Shakespeare spricht Arabisch. Jedenfalls auf der diesjährigen Berlinale, die außerhalb der Kinos gerade im Schnee versinkt. Der Berliner Regisseur Burhan Qurbani hat mit “Kein Tier. So Wild” nämlich ein Königsdrama des Barden für die Leinwand adaptiert: “Richard III”. Mit dabei ist auch Österreichs Starschauspielerin und Filmakademie-Präsidentin Verena Altenberger. Wie schon bei seiner monumentalen Version von „Berlin Alexanderplatz” verlegt der Filmemacher die Handlung ins Heute. Die Familien York und Lancaster sind Unterwelt-Clans in Berlin-Neukölln. Und Richard ist Rashida. Die kulturelle Übersetzung des unzerstörbaren Shakespeare ist also zugleich auch eine feministische Lesart der Tragödie um Macht und Mord. Beides funktioniert eigentlich gut. Im Gegensatz zu „Berlin Alexanderplatz” hat der Regisseur diesmal aber auf eine minimalistische Theater-Inszenierung gesetzt. Das lässt zwar das Ensemble glänzen, allen voran Kenda Hmeidan als machtgierige herzlose Hauptfigur. Altenberger spielt ihre Widersacherin Elisabet. Bei langen, überernsten 142 Minuten wirkt der Film aber allzu leer für die große Leinwand. Dann doch lieber gleich Theaterbühne. Oder nächstes Mal einfach ein simpleres Shakespeare-Stück visuell spannender adaptieren, wie etwa Joel Coen in seinem Macbeth-Film von 2021.
Berlinale
Feministische Lesart der Tragödie um Macht und Mord
Kritik.
Eine Schneedecke liegt auf Berlin. Doch darunter brodeln bei den Weltpremieren der Berlinale Machtgelüste, Intrigen und Provinzhorror. Die ersten Filme.
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