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Forschung aus Kärnten - PH„Utopien sind absolut notwendig“

Menschenrechte als Utopie beschreiben einen Idealzustand: Warum wir sie brauchen und wie sie gelehrt werden sollen, war Inhalt eines PH-Forschungsprojekts.

Das gute Leben für alle zu erreichen, ist das ultimative Ziel der Menschenrechte
Das gute Leben für alle zu erreichen, ist das ultimative Ziel der Menschenrechte © anyaberkut - stock.adobe.com
 

Sie haben sich in Ihrer Dissertation mit Menschenrechtsbildung beschäftigt. Warum ist dieses Thema im Schulalltag wichtig?
JOSEFINE SCHERLING: Die Botschaft der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, dass jeder Mensch eine Würde besitzt, die geachtet und geschützt werden muss, halte ich für äußerst zentral in der Heranbildung von jungen Menschen. Wenn wir sie dahingehend erziehen wollen, dass sie nicht nur für ihre eigenen Rechte, sondern auch die von anderen eintreten, bewegen wir uns hin zu einer friedvolleren und gerechteren Gesellschaft.

Fällt so eine Gesellschaft nicht in das Reich der Utopie?
Dazu möchte ich die britische Soziologin Ruth Levitas zitieren: „Utopien können uns nicht nur helfen, sie sind absolut notwendig. Wir brauchen diese Bilder von der Zukunft und wir brauchen dringend eine demokratische Debatte. Denn wenn wir diese nicht führen, werden uns Zukunftsvisionen einfach vorgesetzt.“

Menschenrechtsbildung an Schulen trägt also zur Gestaltung der Zukunft bei?
So kann man das sehen. Die Menschenrechte bieten uns eine Leitlinie dafür, wie wir uns Zukunft vorstellen. Diese Vorstellungen ändern sich aber mit der Zeit und müssen immer neu ausgehandelt werden.

Wie sollten Menschenrechte idealerweise unterrichtet werden?
Eine Kultur der Menschenrechte muss an der Schule bewusst gelebt werden. Das fängt beim Schulleitbild an und endet im Umgang miteinander – die Schulleitung, die Lehrer, die Schüler und die Eltern sind da alle gleichermaßen verantwortlich. Schule ist immer auch ein Abbild der Welt als Ganzes. Wenn es im Kleinen mit dem würdevollen Umgang miteinander funktioniert, dann trägt sich das nach außen weiter.

Nun ist der Lehrplan aber ohnehin schon mit dem regulären Stoff gut gefüllt – wo bleibt da noch Zeit für Menschenrechte?
Eine menschenrechtliche Perspektive sollte kein Zusatz, sondern Teil jedes Unterrichts sein. Wichtig ist, dass man die richtigen Fragen im Unterricht stellt, so findet man in allen Fächern einen Zugang zu Menschenrechtsthemen. Die Herausforderung dabei steckt darin, dass man sich auch kontroversen Diskussionen stellen muss – die oft keine eindeutigen Antworten zulassen. Lehrer müssen sich damit abfinden, nicht alles beantworten zu können.

Welche Tipps geben Sie Lehrern, die ihre Schüler für die Menschenrechte sensibilisieren wollen?
Man sollte den Schülern keine Meinung aufzwingen, sondern versuchen, sie selbst begründete Urteile bilden zu lassen. Das braucht aber Zeit, ein Tag der Menschenrechte einmal im Schuljahr reicht dafür nicht.

Publikation

Zukunftsdimension in der Menschenrechtsbildung: Grundlagen – Analysen – Perspektiven“ lautet der Titel der Publikation von Josefine Scherling. Die Pädagogin nahm das 70-jährige Bestandsjubiläum der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte im Vorjahr zum Anlass, sich mit Fragen zu Utopien und Menschenrechten zu beschäftigen.

Das Buch, das auf ihrer vorangegangenen Dissertation basiert, erscheint in Kürze im Verlag Beltz Juventa.

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