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EU-LiteraturpreiseDaniel Kehlmann bezeichnet FPÖ als rechtsextrem

Am Vortag des Beginns der Messe "Buch Wien" sind am Dienstagabend im Wiener Schloss Belvedere die EU-Literaturpreise (EUPL) verliehen worden, mit denen unbekannte Autoren gefördert werden. Redner Daniel Kehlmann sparte vor anwesenden Politikern nicht mit Kritik an Ungarn und Österreich

Daniel Kehlmann bei der Rede im Belvedere © APA/BKA/ANDY WENZEL
 

Unter dem Motto "Eine europäische Geschichte: EUPL-Preisträger schreiben Europa" reichten 36 frühere Preisträger aus 26 Ländern Kurzgeschichten ein, die im mehrsprachigen Band "European Stories" zusammengefasst sind. Mit der Verleihung beschließt der EUPL die Feierlichkeiten zu seinem zehnjährigen Jubiläum, die in vielen EU-Ländern begangen wurden. "Diese Preisverleihung findet zum ersten Mal in Wien, nicht in Brüssel statt", erklärte der Journalist und Sozialwissenschafter Michael Freund, der durch den Abend führte. Die vier Preisträger stammen aus Serbien, Luxemburg und Rumänien. EU- und Kulturminister Gernot Blümel (ÖVP) trat als Gastgeber auf, Hauptredner war der Schriftsteller Daniel Kehlmann.

Daniel Kehlmann berichtete in seiner sehr persönlichen Rede von seiner letzten Begegnung mit dem ungarischen Schriftsteller, Literaturnobelpreisträger und Auschwitzüberlebenden Imre Kretesz, der 2016 verstarb. "Seitdem haben die von Viktor Orban kontrollierten Medien nicht aufgehört, ihn als unpatriotischen Internationalisten darzustellen, der für alles steht, was sie verabscheuen: Offenheit, Toleranz, Intellektualität", kritisierte er. Nun sei es an "uns allen", dem entgegenzutreten.

"In der EU geht es nicht um die Krümmung von Gurken oder Bananen, sie ist keine Idee von Bürokraten, sondern geht auf Denker, Schriftsteller und Künstler zurück", mahnte er. Kehlmann hofft, dass die "dunkle Wolke des Abscheus, der Dummheit und des Nationalismus", die sich auch in Österreich, wo eine "rechtsextreme Partei unverantwortlicherweise Teil der Regierung wurde", wieder verschwinde.

"Literatur ist in Bezug auf die EU eine Kunstform, die ich sehr schätze", sagte Blümel als Vertreter der österreichischen EU-Ratspräsidentschaft. "Es gibt unterschiedliche Ansichten innerhalb der EU, nicht jedoch in Bezug auf Kunst und Kultur", fuhr er fort. Besonders in Österreich dürfe man Kultur nicht als national begrenzt ansehen, sondern müsse die internationalen Aspekte unterstreichen.

Der ungarische EU-Kommissar für Kultur und Bildung, Tibor Navracsics (Fidesz), betonte, dass man in Europa nicht genug auf die Standpunkte der anderen eingehe, was besonders durch die Sprachbarrieren offenbar werde. Trotz des Brexit glaubt er aber daran, dass die englische Spracheweiterhin die Verständigung in der EU gewährleisten werde.

Preise für fünf Autoren

Die Auszeichnung der öffentlichen Jury, die durch eine frei zugängliche online-Abstimmung ermittelt wurde, erhielt die serbische Autorin Jelena Jengold für ihre Kurzgeschichte "Jasmin und Tod", die Vorurteile thematisiert. Der Preis der Mitglieder des EU-Parlaments ging aufgrund von Stimmengleichheit an zwei Autoren, die beide aus Luxemburg stammen: Jean Back hinterfragt in "Europäische Wolken" die Bereitschaft, innerhalb der EU für Waren die Grenzen zu öffnen, weniger jedoch für Menschen. Gast Groeber hingegen thematisiert mit "Aktuelle Wetterwarnung: überwiegend dichter Nebel" die "furchtbare" Situation, dass sich Menschen, die Flüchtlingen helfen wollen, strafbar machen.

++ HANDOUT ++ VERGABE 'EU-LITERATURPREIS 2018': PREISTRAeGER
Die Preisträger Foto © APA/BKA/ANDY WENZEL

Den Preis der professionellen Jury, die aus mehrfach ausgezeichneten Journalisten, Buchhändlern und Autoren besteht, erhielt die rumänische Schriftstellerin Ioana Parvulescu für "A voice". Sie behandelt darin die emotionale Bedeutung der Medien für die Menschen. "Eine Stimme oder ein Buch kann nicht die Geschichte ändern, aber sie können Menschen ändern, die dann die Geschichte ändern können", sagte sie. Die mazedonische Autorin Lidija Dimakovska wurde mit "When I left 'Karl Liebknecht'" zudem für ihre Dienste am Kulturerbe geehrt, da sie in der Geschichte besonders auf die verbindenden und trennenden Aspekte der europäischen Kulturen einging.

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Danke für Ihr Verständnis.

Balrog206
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Ich

habe bis jetzt nicht gewusst das die Eu ein Projekt der Künstler , Schriftsteller und Denker ist ! Habe immer gedacht es standen zuerst wirtschaftliche Interessen im Vordergrund 🙈🤔😉

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paulrandig
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Balrog206

Das ist eine längere Entwicklung. Bereits Beethoven war ein glühender Europäer (auch wenn er zwischendurch Napoloen-Fan war). Tatsächlich haben Intellektuelle und Künstler ein vereintes, friedliches Europa schon Generationen früher angedacht als es dann verwirklicht wurde.
Nach den Weltkriegen war es offensichtlich, dass die größten Blöcke in Europa durch Wirtschaft so eng verknüpft werden müssen, dass ein Krieg gegeneinander undenkbar wird. Und jetzt kommt die Wirtschaft ins Spiel. Ein Nebeneffekt sollte natürlich auch sein, dass man einander nicht mehr misstrauisch, sondern standardmäßig einmal als Freunde betrachtet - also eine Absage an den bedenklichen Nationalismus. Hier sind wir momentan bedauerlicherweise wieder im Retourgang unterwegs.

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DavidgegenGoliath
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@paul

Was ist das Gegenteil von Nationalimus?
Und wo funktioniert dieses Konglomerat?

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paulrandig
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DavidgegenGoliath

Warum das Gegenteil? Das Gegenteil von etwas Extremen ist zwingend ebenso extrem und deshalb abzulehnen. Deshalb funktioniert weder der betonte Nationalismus, noch sein Gegenteil, das eine völlige Gleichmacherei unterschiedlichster Menschen ohne jede Berücksichtigung irgendwelcher Wurzeln wäre.

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tomtitan
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@paul: siehe zB Artikel: "EU-Kommission will Ausweitung des Fischfangs"

auf die Umwelt wird ge...n, für die EU zählt einzig und allein der Profit - Frieden gibt es nur weil sich ein Krieg nicht rechnet!

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Balrog206
3
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Paul

Die Frage stellt sich dann , warum der natinalismus wieder aufkeimt ? Was ist dafür verantwortlich , warum diese Parteien stärker werden , sie sind ja längst in der Mitte angekommen !

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paulrandig
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Balrog206

Der Nationalismus keimt aus zwei Gründen wieder auf:
Erstens das Aussterben derjenigen, die das letzte Mal sein Erstarken und seine Folgen hautnah miterlebt haben.
Zweitens die mangelnde bzw. falsche Bildung, die es den meisten heutigen Menschen nicht ermöglicht, Parallelen zu ziehen und Muster zu erkennen.
Insofern ist die Geschichte wieder einmal dabei sich zu wiederholen. Und wieder einmal wollen wir es nicht glauben, bis es zu spät ist.

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mapem
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Tja weißt, Balli …

oft lachen dich die Antworten auf deine Fragen beim Zähneputzen an – vorausgesetzt man hat dort einen Alibert oder dergleichen montiert …

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Pollheim
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Tja...

...in der Mitte der Wählerschaft sind sie wirklich angekommen aber nicht im politischen Spektrum. Da liegt die FPÖ am äußersten rechten Rand. Was nicht bedeutet das alle Wähler der FPÖ rechtsradikale sind, aber die Spitz der FPÖ ist es durch und durch und das beweisen sie tagtäglich durch ihre menschenverachtenden Aussagen.

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hofer246
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Das wird er wohl noch sagen dürfen...

Das erfolgreiche Ängste-schüren Modell der FPÖ findet seine Nachahmer in der Hoffnung auch damit erfolgreich zu sein. Auch das darf beobachtet werden...

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KlausLukas
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Blümel

Was hilft es wenn der Blümel dort sitzt. Der wurde auch schon einer Gehirnwäsche unterzogen.

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wosinetwas
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Kehlmann lebt übrigens ...

... in New York und Berlin. Also im Lande Trumps und der AfD.

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Gedankenspiele
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@wosinetwas

Wo muss/darf/soll ich wohnen damit ich Missstaände in unserer Gesellschaft kritisieren darf?

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bmn_kleine
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Und?

Was hat der Wohnort von Hrn. Kehlmann mit der FPÖ zu tun?

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tomtitan
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Wenn er in Favoriten leben würde

wäre er wahrscheinlich anderer Meinung ;-)))

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Gedankenspiele
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Zum Glück gibt es noch Leute,...

...die sich das in der Öffentlichkeit zu sagen trauen. Wer weiß wie lange man das noch darf.
Natürlich verabscheuen Orban und Co Intellektualität, denn wer soll sonst Orban, die FPÖ, AFD und Co wählen?

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CuiBono
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Recht hat er

der Daniel Kehlmann!

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