AccessControl ac = AccessControl.getAccessControl(request);

HightechEin smarter Käfer

Michaela Schicho lebt nicht nur eine ungewöhnliche Karriere, sondern sie hat auch einen Vitalmonitor entwickelt: Die Sensoren von Käfer Mary erkennen, wie es Kindern geht.

© Fuchs
 

Irgendwie unscheinbar und flugunfähig liegt Mary auf der Dockingstation: Der Marienkäfer mutet wie ein sehr klein geratenes Stofftier an. Tatsächlich aber ist Mary, so der Markenname, eine Hightech-Innovation: Zwar hat Mary keine Fühler, doch „fühlt" die Käfer-Applikation über Sensoren Vitalwerte schlafender Kinder und schlägt bei Unregel­mäßigkeiten Alarm.

Die Erfindung ist der Höhepunkt der Berufsbiografie von Michaela Schicho (41), die in beiden Welten zu Hause ist: in jener der Textiltechnik und in jener der angewandten Informatik.

„Schon als Kind habe ich ­Fischertechnik-Roboter gebaut und Barbie-Kleider genäht", erzählt Schicho: „Mode ist eine zweite Haut." Maturiert hat sie an der HBLA für Mode (Villach). Darauf folgten Jahre als Trachtenmode-Designerin, die ideell, aber nicht materiell erfolgreich waren: Sie wurde „Designerin des Jahres", gewann Wettbewerbe, verkaufte Kleider um 1500 Schilling. „Aber am Ende haben mir die Eltern den Geldhahn abgedreht." Es blieb nichts übrig.

Ich persönlich möchte kein Büro zu Hause haben. Entweder bin ich da oder dort.

Michaela Schicho
Weitere Lehrjahre folgten. Schicho begann ein In­for­matikstudium in Klagenfurt, plagte sich mit Integral- und ­Differenzial-Rechnungen, ­paukte Statistik, erarbeitete Hardware-Architekturen, Web-Technologien und Datenbanken. Nicht selten saß sie als einzige Frau in Seminaren. Sei’s drum. „Neben dem Studium habe ich als Software-­Entwicklerin gearbeitet." Direkt nach der Geburt ihrer ersten Tochter stand noch eine Prüfung in Systemsicherheit an. Und die Diplomprüfung. Schicho blieb noch einige Jahre als Projektassistentin am Institut für angewandte Informatik, unterrichtete Webtechnologie. Und half mit, ein biomedizinisches Datenbankmanagement für die Krebsforschung aufzubauen – auf Basis von Gewebeproben aus Biobanken. Das Medizinthema hat die inzwischen zweifache Mama, so erzählt sie, ebenfalls von Anfang an angetrieben. „In die Freundschaftsbücher meiner Schulkollegen habe ich unter ,Was ich einmal werden will‘ immer ,Kinderkrankenschwester‘ geschrieben."

Zur Person

Michaela Schicho, geboren in Villach, ist Geschäftsführerin und Gründerin der Sticklett GesmbH und Erfinderin des digitalen Käfers „Mary". Die Diplomingenieurin hat an der Uni Klagenfurt Informatik studiert. Sie lebt mit ihrem Mann und den beiden Töchtern in Klagenfurt.

Und wieder nahm Schicho eine Kehre in der Berufslaufbahn: Sie machte sich selbstständig. Mit Stoff-Applikationen auf Kinder-Shirts. Weil: Ihre Töchter wollten immer gerade das Shirt mit dem Motiv anziehen, das gerade in der Wäsche war. Also erfand Schicho ein System zum An- und Abziehen von Motiven. Die Töchter zufrieden. Deren Freundinnen neidvoll. Deren Mütter interessiert. 2014 gründete Schicho in Klagenfurt die Einzelfirma Sticklett, die seit 2017 eine GesmbH ist. Zig Motive gibt es bereits und einen erfolgreichen Onlineshop.

Auch Mary, der Käfer, basiert auf einer banalen Problemstellung: Kind fiebert in der Nacht, Eltern verbringen die Nacht im Kinderzimmer und sind total übermüdet.

Geht es anders? Es geht. Schicho führte mit Unterstützung der FH Kärnten und Kinderärzten eine Machbarkeitsstudie durch. Die Fragestellungen: Welche Daten kann man über Kleidung beziehungsweise die Haut überhaupt aufnehmen? Wie genau sind die Daten? Was hat Sinn? Was ist Nonsens?

„Hörgerät“ der anderen Art: Schicho demons­triert den digitalen Käfer an einer Puppe Foto © Fuchs

Das Ergebnis: Aus Temperatur, Atmung und Bewegung ­eines Kindes können wichtige Rückschlüsse auf dessen ­Vitalzustand gezogen werden. Schicho selbst schrieb sodann die Anforderungsspezifikation für die Hardware, im Fach­jargon „Lastenheft" genannt. Ebenso entwickelte sie die Software. Partnerfirmen bauten den Prototyp. Der mit Sensoren ausgestattete Marienkäfer wird am Bekleidungsstück angebracht, die Daten an die mobilen Endgeräte der Eltern weitergeleitet.

Jetzt ist Käfer Mary, der in Österreich produziert werden wird, serien- und marktreif. Eine Kickstarter-Kampagne ist erfolgreich abgeschlossen. Im Dezember startet die Produktion. Dann gibt es das Produkt zum Preis von 299 Euro im Sticklett-Online-Shop und im Handel zu kaufen.

Schicho will den „smarten" Bekleidungsmarkt revolutionieren. Als Mitglied der Fokusgruppe „Health Technology" ist die Unternehmerin auch Kooperationspartnerin des steirisch-kärntnerischen Mi­kroelektronik-Clusters Silicon Alps. Mary könnte schließlich auch auf andere Zielgruppen „fliegen", Senioren etwa.

Nächstes Ziel: „Ein Team aufbauen und ihm meine Kompetenzen übertragen, sodass ich nicht mehr im, sondern am Unternehmen arbeiten kann."

Fakten

Wearable Computing ist ein Forschungsgebiet, das sich mit der Entwicklung von tragbaren Computersystemen beschäftigt. Ein Wearable Computer ist während der Anwendung am Körper des ­Benutzers befestigt oder in die Kleidung integriert. Die hauptsäch­liche Tätigkeit von Wearable Computing ist das Tracking durch Sensoren, Applikationen, Hard- und Software.

Die Daten ergeben sich aus der Umgebung, dem Verhalten (zum Beispiel der Aktivität) und dem physiologischen Zustand (zum ­Beispiel: Herzfrequenz) des Nutzers.

Der „Walkman", erfunden 1979, basiert auf dem Konzept von Wearables. Im Gesundheitsbereich sind Herzschrittmacher/Hörgeräte etablierte Instrumente. Neu ist die Ausweitung der Konzeption auf weitere Anwendungsfelder, die durch zunehmende Miniaturisierung sowie Kommunikationsmöglichkeiten der Bausteine und ­geringere Kosten möglich wird.

Zwischen 0 Uhr und 6 Uhr ist das Erstellen von Kommentaren nicht möglich.
Danke für Ihr Verständnis.