Das Konzept der Schuld ist viel älter als das Christentum. Sophokles‘ König Ödipus, schon von Hölderlin als „Ödipus Tyrann“ übersetzt, leidet auch an der scheinbar unverschuldeten Schuld, einem unentrinnbaren Schicksal, das ihn zum Mörder des Vaters und Liebhaber seiner Mutter gemacht hat. Patrycia Ziolkowska als Ödipus sträubt sich auf der fast leeren Bühne des Volkstheaters lange gegen die unerträgliche Wahrheit, doch er/sie ahnt es wohl längst: obwohl Ödipus dem Schicksal auf seinen Schwellfüßen davonhumpeln wollte, hat es den Herrscher von Theben mit Leichtigkeit wieder eingeholt.