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Kärntnerin des TagesAngelika Kaufmann übersetzt Worte in Bilder

Angelika Kaufmann (83) hat mit ihren Illustrationen Klassiker der Kinderbuchliteratur wie "Der Apfelbaum" und "Dann rufen alle Hoppelpopp" geschaffen. Nun hat sie ein neues Buch geschrieben.

Angelika Kaufmann Galerie Freihausgasse Villach
Angelika Kaufmann mit ihrem neuen Buch „Und wer bist du?“, für das sie auch den Text geschrieben hat, in der gestern zu Ende gegangenen Ausstellung „Lesestadt“ © KLZ/Weichselbraun
 

Ein alter Apfelbaum, der viele Tiere bei sich wohnen lässt, auch wenn es den anderen Bäumen nicht so recht passt. Im Winter aber hat er es dank seiner Freunde wunderbar kuschelig und warm. - Eine Familie mit fünf Hasenkindern, die den ganzen Tag miteinander spielen und toben – bis ein alter Hase sie zu Wettbewerben herausfordert, um festzustellen, wer der Klügste oder der Schnellste ist. Am Ende lernen die Kinder: Am stärksten ist man gemeinsam. - Oder eine Katze, die nach einem Hochwasser allen Tieren Platz auf ihrem im Wasser treibenden Baum bietet – sogar dem gefährlichen Fuchs.

„Der Apfelbaum“, „Dann rufen alle Hoppelpopp“ und „Komm, sagte die Katze“ sind nur drei von über 50 Kinderbüchern, die Angelika Kaufmann illustriert hat. Die gebürtige Villacherin hat viele Jahre lang mit Mira Lobe zusammengearbeitet, gemeinsam hat man Klassiker geschaffen, die Generationen von Eltern ihren Kindern vorgelesen haben – und immer noch vorlesen. Aber Angelika Kaufmann hat auch selbst Kinderbücher geschrieben, das Neueste „Und wer bist du?“ über einen Zeitungsverkäufer hat sie gestern zum Abschluss des Kinderliteraturfestivals „Lesestadt“ in Villach präsentiert.

Zur Person

Angelika Kaufmann, geb. 1935 in St. Ruprecht bei Villach. Illustratorin von Kinderbüchern. Ausgezeichnet u. a. mit dem Österreichischen Würdigungspreis für Kinder- und Jugendliteratur.

Dort wurde Angelika Kaufmann im Jahr 1935 geboren, dort hat sie auf einem Bauernhof in St. Ruprecht eine behütete Kindheit genossen, aus der sie für ihre Zeichnungen schöpft: „Ich erinnere mich gerne an meine eigene Kindheit, die umsorgt war. Die wenigen bebilderten Bücher, die ich damals besaß, habe ich geliebt und geschätzt“, erzählt sie.
Weniger gute Erinnerungen hat sie an ihre Zeit in der Frauenberufsschule, die sie nur deshalb aufsuchte, „weil dort die meisten Zeichenstunden am Lehrplan standen. Die Schule war aber sehr streng“, so Kaufmann. Aber immerhin hatte sie dort einen „ganz wunderbaren“ Zeichenlehrer, der die Eltern überredete, die Tochter nach Wien zu schicken. An der Hochschule für angewandte Kunst studierte sie Gebrauchs- und Illustrationsgraphik. Schon damals wollte sie ein erstes Kinderbuch herausbringen, aber „die Zeichnungen waren allen Verlagen viel zu wenig bunt“, erinnert sich die 83-Jährige.

Zusammenarbeit mit Mira Lobe

Zehn Jahre sollte es dauern, bis schließlich „Das einsame Schaf“ erschien: „Ab da ging es leichter“, erzählt sie. Wo genau sie Mira Lobe kennengelernt hat, weiß die in Wien lebende Künstlerin gar nicht mehr so genau: „Aber sie hat mich gefragt, ob wir gemeinsam etwas machen könnten. Die Arbeit mit ihr war sehr partnerschaftlich, wir haben uns oft getroffen und ausgetauscht“, so Kaufmann, die aber auch mit Felix Mitterer („Superhenne Hanna gibt nicht auf“), Käthe Recheis („Schwesterchen Rabe“) oder Friederike Mayröcker („Sneke“) gearbeitet hat. Letztere lernte Kaufmann über ihren Mann, einen Zahnarzt, kennen: „Sie war seine Patientin und hat uns zu einer Lesung eingeladen“, erinnert sie sich.

G & G
Mira Lobe (Text) und Angelika Kaufmann (Illustration). G & G, 14,95 Euro. © G & G

„Illustrieren“, sagt Angelika Kaufmann, „ist wie Übersetzen, nur in dem Fall von Text in Bildsprache.“ Kaufmann hat sich aber nicht nur als Illustratorin, sondern auch als Künstlerin einen Namen gemacht. Ihre Druckgraphiken und Installationen – darunter Buchobjekte aus selbstgeschöpftem Papier oder Rauminstallationen mit 200 Meter langen, beschrifteten und bemalten Stoffbahnen – hat sie in Österreich, aber auch im Ausland bis China und Japan gezeigt. Auch ihre ungewöhnliche Frisur ist an eine Arbeit von ihr angelehnt, und zwar an eine Installation aus Registrierkassenpapier, auf der sie schwarze Farbe vom Pinsel abgetupft hat.

Villacher Kulturpreis

Nach Kärnten kommt Angelika Kaufmann nicht mehr so häufig, ihre Sommer verbringt sie in ihrem Häuschen im Waldviertel, das sie mit ihrem verstorbenen Mann gekauft hat. Nur zuletzt hat sie die Zugfahrt in den Süden mehrmals auf sich genommen. Schließlich wurde sie im Herbst mit dem Villacher Kulturpreis ausgezeichnet („eine unerwartete Ehre, über die ich mich sehr gefreut habe!“) und war in der gestern zu Ende gegangenen „Lesestadt“ mit mehreren Arbeiten und Büchern vertreten.

Einst hat einer ihrer jungen Leser sie gefragt, ob sie jedes einzelne Buch selbst zeichnen würde: „Diese Vorstellung fand ich hinreißend. Ich habe ihm dann erklärt, dass ich die Zeichnungen für ein Buch mache und das wird dann nachgedruckt.“ Diese Macht der kindlichen Phantasie, die hat sich auch Angelika Kaufmann erhalten. Und deshalb glaubt sie fest daran, dass Bücher wichtig sind – auch im Zeitalter von Smartphone & Co. Und dafür sind Generationen von Kindern dankbar.

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