Man schrieb Dezember 1968, als „Asterix der Gallier“ auf Deutsch laufen lernte. Das französische Original über den kleinen unbeugsamen Gallier kam bereits 1959 im Magazin Pilote heraus. Der Vollständigkeit halber muss man erwähnen, dass im Kauka-Verlag bereits 1966 ein Gallier namens „Siggi der Unverwüstliche“ erschien. Vielleicht hat es aber gerade diesen „Siggi“ gebraucht, damit die kongenialen Übersetzungen von Asterix ihren Lauf nehmen konnten.
Denn beim Teutates, die genialen Autoren René Goscinny und Albert Uderzo waren wenig angetan von „Siggi“ (Asterix) und „Babarras“ (Obelix). Im gerade in der Egmont Verlagsgesellschaft erschienen Prachtband „Asterix der Gallier“ wird auf diese „bedenkliche inhaltliche Ausrichtung“ von Rolf Kauka aus dem Jahr 1966 hingewiesen. Nur, um ein Beispiel zu erwähnen: Die Gallier lebten in „Bonhalla“ (eine Neuschöpfung aus Bonn und Hall). Kauka wurde die Lizenz entzogen und Ehapa übernahm (heute Egmont Ehapa Media). Bis Band 29 „Asterix und Maestria“ übersetzte Gudrun Penndorf aus dem Französischen.

Geheimsache Übersetzung

Heute ist der in Kleve am Niederrhein geborene Klaus Jöken Übersetzer der Asterix-Abenteuer. Die Comics rund um Asterix, seinen gut gebauten Freund Obelix und den Hund Idefix zu übersetzen gleicht einem Agententhriller. „Asterix unterliegt gewissen  Geheimhaltungsbestimmungen. Früher erhielt ich alles noch auf Papier. Heute bekomme ich Passwörter für einen geheimen Server“, verrät Jöken. Nicht immer sind die Autoren (heute Jean-Yves Ferri und Didier Conrad) mit dem Album fertig, wenn Jöken in seinem Haus im französischen Zentralmassiv mit dem Übersetzen beginnt. Sein Arbeitszimmer darf weder ein vollgeschriebenes Blatt Papier noch eine Zeichnung verlassen: „Ich muss auf Papier korrigieren, also schreddere ich nach der Arbeit alles, was ich habe.“ So kommen für ein Album nach zwei Monaten Arbeit zwei Säcke voll vernichtetem Material zusammen.
„Als ich die Serie übernommen habe, wurde ich Herrn Uderzo vorgestellt“, sagt Jöken. Ein Staatsakt quasi. „Er legt großen Wert darauf, wer was macht. Sie hatten mit Goscinny ja schlechte Erfahrungen mit Übersetzungen. Uderzo sagte mir, dass man Asterix adaptieren müsse, nicht übersetzen.“

Und so probiert Jöken aus, feilt an dem spezifischen Asterix-Stil und versucht Unübersetzbares übersetzbar zu machen: Beim jüngsten Album „Asterix in Italien“ sagt der Fischhändler Verleihnix vor dem Wagenrennen im französischen Original „Achtet auf die Fischschwänze“. Eine wortwörtliche Übersetzung wäre nicht lustig: „Im Französischen ist damit gemeint, dass man jemanden schneiden soll. Aber es muss lustig sein. Also sagt Verleihnix ,Angelt euch den ersten Platz‘. Wortwörtlich hat diese Übersetzung nichts mehr mit dem Original zu tun, drückt aber den Geist aus.“

Klaus Jöken vor einem Plakat, das seinen Wohnort Moulins in Frankreich zeigt
© Privat/ Jöken


Den heute 59-Jährigen Jöken verschlug es übrigens der Liebe wegen in das Land der Gallier: „Bei einem Urlaub in Kopenhagen habe ich eine junge Französin kennengelernt.“ Jöken hatte Geschichte und Niederländisch studiert, mit der französischen Sprache hatte er zu dieser Zeit nichts am Hut. „Als ich damals bei meiner Frau in Frankreich war, gingen wir spazieren und sahen da dieses Denkmal mit Flügelhelm. Ich fragte sie: Habt ihr ein Asterix-Denkmal?“, erzählt Jöken, doch es war nicht Asterix, sondern der gallisch-keltische Fürst Vercingetorix. „Und ich dachte immer, Asterix wäre erfunden!“
In seinem Arbeitszimmer stapeln sich nicht nur die 500 Comics, die er übersetzt hat, sondern auch viel Recherchematerial. „Der Dachboden ist voll, der Keller ist voll. Es ist ein kreatives Chaos“, verrät Jöken, der mit der Übersetzung des Western-Comics „Der Mann, der an Kalifornien glaubte“ in das Übersetzer-Geschäft eingestiegen war. Seit 1995 überträgt er auch Lucky Luke ins Deutsche. Wichtig ist, dass man seine Charaktere kennt: „Man muss wissen, dass Majestix bombastisch spricht. Und die anderen Bände im Kopf haben.“ Denn Fans verzeihen nichts: So werden Listen über alle bereits in den Asterix-Bänden erschienen Namen geführt, um sich nicht zu wiederholen. Damit ein Name wie Mac Aphon in „Asterix bei den Pikten“ entsteht, wird viel probiert: „Ich schaue mir das an und weiß, dass viele Figuren mit Mac anfangen müssen. Dann schaue ich, welche Namen man behalten und was ich mit Mac alles machen kann. Mac Aphon hat Sprachprobleme und ein Megafon ist ein Gerät, das manchmal funktioniert und manchmal nicht.“ Irgendwann ist Jöken dann fertig - und wir dürfen uns über seine Kunst amüsieren.