von Richard Strauss am Opernhaus Graz.

Harry Kupfer
Harry Kupfer (1935 - 2019) © APA/Herbert Pfarrhofer
 

Reden ist Silber, Schweigen ist Gold, Singen ist Kupfer: Regisseur Harry Kupfer inszenierte sechs Jahrzehnte lang Musiktheater. Mit seinem "Ring" in Bayreuth schrieb er Geschichte, die Komische Oper Berlin führte er von der DDR in die Wiedervereinigung, und das Wiener Musical prägte er mit Arbeiten wie "Elisabeth" oder "Mozart!" maßgeblich.

Der gebürtige Berliner verdankte seinen Beruf eigentlich einer großen Musikalität - und einer schwachen Stimme. Weil er nicht singen konnte, sei ihm nur das Regiefach geblieben, um seine Leidenschaft für die Oper zu stillen, sagte er einmal. Mit 23 Jahren gab er sein Regiedebüt mit Antonín Dvořáks "Rusalka" in Halle. Seine erste Arbeit im Ausland war 1973 die "Elektra" von Richard Strauss am Opernhaus Graz. Nach Stralsund, Chemnitz, Weimar und als Staatsoperndirektor in Dresden zog er 1981 nach Berlin.

Der Moderne und den verfemten Komponisten fühlte sich der Schüler von Regiemeister Walter Felsenstein immer verpflichtet. 1994 hatte Kupfer Berthold Goldschmidts musikalische Tragikomödie "Der gewaltige Hahnrei" auf die Bühne gebracht. Nach dem Verbot durch die Nazis war das Werk 60 Jahre nicht mehr gespielt worden. Zu Kupfers Sternstunden gehörten fesselnde Deutungen von Aribert Reimanns "Lear" oder Bernd Alois Zimmermanns "Soldaten" ebenso wie Uraufführungen von DDR-Komponisten - von Siegfried Matthus bis Udo Zimmermann.

Zugleich pendelte er zwischen dem Ostblock und dem Westen auch schon zu DDR-Zeiten frei. So wurde Kupfer sowohl Träger des Nationalpreises der DDR I. Klasse (seit 1983) als auch des Großen Bundesverdienstkreuz mit Stern (seit 2002). Mitte der 2010-Jahre arbeitete Kupfer in Dresden und Sydney, brachte den "Ring" in Barcelona und den "Parsifal" in Helsinki heraus. Zur Seite stand ihm dabei immer wieder sein langjähriger Bühnenbildner Hans Schavernoch.

Bereits 1978 brachte es Kupfer bis nach Bayreuth, wo er mit einem "Fliegenden Holländer" in psychoanalytischer Deutung bei Wagnerianern eher gemischte Reaktionen auslöste. Zehn Jahre später produzierte er in Bayreuth mit Daniel Barenboim den "Ring des Nibelungen". Die Fallstudie aus dem Irrenhaus wurde als Jahrhundertereignis gefeiert. Die Figuren hausten in Betonbunkern, abgewrackten Kläranlagen und zertrümmerten Glaspalästen.

Ein Meilenstein wurde auch die Aufführung der zehn wichtigsten Wagner-Werke an der Berliner Staatsoper - wieder mit Barenboim am Pult. Lange galt Kupfer als "Opernkönig von Berlin", wie die "Zeit" einmal schrieb. Als er 2002 nach 21 Jahren als Chefregisseur der Komischen Oper abtrat, hatte das Haus 37 Kupfer-Inszenierungen im Repertoire. Mit seinem realistischen Musiktheater und seiner präzisen Personenführung hatte er eine Epoche geprägt.

Nun ist Harry Kupfer ist tot. Der Berliner verstarb am Montag (30. Dezember) nach längerer Krankheit im Alter von 84 Jahren in seiner Heimatstadt, wie sein Management Arsis mitteilte.

Kommentare (1)

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Lodengrün
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Der nächste Geniale

hat uns verlassen. Als jemand der mit ihm, beginnend beim Ring in Bayreuth, mit ihm arbeiten durfte kann diesen Verlust gar nicht genug betonen. Er hatte für jedes Wort die Szene bei Probenbeginn schon im Kopf. Dazu das noch immer motivierende: „Meister, Meister, atmen sie,....“. R.I.P. Meister Kupfer.