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SOMMERGESPRÄCHE

Kerstin Raunig: "Ich kann keinem etwas vorspielen"

Schauspielerin Kerstin Raunig aus Haimburg wirkte bereits bei 50 Theaterproduktion mit. Die 32-Jährige im Gespräch über ihre Männerrollen, tägliche Rituale und warum sie sich keinen Plan B zurechtlegen möchte.

© KLZ/Konitsch
 

Vor zehn Jahren haben Sie ihre erste Filmrolle in "Medicopter 117" gespielt. Jetzt stehen Sie nur mehr auf der Theaterbühne? Ist ihre Filmkarriere vorbei?

KERSTIN RAUNIG: Ich wollte schon immer auf die Bühne und Theater spielen. Der Film war für mich nie eine Option. Um ehrlich zu sein, interessiert es mich nicht. Das Theater ist meine Berufung.

Ihre jüngere Schwester Tanja ist ebenfalls Schauspielerin und erobert die Filmwelt. Sind Sie eifersüchtig?

RAUNIG: Nein. Ich habe mir immer eine Schwester gewünscht. Ich bin auch ihr größter Fan. Sie lebt auch in Wien, gar nicht weit von mir entfernt. Es ist schön, dass ein Teil der Familie in meiner Nähe ist. Ich komme leider nicht so oft nach Hause.

Wie oft verschlägt es Sie in die Heimat?

RAUNIG: Das ist unterschiedlich und hängt von den Produktionen ab. Manchmal schaffe ich es den ganzen Sommer nicht, dafür im Herbst. Aber prinzipiell drei bis vier Mal im Jahr. Wobei unsere Eltern oft nach Wien reisen. Sie sehen sich all unsere Stücke an.

Haben Sie schon als Kind geträumt, Schauspielerin zu werden?

RAUNIG: Ich wollte das schon immer machen. Mit zwölf Jahren habe ich mich über Schauspielschulen informiert. Mit 16 habe ich dann neben dem Gymnasium die Schauspielschule "Odeon" in Klagenfurt besucht. Mit 19 habe ich die Bühnenreife gemacht.

Hatten Sie zu Beginn bei intimen Szenen Berührungsängste?

RAUNIG: Wenn man Schauspieler werden möchte, darf man prinzipiell keine Berührungsängste haben. Natürlich ist es von Vorteil, wenn einem der Partner sympathisch ist. Aber im Theater lernt man sich in kürzester Zeit eigentlich sehr gut kennen. Du kennst dann sämtliche Macken deiner Kollegen.

Apropos Macken. Haben auch Sie welche?

RAUNIG: Um fit zu bleiben, achte ich sehr darauf, was ich esse. Ich bin manchmal auch zu diszipliniert. Ein gutes Beispiel dafür sind meine täglichen Übungen, die ich seit der Schauspielschule mache. Vorher gehe ich nicht ins Bett.

Sie achten auf Ihre Ernährung. Kochen Sie da lieber selbst?

RAUNIG: Ich bin keine gute und vor allem keine leidenschaftliche Köchin. Wenn ich koche, dann nur, damit ich wieder einmal etwas Warmes esse. Ich esse lieber kalt, vor allem Nudelsalat. Nicht weil ich faul bin, sondern weil mir oft einfach die Zeit dazu fehlt.

Sie sind viel unterwegs. Wie kommen Sie dennoch zur Ruhe?

RAUNIG: Wenn ich in meinen eigenen vier Wänden bin. Da schminke ich mich ab, esse etwas, mache meine Übungen, lese ab und zu ein Buch. So komme ich zur Ruhe. Ich brauche keinen Urlaub. Außerdem habe ich schreckliche Flugangst.

Beruflich schlüpfen Sie gerne in andere Rollen. Nutzen Sie privat ihr Talent und gaukeln manchen etwas vor?

RAUNIG: Ich kann keinem etwas vorspielen und bin für pure Ehrlichkeit. Ich finde, um eine Rolle authentisch verkörpern zu können, muss man auch total ehrlich sein.

Gibt es eigentlich eine Rolle, die Sie nie spielen würden?

RAUNIG: Ich wüsste keine. Ich habe auch schon Männerrollen verkörpert.

Ist es schwierig, als Frau einen Mann zu spielen?

RAUNIG: Nein. Durch meine Tanzvergangenheit kann ich mich gut bewegen. Es waren ja auch Bubenrollen, da habe ich nicht die Stimme verstellen müssen.

Sie waren früher Turniertänzerin. Haben Sie mit dem Tanzen komplett aufgehört?

RAUNIG: Mit dem Eintritt in die Schauspielschule habe ich damit aufgehört. Es blieb einfach keine Zeit mehr.

Ist das Text-Lernen eine Tortur?

RAUNIG: Wenn man sich das früh genug einteilt, ist es kein Problem. Lustig ist nur, sobald ein neues Stück da ist, weiß ich vom alten Stück, auch wenn ich es 100 Mal gespielt habe, nichts mehr.

Haben Sie ein Vorbild?

RAUNIG: Meine Schwester und ich sind große Peter-Alexander-Fans. Er war charmant, konnte singen und war sehr humorvoll. Er hatte eine tolle Ausstrahlung.

Können Sie auch singen?

RAUNIG: Ich sehe mich als Schauspielerin mit natürlich kärntnerischer Gesangsbegabung.

Wie würden Sie sich selbst beschreiben?

RAUNIG: Ich bin ein lebensbejahender Mensch und kann mir alles Schönreden. Ich brauche auch wahnsinnig viel Bewegung. Marschieren eher als laufen. Denn ich habe eine relativ schlechte Lauftechnik. Ich mache täglich meinen eineinhalb Stunden langen Spaziergang.

Was ist ihr Ziel?

RAUNIG: Ich hoffe, dass ich weiterhin vom Theater leben kann. Im Herbst spiele ich bereits bei meiner 50. Produktion auf der Freien Bühne Wieden in Wien.

Gibt es einen Plan B?

RAUNIG: Ich habe mir bis jetzt keinen überlegt. So weit soll es nicht kommen. Bitte, bitte nicht.

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