Sie ist und bleibt wohl auf ewig in den Herzen der Österreicher das Mariandl: Waltraut Haas ist am Mittwoch in den frühen Morgenstunden mit 97 Jahren in Wien verstorben. „Trotz aller unendlicher Trauer sind wir dankbar, dass sie so ein langes Leben hatte, so vielen Menschen Freude bereiten konnte und auch bis zuletzt in verhältnismäßig guter körperlicher Verfassung war“, teilte ihre Familie mit.

Stille Verabschiedung im engen Kreis

„Trotz aller unendlicher Trauer sind wir dankbar, dass sie so ein langes Leben hatte, so vielen Menschen Freude bereiten konnte und auch bis zuletzt in verhältnismäßig guter körperlicher Verfassung war“, so die Hinterbliebenen in ihrem Kommunique, die eine Verabschiedung im engsten Familienkreis ankündigten: „Neben ihrer beeindruckenden Karriere war sie vor allem eines: ein warmherziger, humorvoller und zutiefst liebenswerter Mensch.“

Bis heute ist der Charme der am 9. Juni 1927 in Wien als Tochter einer Hoteliersfamilie geborenen Schauspielerin legendär. Dabei war der Weg zum Beruf kein leichter. Auf Wunsch ihrer Mutter besuchte Haas zunächst eine Haushaltsschule, bevor sie das Konservatorium für darstellende Kunst in Wien absolvierte und zusätzlich bei der Burgschauspielerin Julia Janssen privaten Schauspielunterricht nahm.

Das Theater stand vor Mariandl

Der Beginn der Karriere führte dann über die Theaterbühnen, wobei auf das Landestheater Linz, in Wien das Bürgertheater, das Stadttheater und Raimund Theater sowie in Deutschland der Titania-Palast Berlin oder das Deutsche Theater München folgten. Dann sollte die Entdeckung durch Willi Forst den Wendepunkt markieren: Er besetzte sie als Mariandl für seinen „Hofrat Geiger“, was Haas in der Folge etliche Rollen als süßes Wiener Mädl eintrug.

Als Mentoren und Wegbegleiter sollten Größen wie Paul Hörbiger, Curd Jürgens, Johannes Heesters, Franz Antel, Heinz Rühmann und allen voran Hans Moser der Mimin zur Seite stehen. Neben ihren Rollen in „Mariandl“, „Mariandls Heimkehr“, „Hallo Dienstmann“, „Kleiner Schwindel am Wolfgangsee“, „Gruß und Kuß aus der Wachau“ oder „Keine Angst Liebling, ich paß schon auf“ in der Regie ihres Mannes Erwin Strahl nahm Haas auch Schallplatten auf, darunter etwa „Im Weißen Rössl“ und „Wiener Lieder“.

Lebenserinnerungen: „Jetzt sag ich‘s“

Dieses bewegte Leben schilderte Waltraut Haas in ihren 2018 erschienen Erinnerungen „Jetzt sag ich“s„, in denen sie nicht nur von Erfahrungen mit Hollywoodstars wie Errol Flynn erzählt und vor allem auch ihrem Gatten Erwin Strahl ein literarisches Denkmal errichtet, mit dem sie den gemeinsamen Sohn Marcus Strahl, heute Schauspieler und Regisseur, hatte. Sie erzählte bei allem Grundoptimismus auch von Enttäuschungen und Niederlagen. Als das Genre des liebenswerten Heimatfilms und damit auch ihre Rollen in Werken wie “00Sex am Wolfgangsee„ zusehends in seichte Sexschnulzen mündeten, führte Haas“ Weg wieder auf die Theaterbühnen, wo sie meist unter der Regie ihres 2011 verstorbenen Ehemanns im Scheinwerferlicht stand.

Außerdem entdeckte die Schauspielerin, die etwa 2003 mit dem Österreichischen Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst oder 2010 mit dem Goldenen Wiener Ehrenzeichen ausgezeichnet wurde, das deutschsprachige Fernsehen für sich. So war sie zuletzt 2020 in Catalina Molinas „Das Glück ist ein Vogerl“ als Wachkomapatientin zu erleben. Vor allem blieb Waltraut Haas aber stets der Theaterbühne verbunden und war etwa mit den beiden Künstlerwirtsleuten Tamara Trojani und Konstantin Schenk im Dinner Theater Schönbrunn oder bei den Wachaufestspiele zu erleben.

Dann sollte die Entdeckung durch Willi Forst den Wendepunkt markieren: Er besetzte sie als Mariandl für seinen „Hofrat Geiger“, was Haas in der Folge etlichen Rollen als süßes Wiener Mädl eintrug. Als Mentoren und Wegbegleiter sollten Größen wie Paul Hörbiger, Curd Jürgens, Johannes Heesters, Franz Antel, Heinz Rühmann und Hans Moser der Mimin zur Seite stehen. 

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Mit Sohn Marcus Strahl im Juli 2023 © Imago

In Filmen wie „Der Hofrat Geiger“, „Mariandl“, „Im weißen Rössl“ oder „Hallo Dienstmann“ wurde Haas zu einer Ikone des österreichischen Nachkriegskinos. Besonders ihre langjährige Zusammenarbeit mit Regisseur Franz Antel prägte eine ganze Ära des heimischen Filmschaffens. Ihre künstlerische Vielseitigkeit stellte Haas auch immer wieder auf der Bühne unter Beweis, zuletzt viele Jahre im Rahmen der Wachaufestspiele Weissenkirchen. Ab 1966 war Waltraut Haas mit dem Schauspieler Erwin Strahl (1929-2011) verheiratet.

Grande Dame des heimischen Films

Mit Haas verliert Österreich eine der beliebtesten Schauspielerinnen des Landes, eine Grande Dame des heimischen Films und Theaters, deren charmante Ausstrahlung, unverwechselbare Stimme und lebensfrohes Wesen über Generationen hinweg das Publikum berührten. „Waltraut Haas war das Mariandl und die Rösslwirtin der Nation – und wird es für immer bleiben“, hieß es in einer Presseaussendung.

Bürgermeister Ludwig und Kaup-Hasler

„Mit dem Tod von Waltraut Haas verlieren wir eine Legende des österreichischen Films und Theaters. Als Mariandl an der Seite von Hans Moser und Paul Hörbiger sowie als Rösslwirtin gemeinsam mit Peter Alexander eroberte sie die Herzen des Publikums im Sturm“, so Wiens Bürgermeister Dr. Michael Ludwig. „Mit Charme, Witz und ihrer unverwechselbaren Natürlichkeit sorgte sie als echter Publikumsliebling für unvergessliche Momente und hat Generationen von Zuschauer*innen berührt und inspiriert.“

Auch Wiens Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler würdigt die Schauspiel-Legende, die über Jahrzehnte hinweg fixer Bestandteil des kulturellen Lebens in Österreich war: „Waltraut Haas war nicht nur Volksschauspielerin, sondern auch leidenschaftliche Botschafterin der Kultur – weit über die österreichischen Grenzen hinaus hat sie mit ihren Darstellungen, die sie mit Menschlichkeit und Sensibilität zu füllen vermochte, gestrahlt.“

„In diesen schweren Stunden gilt unser Mitgefühl ihrer Familie und den vielen, die sie mit ihren Rollen berührt hat“, so Ludwig und Kaup-Hasler abschließend .Waltraut Haas wurden zahlreiche Auszeichnung zuteil, darunter die Ehrenmedaille der Bundeshauptstadt Wien in Gold, das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien und der Goldene Rathausmann.

Seniorenbundpräsidentin gedenkt Waltraud Haas

Die Präsidentin des Seniorenbunds, Ingrid Korosec, trauert um Waltraud Haas, die 97-jährig verstorben ist: „Sie war eine große Künstlerin mit einer beeindruckenden Karriere als Schauspielerin und Autorin.“ Der nun älteren Generation habe Waltraud Haas mit ihren Rollen – legendär und populär etwa „Im weißen Rößl“ und „Mariandl“ – einst Freude und Vergnügen bereitet. „Bis heute sind diese Filme gern gesehen. Waltraud Haas wird nicht nur deshalb unvergessen bleiben.“ Korosec spricht Waltraud Haas‘ Familie ihr Beileid aus.

Vizekanzler und Kulturminister Babler zum Tod von Waltraut Haas

„Mit großer Bestürzung und Trauer habe ich vom Tod Waltraud Haas erfahren. Mit ihrem soliden Können, ihrer charismatischen Präsenz und ihrem humorvollen Wesen war sie Jahrzehnte in Theater wie auch in Film und Fernsehen aktiv und prägte u.a. das Filmschaffen der Nachkriegszeit in Österreich nachhaltig. Haas war ein ausgesprochener Publikumsliebling und eine fixe Größe der österreichischen Schauspiel- und Singkunst, die über die Bundesgrenzen hinausgehend strahlte. Über 70 Jahre stand Haas auf der Bühne, in rund 70 Filmen hat sie im Laufe ihrer umfassenden Karriere mitgewirkt – unvergessen bleiben die Musikfilme „Der Hofrat Geiger“ und „Im Weißen Rössl“ . Sie nahm auch Schallplatten auf, darunter etwa „Wiener Lieder“. Waltraut Haas Tod ist ein großer Verlust für die heimische Kunst- und Kulturlandschaft und erschüttert mich persönlich sehr. Meine Anteilnahme gilt insbesondere ihrer Familie und ihren Weggefährtinnen und -gefährten.“