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Greta hätte ihre FreudeWo die Retter des Planeten im Hörsaal sitzen

Der Campus Friesland im niederländischen Leeuwarden bildet Studenten aus aller Welt für die Jobs der Zukunft aus. Der Dekan würde unter ihnen gerne auch Österreicher sehen.

© contrastwerkstatt - Fotolia
 

Wer gerade von Friday-for-Future“ bewegt ist und dem Thema gar sein Berufsleben widmen will, für den könnte der Campus Friesland die goldrichtige Adresse sein. Seit dem Herbst 2018 läuft an der elften Fakultät der Universität Groningen der Studiengang „Global Responsibility and Leadership“ (Globale Verantwortung und Führung), den der 38 Jahre alte Kärntner Andrej Zwitter maßgeblich mitentwickelt hat.

Wen man dort sucht? „Studenten, welche den Antrieb haben, die Welt besser machen zu wollen.“ Das University College, weit weg von einem Massenbetrieb, soll eine Elite heranbilden, die lokale Antworten auf jene globalen Fragen geben soll, welche die junge Schwedin Greta Thunberg gerade in das Zentrum des weltweiten Interesses rückte.

Über das Studium

Globale Verantwortung und Führung (GRL). Grundlagen: Politikwissenschaft, Wirtschaft, globale Gesundheit, Psychologie, Erde und Energie, Informationstechnologie. Geforderte Fähigkeiten: Akademische Kommunikation, Sprache und Kultur, Forschung, Ethik und Führung.
Bewerbung. Bis 1. Mai. Neben den üblichen Unterlagen wird auch ein Referenzschreiben (z. B. von Praktikum, Lehrer oder früherem Arbeitgeber) erwartet.
Kosten. 4249 Euro pro Studienjahr für EU-Bürger.
Nicht-EU-Bürger: 12.600 Euro.
Ranking. GRL ist nach der nationalen Studentenumfrage 2019 unter den Top-10-Studiengängen in den Niederlanden.

Hervorstechende Merkmale von GRL, so das Studienkürzel, sind Internationalität und Interdisziplinarität. Letztere eröffnet den Absolventen vieler Nationalitäten eine Vielzahl von weiterführenden Möglichkeiten. Im ersten Jahr wird ihnen sozusagen die Welt erklärt. Danach ist es Zeit für Spezialisierungen und die Praxis in den „Living Labs“, welche die Studenten fit für die Arbeitswelt machen.

Die Niederländerin Ellis Mourits schwärmt: „Wir hatten etwa Projekte mit der lokalen Wasserwirtschafts-Behörde und einem Abfallwirtschaftsbetrieb. Da können wir unser im ersten Jahr erworbenes breites Wissen schon für lokale Anliegen verwerten.“ 50 Betriebe wollen Partner sein, um vom Wissen der Studenten zu profitieren, „mehr, als wir derzeit Projekte haben“, so Zwitter, der mit 36 rasch zum Dekan aufstieg.

Der Campus Friesland ist eine lebendige, zukunftsorientierte und umweltbewegte Fakultät mit mehr als 50 Partneruniversitäten weltweit, darunter vielleicht in absehbarer Zeit auch die AAU in Klagenfurt.

Campus Friesland

Besonderheit ist die Interdisziplinarität. Bachelor-Programm: Globale Verantwortung und Führung. Master-Studien: Nachhaltiges Unternehmertum; Staatsführung und Recht in der digitalen Gesellschaft; Umwelt-/ Energiemanagement; Wassertechnologie u. a.

 

Mit dem Masterlehrgang „Sustainable Entrepreneurship“ (Nachhaltiges Unternehmertum“) bietet man eine zweite außergewöhnliche Ausbildung an. Auch dort wird erarbeitetes Wissen schon während des Studiums nach außen transportiert. Gerade, berichtet Zwitter, habe ein Student im Rahmen seiner Abschlussarbeit eine markttaugliche App für nachhaltige Mobilität entwickelt. Und er freut sich, wie gefragt seine Studiosi beiderlei Geschlechts generell sind.

Der Unterricht ist nicht nur praxisgetrieben, sondern auch tagesaktuell und damit natürlich Greta Thunberg allgegenwärtiges Thema, die Zwitter gerne als Vorbild zitiert, „zeigt sie doch vor, dass Leadership keine Frage des Alters ist.“

Andrej Zwitter
Der Dekan des Campus Friesland, der Kärntner Andrej Zwitter, würde unter der Studentenschaft gerne auch Österreicher sehen Foto © Helmut Weichselbraun

Wenn man so will, hat auch der Campus Friesland seine „Greta“. Unlängst durfte eine Studentin vor den versammelten Außenministern beim Klimagipfel in Madrid sprechen. Neben der Praxisorientierung gehört es zur Philosophie, den Studenten Kontakt mit internationalen Entscheidungsträgern und Top-Fachleuten zu ermöglichen. Ban Ki Moon (Ex-Uno-Generalsekretär), inzwischen Chef des „Global Centre on Climate Adaptation“, mit dem man eng zusammenarbeitet, war ebenso Diskussionspartner wie der frühere Nato-Chef Jaap de Hoop Scheffer.

Am Ende des Tages sollen die Studenten fit für die Jobs der Zukunft sein: Experten im Kampf gegen den Klimawandel und für die notwendige Adaptierung der Umwelt, Experten für nachhaltiges Wirtschaften.
Die Herausforderung Künstliche Intelligenz treibt Zwitter und sein Team bei der Konzeption eines weiteren Bachelor-Programms an: Datenforschung und Gesellschaft. „Derzeit gehen noch zu viele Daten verloren, mit denen wir Einsicht in ein nachhaltigeres gesellschaftliches Verhalten bekommen können,“ so Zwitter.

IT-Kenntnisse sind am Campus Friesland in erster Linie Mittel zum Zweck, wer sich der Digitalisierung sperrt, wäre aber eindeutig fehl am Platz.
Für die Aufnahme sind Motivation und Engagement die wesentlichen Voraussetzungen. Auf einen Numerus Clausus verzichtet man bewusst. „Noten“, so Zwitter, „sagen nichts über Motivation und Engagement aus. Ich war ein mittelmäßiger Schüler, aber ein guter Student, weil mich die Materie interessiert hat.“

Campus Friesland Studentin Ellis Mourits
Dieses Studium inspiriert mich jeden Tag. In den Projekten können wir unser breites Wissen für lokale Problemlösungen nützen, sagt die niederländische Studentin Ellis Mourits Foto © Campus Friesland

Wie schnell die Studenten in die Materie und ihre künftige Rolle hineingewachsen sind, haben sie übrigens gerade auf dem Campus demonstriert. Zu viel Fleisch und Plastik im Restaurant – das stieß den Studenten sauer auf. In einem Dialog mit der Leitung setzten sie jetzt eine auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Küche durch. Ein Problem mit globalem Hintergrund wurde lokal gelöst, so wie es künftig ihr Job sein soll.

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