Besucherrekord Grazer Elevate Festival erreichte 2018 neue Dimensionen

Besucherrekord zum Ausklang und auch sonst zufriedene Bilanz: Das war die 14. Ausgabe des Grazer Festivals für Musik, Kunst und politischen Diskurs.

Julian Assange war bei der Eröffnung live zugeschaltet © ballguide/Großschädl
 

"Es war das bisher beste Elevate", meinte Mitbegründer Daniel Erlacher zum Ausklang der 14. Ausgabe des Grazer Festivals für Musik, Kunst und politischen Diskurs, stolz. Und in der Tat: Das diesjährige Programm unter dem Motto "Risiko und Courage" war in punkto aktuelle Gesellschaftsthemen bis dato das wohl reichhaltigste und ausgewogenste.

An den ersten Diskurstagen kamen die mannigfaltigen Probleme, Gefahren und Widerstände des unabhängigen Investigativ-Journalismus - hier erfuhr das Prinzip des demokratisch kontrollierten, öffentlichen Rundfunks deutlichen Rückenwind - ebenso zur Sprache wie der Kampf indigener Völker gegen gierige Konzerne und Klimawandel oder die zunehmende Beeinflussung menschlichen Verhaltens durch Maschinen und Algorithmen.

Berichte aus den Flüchtlingslagern

Eines der Highlights am Sonntag, dem letzten Tag des Festivals, war das Podium unter dem Titel "Changing the Narrative": Prominente Flüchtlingshelfer und mit dem Thema befasste Künstler aus verschiedenen Ländern berichteten in eindringlicher Weise über die Zustände in den nach wie vor existierenden Flüchtlingslagern inner- und außerhalb der Grenzen Europas. Einig waren sich Podium und Publikum darüber, dass es gilt, die positiven Geschichten und Schicksale, die sich auf der großen Fluchtbewegung der vergangenen Jahre nach Europa ereigneten, mehr in den Vordergrund zu rücken, um die von der Politik oft geschürte Angst vor Zuwanderung zu relativieren.

"Small Rooms"

Einer der Diskutanten, der griechische Friseur und Hilfsaktivist Vasilis Tsartsanis, gestalte auch die sehenswerte Wanderausstellung "Small Rooms": Sie hat die einzigartige Solidarisierung der Bevölkerung des an der oft zitierten Balkanroute gelegenen, nordgriechischen Grenzorts Idomeni mit den Flüchtlingen jenseits aller politischer Wertehaltungen zum Inhalt.

Tsartsanis berichtete, dass sich sogar Anhänger der rechtsextremen Partei "Morgenröte" solidarisierten, und das, obwohl der kleine Ort mit nach seinen Angaben über einer Million durchziehender Menschen tatsächlich einer der wohl meist betroffenen in ganz Europa war. "Small Rooms" war während der Dauer des Elevate-Festivals im zu sehen und zieht bereits diese Woche nach Paris weiter.

Zurück zum Thema Whistleblowing 

Zum Finale kehrte der Diskursreigen noch einmal zum Thema Whistleblowing zurück, das mit der Live-Schaltung zu Wikileaks-Gründer Julian Assange vergangenen Mittwoch den mit viel Aufmerksamkeit bedachten Auftakt des 14. Elevate gebildet hatte. Snowden-Anwältin Jesselyn Raddack und mehrere US-amerikanische Whistleblower und Kriegsgegner wie Thomas Drake, Lisa Ling und Cian Westmoreland schilderten eindringlich den beinahe unverstellbaren Druck und die Schikanen, denen sie, ausgehend vom Geheimdienst im eigenen Land, weltweit ausgesetzt sind. Danach folgte der Musikhöhepunkt des diesjährigen Festivals im Orpheum, wo mit Greg Fox und Jimi Tenor gleich zwei internationale Superstars auf der Bühne standen.

Fotoserie: Abschlusskonzert beim Elevate Festival 2018

Der New Yorker Greg Fox spielte solo am Schlagzeug. Der einstige Black-Metal-Drummer, der als schnellster im „Big Apple“ galt, sorgte für wildes Tanzen in den hinteren Reihen und staunend offene Münder in den vorderen: Sein Schlagzeug übersetzt mittels Magneten die Vibrationen in Midi-Signale und lässt ihn mit Drumsticks ein ganzes Synthie-Set-up bespielen.

Elevate/Johanna Lamprecht

Viel entspannter kann man kaum auf der Bühne stehen: Jimi Tenor haut dem sonntagnächtlich ermüdeten Publikum seine Hits wie „Take Me Baby“ um die Ohren, trinkt Champagner - und muss permanent in der Anleitung zu einem seiner Geräte nachlesen ...

Elevate/Johanna Lamprecht

... Alles gut, „ich bin ja sowieso der Letzte im Line-up“, sagt die finnische Techno-Ikone. Und außerdem „nur“ der Einspringer: Tenor hatte sich ja kurzfristigst dazu bereit erklärt, den Elevate-Rausschmeißer an der Stelle von John Maus zu machen.

Elevate/Johanna Lamprecht

Mit Nonchalance, Saxofon, Quer- und Sektflöte holte er spätabends noch die letzten Reserven aus den Festivalgästen.

Elevate/Johanna Lamprecht

Die Organisatoren bilanzieren nach fünf Tagen mit rund 9000 Besuchern, so vielen wie noch nie. Mehr dazu hier.

Elevate/Johanna Lamprecht
Elevate/Johanna Lamprecht
Elevate/Johanna Lamprecht
Elevate/Johanna Lamprecht
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Besucherrekord

Elevate verzeichnete nach vorläufigen Zahlen dieses Jahr einen Besucherrekord von rund 9.000 Gästen. Das Elevate ist im 15. Jahr seines Bestehens nach der jüngsten Ausgabe dabei, sich als eines der wichtigsten und vitalsten internationalen Festivals in der steirischen Landeshauptstadt zu etablieren. Das zeigte sich weiters anhand der vielen prominenten Elevate-Fans und Unterstützer, darunter etwa Bundespräsident Alexander Van der Bellen, Hotellerie-Lokalgröße Helmut Marko, Chocolatier Josef Zotter und Karikaturist Gerhard Haderer.

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