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BulgarienSehenswert: Die Kulturhauptstadt 2019 ist eröffnet

Respekt! Kulturhauptstadt Plowdiw vergisst in ihrem historischen Jahr nicht auf ihr Roma-Ghetto. Ganz nach dem Motto „Together“! Oder: "Was man nicht verstecken muss!"

In Plowdiw sind die Zeichen des eben eröffneten Kulturhauptstadtjahrs nicht zu übersehen © AP
 

Pffff, das verstört! Es verunsichert und bringt einen doch ziemlich durcheinander. Gerade kommen wir von einem ausgedehnten Fußmarsch aus Stolipinowo zurück, dem größten Roma-Ghetto am gesamten Balkan. An die 45.000 Einwohner zählt dieses riesige Viertel im nordöstlichen Teil von Plowdiw. Eigentlich ist es eine Stadt in der Stadt, eine in tiefster Armut, die im Dreck versinkt und mit Horror-Szenarien wie flächendeckende Arbeitslosigkeit, Kriminalität und Strom- und Wasserboykott zu kämpfen hat. Umso erstaunlicher und respektabler aber, dass die am Samstag mit einer spektakulären, lichtüberfluteten Multimedia-Show eröffnete Kulturhauptstadt Plowdiw ihr Ghetto vor internationalen Gästen nicht versteckt und den Besuchern schon in ihrer dritten Führung dieses Elend vor Augen führt. In kleinsten Grüppchen zu viert, und fotografieren ist nicht erwünscht!

Bulgarien: Plowdiw als Kulturhauptstadt 2019 eröffnet

Startschuss in das Kulturhauptstadtjahr 2019 in Plowdiw: Auf einer 30 Meter hohen mehrfarbigen Multimedia-Bühne im Stadtzentrum traten am Samstagabend 1.500 Aktionskünstler unter dem Motto "Wir sind alle Farben" auf.

(c) APA/AFP/DIMITAR DILKOFF (DIMITAR DILKOFF)

"Zusammen" lautet das Motto der Multi-Kulti-Stadt Plowdiw als Europas Kulturhauptstadt 2019. Dieses Motto wurde während der Eröffnung in mehreren Sprachen ausgerufen, die in Plowdiw gesprochen werden.

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Plowdiws Motto "Zusammen" sei ein Schlüsselwort auch für die Europäische Union, betonte die EU-Kommissarin für digitale Wirtschaft und Gesellschaft, Maria Gabriel, aus Bulgarien.

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In der etwa 8.000 Jahre alten Stadt leben slawischstämmige orthodoxe Bulgaren, Katholiken, Juden, Armenier, Roma und Türken aus der Zeit des Osmanischen Reiches friedlich nebeneinander.

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Die Eröffnungsshow wurde von dem Berliner Künstlerkollektiv phase7 performing.arts inszeniert. Die Auftritte gaben einen Vorgeschmack auf die Akzente vom Programm Plowdiws als Kulturhauptstadt: vielfältige Musik, Theater, ethnische Toleranz, Zusammenwirken und Zusammenerleben.

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Entsandte aus der anderen europäischen Kulturhauptstadt 2019, dem italienischen Matera, kamen zur Eröffnungsfeier in Plowdiw. Die offizielle Eröffnung in Matera ist in einer Woche. Klicken Sie sich durch die weiteren Bilder!

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Projektexpertin Neli Blagova erklärt aber, dass Stolipinowo in rund 50 Projekte des Kulturhauptstadtjahres eingebunden ist. Das funktioniert freilich nur vermittels den Lehrern an den Schulen hier und sogenannter Mediatoren, allesamt Roma, die zwischen den beiden Welten von Plowdiw operieren.
Schon die Marketingdirektorin Radost Ivanova ließ tags zuvor wissen, dass es „nicht das reiche kulturelle Erbe der ältesten Stadt Europas ist“, dass im Fokus des Kulturhauptstadtjahres steht, sondern „die Lösung der Probleme, die wir haben“.
Hut ab! Dazu zählt neben dem Ghetto auch die sogenannte Tobacco-City, ein riesiges Areal an ehemaligen Lagerhallen aus einer Zeit, in der hier der mit Tabak gehandelt wurde. Einige dieser historischen, sehr heruntergekommenen Gebäude wurden bereits renoviert, in einem davon befindet sich etwa auch das SKLAD, das sehr atmosphärische Quartier der bulgarischen Kulturhauptstadt.

Im Zentrum der Stadt: „From the Berlin Wall to Street Art“ Foto © AP

Plowdiw selbst steht dieser Tage ganz im Zeichen der Eröffnung dieses für die Stadt historischen Ereignisses, immerhin konkurrierte man mit sieben weiteren bulgarischen Städten um den Titel. Überall in der Stadt, die von archäologischen Ausgrabungen, riesigen römischen Ruinen (allen voran das antike Theater, das Odeon und das römische Stadion) und solchen aus der Zeit, als man noch Philipopolis hieß, geprägt ist, ist das signifikante Blau, das großformatige Motto „Together“ oder das Logo mit den schematischen sieben Hügeln zu sehen. Vornehmlich natürlich in der größten Fußgängerzone Europas (!), wo sich unter anderem, direkt am Eingang in die römische Unterwelt, auch die beeindruckende Freiluftausstellung „From the Berlin Wall to Street Art“ mit den namhaftesten Künstlern des Genres befindet. Neben knallbunt bemalten Trabis, die ebenfalls an die Ereignisse vor 30 Jahren erinnern sollen. Über 500 Projekte werden es am Ende des Jahres sein, die „die Nachhaltigkeit des Kulturjahres sichern und Plowdiw zur neuen Marke machen“ sollen (Ivanova). Und die teilweise erst in Planung sind!

 

Kulturhauptstädte 2019: Plowdiw versus Matera

Plowdiw, gelegen im südlich-zentralen Teil Bulgariens, gilt mit seinen über 340.000 Einwohnern als zweitgrößte Stadt des Landes. Auch wenn kein genaues Gründungsjahr bekannt, rühmt man sich mit bereits in der Antike entstandenen Gebäuden und Kulturstätten, wie beispielsweise dem zum Teil noch intakten Amphitheater.

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In Plowdiw soll das Amphitheater als einer von vielen Schauplätzen dienen und mit Hilfe von 3D-Lichtinstallationen rekonstruiert werden.

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Unter den Schlagworten "Revive" und "Transform" will man mittels Ausstellungen, Theater und Installationen in der freien Natur urbane Stätten wiederbeleben und Aspekte des Kulturtourismus abseits herkömmlicher Stereotype aufzeigen.

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Ein besonderes Highlight: Der "River of Imagination", ein Projekt, das den durch Plowdiw fließenden Fluss Martisa in den Mittelpunkt stellt und nach Verbindungsmöglichkeiten zwischen Historizität und ökologischer Nachhaltigkeit sucht.

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Gestartet wird mit einem Eröffnungswochenende von 11. bis 13. Jänner. Die "We are all Colors"-Show mit über 1500 Mitwirkenden in der gesamten Innenstadt will zeigen, dass die Bürger Bulgariens nicht nur Zuschauer, sondern auch Mitspieler und -gestalter des Kulturhauptstadtprogramms sind.

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Das vergleichsweise kleinere süditalienische Matera (ca. 60.000 Einwohner) erlangte vor allem durch seine Altstadt Bekanntheit, die größtenteils aus alten Höhlensiedlungen (den sogenannten "Sassi") besteht.

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1993 wurden die noch bis in die 1960er-Jahre bewohnten Sassi gar ins Unesco-Weltkulturerbe aufgenommen.

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In Matera setzt man vor allem auf futuristische Elemente: Die Tanzperformance "Quantum Danza" kombiniert Theater mit Quantenphysik und widmet sich den kulturellen Umwälzungen des 20. Jahrhunderts. Typisch italienisch zeigen sich auch diverse kulinarische Programmpunkte.

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Vom "Vegetable Orchestra" bis zur großen Kochgemeinschaft "Mammamiaaa", deren Ergebnisse über Social Media geteilt werden, sämtliche Beiträge beschäftigen sich mit Möglichkeiten der Veränderung innerhalb der eigenen Stadt.

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Beim großen Eröffnungsfest am 19. und 20. Jänner möchte man die 131 Umlandgemeinden der Region Basilicata und ihre Marschmusik-Tradition miteinbeziehen: Bands aus der Gegend, aber auch aus ganz Europa, sollen mit über 2000 Musikern die ganze Stadt zum Festgelände machen.

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