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Forschung aus Kärnten - FH„Manchmal gelingt es, Elefanten zu zähmen“

Das Afrika-Kooperationsbüro OSECA am FH-Studiengang Soziale Arbeit vernetzt seit zehn Jahren Forscher und Studierende zweier Kontinente. Büroleiter Helmut Spitzer zieht Bilanz über die bisherigen Erfolge.

Helmut Spitzer ist Professor für Soziale Arbeit an der FH Kärnten. Er forscht seit mehr als 20 Jahren in Ostafrika zu Straßenkindern, Kindersoldaten, alten Menschen und Sozialer Arbeit
Helmut Spitzer ist Professor für Soziale Arbeit an der FH Kärnten. Er forscht seit mehr als 20 Jahren in Ostafrika zu Straßenkindern, Kindersoldaten, alten Menschen und Sozialer Arbeit © KK
 

Herr Spitzer, Sie lehren an der FH Kärnten im Bereich Soziale Arbeit und reisen regelmäßig nach Ostafrika, um diesen Bereich vor Ort in Wissenschaft und Forschung zu etablieren. Was kann Soziale Arbeit in dieser Region bewirken?
HELMUT SPITZER: In Afrika gibt es ein Sprichwort: „Wo Elefanten kämpfen, leidet das Gras.“ Damit ist die Bevölkerung auf der Graswurzelebene gemeint, die zwischen einer elitären Politik, dem grassierenden neoliberalen Kapitalismus und den Auswirkungen des Klimawandels ums Überleben kämpft. Man kann sagen, dass Soziale Arbeit sich um die Pflege des Grases kümmert – und manchmal gelingt es auch, die Elefanten ein wenig zu zähmen.

Vor zehn Jahren haben Sie damit begonnen, das OSECA-Büro für Wissenschaftskooperation und Bildungszusammenarbeit aufzubauen. Wozu das Ganze?
Die große Stärke von OSECA liegt in der Netzwerkarbeit mit Partnerhochschulen und Praxiseinrichtungen. Mit den Hochschulen liegt der Fokus auf Forschung, Lehrplanentwicklung und Publikationen. Dadurch werden die Studierenden vor Ort mit jenem Wissen ausgestattet, das sie für ihre spätere sozialberufliche Tätigkeit benötigen. Davon profitiert auch die Praxis, die ihrerseits mit den von Armut betroffenen Communities arbeitet.

Wie hat sich Ihr Blick auf Soziale Arbeit in den letzten 10 Jahren verändert? Hatten Ihre Erfahrungen in Ostafrika darauf Einfluss, wie Sie das Fach in Österreich betrachten und unterrichten?
Das ursprüngliche Ziel, die Soziale Arbeit zu professionalisieren, zu stärken und ihr ein eigenes afrikanisches Profil zu verleihen, ist in einigen Bereichen erreicht worden. Doch es gibt noch viel zu tun. Nach wie vor wird sowohl die Ausbildung als auch die Praxis stark von westlichen Konzepten und Methoden dominiert. Was das Fach in Österreich betrifft, so hilft der Blick auf fremde Kulturen, um das Eigene in einem neuen Licht zu sehen, speziell, was die Herausforderungen der multikulturellen Gesellschaft in Österreich betrifft. Auch wenn es ein bisschen pathetisch klingt: Wenn ich mir vergegenwärtige, mit welchen Ressourcen und unter welchen Bedingungen meine Kolleginnen und Kollegen in Afrika arbeiten müssen, dann weiß ich meine eigenen Arbeits- und Lebensbedingungen umso mehr zu schätzen.

Und was nehmen die österreichischen Studierenden mit, die vom OSECA-Büro zu Praktika in Ostafrika vermittelt werden?
Sie profitieren fachlich durch die Aneignung von interkulturellen Kompetenzen, biografisch durch Persönlichkeitsentwicklung und politisch durch die Herausbildung eines kritischen Blicks auf die Gesellschaft. Nicht zuletzt engagieren sich viele danach ehrenamtlich oder entscheiden sich für einen Job in der Migrationssozialarbeit und Flüchtlingshilfe.

Ihre Wünsche für die nächsten zehn Jahre der OSECA-Mission?
Ich wünsche mir – nicht nur für Afrika – eine Welt, in der Menschenrechte, menschliche Werte und Klimaschutz mehr zählen als wirtschaftlicher Profit.

Kooperationsbüro

OSECA steht für „Office of Scientific and Educational Cooperation with African Partners“. Das Büro wurde 2008 von Helmut Spitzer mit dem Ziel gegründet, ein Zentrum für Forschungstätigkeiten und Entwicklungsinitiativen mit afrikanischen Partnerländern zu schaffen. Seither wurde eine Vielzahl von Projekten initiiert.

Geforscht wurde unter anderem zum Überleben alter Menschen in Tansania, zu den Lebenswelten von Schulkindern in der Post-Konflikt-Region Norduganda oder zur Förderung Sozialer Arbeit in Burundi. Wissenschaftskooperation, Bildungszusammenarbeit, Entwicklungsforschung und die Förderung von Studierendenmobilität sind weitere Schwerpunkte.

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