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Alpen-Adria-UniversitätBeziehungsmanagement in E-Mails: "Hallo Herr Professor" und "mit lieben Grüßen"

Ulrike Krieg-Holz stellt in einer Publikation eine Untersuchung von E-Mail-Anfängen und –Enden vor. Basis sind 50 E-Mail-Konversationen, die unter dem Aspekt des Beziehungsmanagements analysiert werden.

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Eine aktuelle Publikation, herausgegeben von Ulrike Krieg-Holz und Christian Schütte (Institut für Germanistik), widmet sich den Textanfängen und bietet Konzepte und Analysen aus linguistischer, literaturwissenschaftlicher und didaktischer Perspektive. Ulrike Krieg-Holz stellt darin eine Untersuchung von E-Mail-Anfängen und –Enden vor. 

„Begrüßungs- und Verabschiedungsformeln unterliegen im schriftlichen Deutsch derzeit einer starken Dynamik“, berichtet Ulrike Krieg-Holz. Diese Entwicklung lässt sich exemplarisch an zwei Ausdrucksformen ablesen: Einerseits werden bestimmte Kommunikationsformen (z. B. Liebe alle) entlehnt, andererseits werden ursprünglich mündliche Anredeformen für das Schriftliche übernommen (z. B. Hallo Herr Professor Maier).

Krieg-Holz hat sich für ihre Analysen an einem deutschsprachigem Textkorpus bedient, das aus Alltagskommunikation besteht (CodE-Alltag, in Aufbau seit 2014). Basis sind 50 E-Mail-Konversationen, die unter dem Aspekt des Beziehungsmanagements analysiert werden. Vier Dimensionen spielen dabei eine zentrale Rolle: „Als horizontale Dimension gehören hierzu ‚Nähe‘ und ‚Distanz‘, denn der kommunikative Abstand wird in jeder Begegnung neu ausgehandelt. Die vertikale Dimension bezieht sich auf Macht und Status, also den kommunikativen Rang der GesprächsteilnehmerInnen, der symmetrisch oder asymmetrisch sein kann. Hinzu kommen die ‚evaluative‘ Dimension und die ‚affektive‘ Dimension, das heißt die kommunikative Wertschätzung der Beteiligten und deren Gefühlslage, ihre Sympathie oder Antipathie.“ Im Fokus der Betrachtung stehen die verwendeten Grußformeln, die zumindest teilweise Aufschluss über die Entwicklung der Beziehungen zwischen sich Austauschenden geben.

Häufig zu beobachten sei dabei der Wechsel von der „sprachsystematisch als neutral für formelle, institutionelle Interaktionen einzustufenden Anredeform Sehr geehrte(r) zu Liebe(r)“. Ein ähnlicher Wechsel findet üblicherweise auch am Textende von der neutralen formellen Verabschiedungsformel Mit freundlichen Grüßen zu Liebe Grüße statt. Festzustellen sei auch, dass die statushöheren KommunikationspartnerInnen diejenigen sind, die den Wechsel der Grußformeln zuerst vollziehen.

Ulrike Krieg-Holz fasst zusammen: „Das System von Anrede- und Verabschiedungsformen in E-Mails ist stark ausdifferenziert. Eines der zentralen Motive dafür scheinen Funktionen innerhalb des Beziehungsmanagements zwischen den Kommunikationsbeteiligten zu sein. Für eine systematische Untersuchung der Verwendung dieser Formeln ist es jedoch nötig, deren intersubjektive Bewertung und Funktionszuschreibung innerhalb der Kommunikationsgemeinschaft zu erheben. So könnte man Erkenntnisse darüber gewinnen, welche Formen als gebräuchlich empfunden werden und welche Reihungen zwischen diesen hinsichtlich der oben genannten Dichotomien vorgenommen werden.“

Publikation

Krieg-Holz, U. & Schütte, C. (Hrsg.) (2019). Textanfänge. Konzepte und Analysen aus linguistischer, literaturwissenschaftlicher und didaktischer Perspektive. Berlin: Frank & Timme.

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