Abstrakt oder abstrakt – das ist hier die Frage. Oder andersherum gefragt: Passiert die Abstraktion durch die Darstellung auf der Leinwand oder durch das Betrachten? Dies lässt sich am besten bei der Ausstellung in der rittergallery überprüfen, wenn die ungestümen Farbwelten Johann Julian Taupes auf Richard Klammers Berge, Favelas und Kühe treffen.

Berge, Kühe, Favelas

Ganz real scheinen diese schneebedeckten Gipfel, die in einen tiefblauen Himmel ragen oder die rostbraune Bergkette, die sich vor einem grünen Firmament schlängelt. Auch glauben wir sofort, dass die Kuh mit dem unverfrorenen Blick und einer Mitra als Kopfbedeckung von den Bauernkindern einen klingenden Namen bekommen hat. Und die aus gefundenem Wellblech bestehenden Behausungen für arme Menschen in Brasilien, sogenannte Favelas, die Klammer aus Kartonagen und Verpackungsmaterial nachgestellt hat, sind ebenso existent. Dennoch entspringen diese Darstellungen der Erinnerung des Künstlers und sind somit ein Abbild der Wirklichkeit, eine Interpretation – und einen Schritt weiter gedacht, sogar eine Abstraktion.

Weltkugeln mit neuer Sicht auf die Welt

Assoziationen zu konkreten Dingen stellen Betrachtende hingegen laut der Galeristin Martina Mosebach-Ritter oft bei Taupes Bildern her, die keine klaren figürlichen Abbildungen erkennen lassen. Kleinere und größere Farbflächen, punktuelle Setzungen, Übermalungen oder Auslassungen erwecken demnach den Wunsch nach einer bekannten Form. In seinen Bildern folgt der Künstler, der derzeit auch im MMKK (in einer Doppelpersonale mit Richard Kaplenig) zu sehen ist, allerdings seiner Intuition und komponiert diese mit malerischer Sicherheit zu einem großen Ganzen. Die Farbe steht dabei im Mittelpunkt und nimmt in jedem Werk eine unterschiedliche Form an. So sind hier auch Weltkugeln zu finden, die wortwörtlich eine neue Sicht auf die Welt – die sich oft genug als abstrakt und nicht mehr greif- oder fassbar darstellt – preisgeben.